Fernsehpreis-Debatte: Warum Bild keinen Ronzheimer-Beitrag eingereicht hat

12.09.2022
 

Die Autorin Marie von den Benken unterstellte in ihrem satirischen Wochenrückblick Axel Springer und Bild "ein wenig amateurhafte Unwissenheit", weil diese keinen TV-Beitrag von Paul Ronzheimer für den Deutschen Fernsehpreis eingereicht hätten. Was Bild zu dem Thema sagt - und wie sich der Deutsche Fernsehpreis äußert.  

Die Jury des 23. Deutschen Fernsehpreises hat unter dem Vorsitz des Produzenten Wolf Bauer herausragende Produktionen sowie journalistische und künstlerische Einzelleistungen der Programmsaison 2021/22 begutachtet. Danach wurden in 28 von insgesamt 30 Kategorien die Nominierungen ausgesprochen.

In der Kategorie "Beste persönliche Leistung Information" wurden drei Reporterinnen und Reporter für ihre Berichterstattung zum Ukraine-Krieg nominiert: Katrin Eigendorf (ZDF), Steffen Schwarzkopf (Welt) und Kavita Sharma (RTL/n-tv).

Was für eine große Debatte in der Medienszene sorgte: Paul Ronzheimer, der Vize-Chefredakteur von Bild, ist nicht auf der Liste.

Bild-Chefredakteur Johannes Boie kritisierte die Entscheidung der Jury: "Kein deutscher TV-Journalist war so früh in der Ukraine, keiner blieb so lange. Keiner war eher in Butscha. Er alleine hatte Selenskyi gleich mehrfach im Interview. Der Umgang mit ⁦@ronzheimer⁩ beim Fernsehpreis sagt sehr viel über diesen "Preis" aus." Gleichzeitig gratulierte Boie allen Gewinnern herzlich, diese Kritik gelte ausdrücklich nicht ihrer Leistung.

Auch Moderator Micky Beisenherz, Gesundheitsminister Karl Lauterbach oder Ex-WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich sprangen Ronzheimer zur Seite (kress.de berichtete).

Paul Ronzheimer schrieb auf Twtter: "Herzlichen Glückwunsch meinen geschätzen Kolleginnen und Kollegen zur Nominierung für den Fernsehpreis! Und wenn ich das so ehrlich sagen darf: Schade, dass Bild bei den Nominierungen (mal wieder) ignoriert wurde nach unserer Dauer-Berichterstattung seit Monaten."  

Die Autorin Marie von den Benken, die schon frei für Axel Springer gearbeitet hat, bemerkte in ihrem satirischen Wochenrückblick:

"Gut, um einen Fernsehpreis zu erhalten, müsste man vorab bei der Jury einen Beitrag einreichen. Die Bild, Johannes Boie oder der Axel-Springer-Verlag haben keinen einzigen eingereicht. Aus dieser Perspektive sieht es dann schon wieder etwas weniger nach Cancel Culture aus, dass Ronzheimer dieses Jahr leer ausgehen wird. Es riecht eher ein wenig nach amateurhafter Unwissenheit. Dass es bei der Bild mit seriöser Recherche nicht immer so weit her ist, gilt jetzt nicht gerade als extrem hart gehütetes Geheimnis. Die Teilnahmebedingungen des Fernsehpreises jedoch hätten bei der Bild ja bei Gelegenheit schon mal entdeckt werden können. Insbesondere jetzt, wo man doch ein Fernsehsender sein möchte." 

kress.de hat beim Deutschen Fernsehpreis nachgefragt. Laut einer Sprecherin hat Axel Springer (Bild TV) tatsächlich keinen Beitrag von Ronzheimer eingereicht.

Im Statut des Fernsehpreises heißt es:

(1) Das Vorschlagsrecht für die Auszeichnungen hat jeder Sender bzw. Programmanbieter mit Sitz in Deutschland, der Fernsehproduktionen selbst herstellt oder herstellen lässt und der mit seinem Programm bundesweit zu empfangen ist.

(2) ​​​Während Sender maximal drei Vorschläge je Kategorie machen dürfen, kann die Jury ohne Beschränkungen Vorschläge einbringen.

Das Statut sagt darüber hinaus: 

Die Mitglieder der Jury sind zum Stillschweigen über die Beschlüsse und den Inhalt der Beratungen verpflichtet.

Ein Bild-Sprecher sagte auf Nachfrage von kress.de:

"Eine Einreichung zum Deutschen Fernsehpreis ist keine Voraussetzung für eine Nominierung. In der Jury waren die TV-Beiträge von Paul Ronzheimer bekannt. Es wurde über sie diskutiert und innerhalb der Jury gegen eine Nominierung entschieden. Insofern ist es schlicht unerheblich, ob es eine explizite Einreichung gab."

Götz Hamann von der Zeit sieht Ronzheimer am Ende trotzdem als Gewinner:

"Er wurde als Kriegsreporter, ohne einen Preis errungen zu haben, öffentlich gewürdigt - und der Deutsche Fernsehpreis hat zum ersten Mal seit seinem Bestehen eine gesellschaftspolitische Debatte ausgelöst."

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