Beten für Trump: Wirbel um interne Mail von Springer-Chef Mathias Döpfner

07.09.2022
 

Für Axel Springer gibt es aus den USA weiter brisante Nachrichten: Die Washington Post bringt ein großes Porträt von Mathias Döpfner. Dabei zitiert die Zeitung aus einer internen E-Mail des Springer-Chefs aus dem Jahr 2020, in der dieser zum Beten für einen Wahlsieg von Donald Trump aufgerufen haben soll. Springer sagt: Das war ein Scherz. 

Mathias Döpfner soll laut Washington Post im Jahr der letzten Präsidentschaftswahl in den USA wörtlich in einer internen Nachricht an Untergebene geschrieben haben: "Wollen wir alle am 3. November morgens eine Stunde in uns gehen und beten, dass Donald Trump wieder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird". Döpfner begründet das laut der Washington Post, die die E-Mail veröffentlicht hat, mit mehreren Punkten und schließt mit dem Satz: Keine amerikanische Regierung habe in den letzten 50 Jahren mehr erreicht als Trump. 

Döpfner hat nach Darstellung der Washington Post zunächst abgestritten, dass er sowas tatsächlich geschrieben habe, konnte sich dann aber doch noch erinnern und bezeichnete das Ganze als eine "ironische provokative Erklärung", die er in einem Kreis von Menschen getätigt habe, die Trump hassen.

Schon bei seiner umstrittenen und viel diskutierten privaten SMS an Autor Benjamin von Stuckrad-Barre soll Döpfner nach eigener Darstellung und der von Axel Springer das Stilmittel der Ironie und bewussten Übertreibung verwendet haben.

Bei Axel Springer heißt es zu dem Bericht der Washington Post über die Döpfner-Mail, die Nachricht habe nur eine kleinen Kreis (vier Personen) erreicht. "Die Darstellung oder Interpretation, es sei eine Art Rundmail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen gewesen, ist falsch."

Weiter stellt Springer klar: "Die Aufforderung zum 'kollektiven Beten' war selbstverständlich ein Scherz. Bei Axel Springer wird nicht kollektiv gebetet. Der Rest der Nachricht war kein Scherz und auch nicht ironisch gemeint gewesen, sondern war die persönliche Sicht von Mathias Döpfner zu dem Zeitpunkt, die er im sehr kleinen Kreis geteilt hat. Auslöser für diese Mail war eine Agenturmeldung, die auch der Nachricht beigefügt war, mit der Eilmeldung, dass die Trump-Administration plane, Google zu verklagen. Eine für alle Verlage sehr positive Nachricht. Wichtig ist hier  auch der weitere historische Kontext: Die Nachricht entstand vor den US Wahlen und vor den damit verknüpften Skandalen rund um Trump. Mathias Döpfner hat sich in journalistischen Veröffentlichungen dazu sehr kritisch geäußert.“

Hintergrund: Seit die Übernahme von Politico durch Axel Springer, ist das Interesse amerikanischer Medien an dem deutschen Medienriesen und somit auch an CEO Döpfner zuletzt deutlich gestiegen. Im Vorjahr hatte eine Geschichte der "New York Times" bereits für viel Wirbel in der Reichelt-Affäre gesorgt.

In dieser Woche wurde nun publik, dass sich Springer im Nachgang der Affäre um Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt in den USA mit einem juristischen Nachspiel konfrontiert sieht (kress.de berichtete). Eine ehemalige Mitarbeiterin der Boulevardzeitung Bild reichte im August vor einem Gericht in Los Angeles eine Zivilklage gegen die Axel Springer Services, Delaware und gegen die Bild GmbH ein, wie aus der Gerichtswebsite hervorgeht. Dort ist auch ein Anhörungstermin im Dezember genannt. In der Klage werden insgesamt elf Vorwürfe aufgeführt, darunter sexuelle Belästigung im Sinne des California Fair Employment and Housing Act, Diskriminierung, Beihilfe zur Belästigung und arbeitsrechtliche Ansprüche. Ein Sprecher von Axel Springer teilte dazu mit: "Wir prüfen die Klage und werden zu gegebenem Zeitpunkt dazu Stellung nehmen."

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