Waren die ARD-Spitzen frühzeitig über das rbb-Bonussystem informiert?

07.09.2022
 

"Die Spitzen der ARD-Rundfunkanstalten wussten seit Jahren über das Bonussystem für rbb-Führungskräfte Bescheid", berichtet das rbb-Rechercheteam, das sich auf ein Schreiben aus dem Jahr 2018 bezieht. Wie der WDR reagiert.

Dem rbb-Rechercheteam liegt nach eigenen Angaben ein Schreiben vom 15. März 2018 an die ARD-IntendantInnen und ARD-Gremienvorsitzenden vor. Darin werde die grundsätzliche Gestaltung des Systems beschrieben. Außerdem werde berichtet, dass Geschäftsleitungsmitglieder bei voller Zielerreichung mehr als zehn Prozent ihres Basisgehalts hinzugewinnen könnten. Das Schreiben ist laut dem rbb-Rechercheteam von der mittlerweile entlassenen rbb-Intendantin Patricia Schlesinger und dem inzwischen zurückgetretenen Verwaltungsratsvorsitzenden Wolf-Dieter Wolf unterschrieben.

Das rbb-Recheteam verweist darauf, dass der aktuelle ARD-Vorsitzende, WDR-Intendant Tom Buhrow, zuletzt mehrfach mitgeteilt hatte, man habe erst dieses Jahr im Zuge des Skandals von dem Bonussystem erfahren. In einer ARD-weit abgestimmten Antwort habe der WDR jetzt die Existenz des Schreibens von 2018 bestätigt. Es sei jedoch ausdrücklich nicht von Boni die Rede gewesen. "Das Ausmaß dieser zusätzlichen Zahlungen ist dabei nicht deutlich geworden", heißt es dazu in der Stellungnahme der WDR-Pressestelle. "Selbst nach Bekanntwerden der Zahlungen wurde bestritten, dass es sich um zusätzliche Boni gehandelt hat." Die Einführung variabler Gehaltsbestandteile beim rbb sei aus diesem Grund in der ARD nicht weiter vertieft worden, "da alle Landesrundfunkanstalten autonom über ihr Gehaltsgefüge entscheiden."

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