Besonders heikel: Ex-Bild-Mitarbeiterin reicht Klage gegen Springer in den USA ein

06.09.2022
 

Axel Springer droht infolge der Reichelt-Affäre ein Rechtsstreit in den USA. Eine Ex-Bild-Mitarbeiterin hat laut der Zeit an einem kalifornischen Gericht Klage eingereicht. Diese birgt für Springer erhebliche Risiken. In Deutschland stellte die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin ihr Ermittlungsverfahren gegen Reichelt bereits im vergangenen Jahr ein.

"Die Klage, die sich gegen Bild sowie den US-amerikanischen Ableger Axel Springer Services mit Sitz in Delaware richtet, listet insgesamt elf Vorwürfe gegen Springer auf. Demnach soll sich der Verlag der sexuellen Belästigung, Vergeltungsmaßnahmen, unfairer Entlohnung sowie Beihilfe zu Belästigung schuldig gemacht haben", schreibt Holger Stark bei Zeit Online. In der Klageschrift habe die Ex-Mitarbeiterin eine Verhandlung vor einer Jury in Los Angeles beantragt.

Springer könnte die Klage teuer zu stehen bekommen. Erst im vergangenen Jahr hatte der Konzern das US-Medienunternehmen Politico für den geschätzten Kaufpreis von einer Milliarde Dollar übernommen. Bereits 2015 hatte Springer den Onlinedienst Business Insider für rund 300 Millionen Euro gekauft. Holger Stark weist in seinem Zeit-Online-Artikel darauf hin, dass in den USA deutlich strengere Richtlinien beim Umgang zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelten. Seine Prognose: Die Klage dürfte in eine hohe Schadensersatzforderung münden. In vergleichbaren Fällen hätten Gerichte häufig den Frauen recht gegeben.

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In der aktuellen Klage der Ex-Bild-Mitarbeiterin werde der Fall Reichelt detailliert aus Sicht der jungen Frau wiedergegeben. Laut Zeit Online zählt die ehemalige Bild-Angestellte zu jenen Frauen, die im vergangenen Jahr im Rahmen einer Compliance-Untersuchung ihre Erfahrungen mit Julian Reichelt zu Protokoll gegeben hatten. Im März 2021 hatte Springer Reichelt zunächst freigestellt, wenig später aber wieder eingesetzt, da es "keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung" gegeben habe. Im Oktober 2021 trennte sich der Medienkonzern schließlich dauerhaft von Reichelt. Der Bild-Chef habe "auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt", hieß es damals bei Springer.

Reichelt hat die Vorwürfe stets dementiert und wiederholte dies nun gegenüber der Zeit. Die Schilderung der Frau sei "kompletter Unsinn und frei erfunden", es gehe darum, ein "bestimmtes Narrativ" durchzusetzen. 

Ein Unternehmenssprecher von Axel Springer sagte auf Anfrage der Zeit: "Wir prüfen die Klage und werden zu gegebenem Zeitpunkt dazu Stellung nehmen."

Die deutschen Anwälte der ehemaligen Bild-Mitarbeiterin, Christian Schertz und Anna Sophie Heuchemer, wollten sich nach Zeit-Angaben ebenfalls nicht äußern. Sie könnten "schon aus Gründen des Mandatsgeheimnisses" dazu "keinerlei Stellung nehmen".

Interessant: Die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin hatte ein Ermittlungsverfahren gegen Reichelt eingeleitet – wegen des Verdachts auf Nötigung. Das Verfahren sei aber schon im Februar 2021 eingestellt worden, "da eine Straftat nicht ersichtlich war", teilte die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr auf kress pro-Anfrage mit.

kress pro hat in seiner jüngsten Ausgabe exklusiv über die Zweifel an der Reichelt-Story des Spiegel berichtet. Die preisgekrönten Recherchen über Julian Reichelt sind demnach schwach belegt. Das zeigen nicht nur Textnachrichten, die kress pro vorliegen. Jetzt gleich kress pro mit der Titelgeschichte über Reichelt lesen.

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