Zeitungsverleger etablieren Vorstand an Verbandsspitze

13.09.2022
 
 

Deutsche Zeitungsverleger wollen die Spitze ihres Verbandes BDZV umbauen. Künftig soll dieser von einem Vorstand geführt werden, der das bisherige Präsidium ersetzt.

Das Vorhaben teilte der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Delegiertenversammlung mit.

Eine Task-Force-Gruppe hatte die neue Struktur seit Frühjahr erarbeitet. Nun soll zeitnah die Verbandssatzung angepasst werden. Möglichst bis Jahresende soll auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung darüber abgestimmt werden, wie es weiter hieß. Die angepasste Satzung wird Grundlage für die Wahl eines neuen Führungsteams sein.

Die Delegierten verständigten sich demnach auf mehrere strukturelle Linien: An der Vorstandsspitze werden künftig drei Vorsitzende stehen - zwei sind ehrenamtlich tätig und betreuen das Thema Medienpolitik. Hinzu kommt der Hauptgeschäftsführer beziehungsweise die Hauptgeschäftsführerin des Verbands - derzeit hat Sigrun Albert diese Position inne.

Der Vorstand besteht zudem aus vier weiteren Ressort-Vorständen mit jeweiliger Zuständigkeit für die Bereiche Märkte, Journalismus, Trends & Innovationen und Finanzen.

Die Task-Force stellte der Delegiertenversammlung, die das oberste Beschlussgremium des BDZV ist, ihre Empfehlungen vor. Diese votierte nach Verbandsangaben mit überwältigender Mehrheit dafür, die Empfehlungen umzusetzen und sie, wo nötig, weiter auszuarbeiten.

Im Mai war bekanntgeworden, dass der derzeitige Verbandspräsident und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner sein Amt vorzeitig ab Herbst in neue Hände geben wird. Er hatte seinen Schritt unter anderem mit dem Wachstum Springers in den USA begründet.

In den Monaten davor hatte es innerhalb des Verlegerverbands Kritik an Döpfner gegeben, die zum Teil von Medienhäusern auch öffentlich geäußert worden war. Es gab Unmut bis hin zu Rücktrittsforderungen. Anstoß des Ganzen war ein Artikel in der Tageszeitung "New York Times" gewesen, in dem es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen den damaligen "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt ging, der den Springer-Konzern schließlich verlassen musste. Reichelt wies die Vorwürfe zurück und sprach später von einer "Schmutzkampagne" gegen ihn.

In dem Zeitungsartikel wurde auch aus einer privaten Kurznachricht Döpfners an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre zitiert. Der Springer-Chef hatte Reichelt darin als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den "neuen DDR-Obrigkeitsstaat" aufbegehre. Fast alle anderen seien zu "Propaganda Assistenten" geworden. Springer hatte die Kurznachricht als Ironie eingeordnet. Inmitten der andauernden Kritik hatte die Arbeitsgruppe ihre Arbeit für eine Modernisierung der Verbandsstruktur aufgenommen.

Quelle: dpa

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