Financial Times spricht von Interessenskonflikt: Döpfner soll Bild-Kampagne gegen Adidas angestoßen haben

15.09.2022
 

Axel Springer-Chef Mathias Döpfner soll "Bild"-Berichte gegen Adidas initiiert haben, weil das Unternehmen in der Coronakrise seine Ladenmiete nicht mehr zahlen wollte. Dass Döpfner selbst an Adidas vermietete, habe der Bild-Leser nicht erfahren. Springer dementiert energisch den FT-Bericht über einen möglichen Interessenskonflikt.

Dass der Sportartikelhersteller Adidas zum Beginn der Coronakrise Frühjahr 2020 seine Mietzahlungen für die wegen des bundesweiten Shutdowns geschlossenen Läden aussetzen wollte, sorgte für einen landesweiten Aufschrei. Die Bild-Zeitung hatte damals zuerst über den angekündigten Mietenstopp berichtet, ingesamt veröffentlichte das Springer-Blatt mehr als 20 Artikel zu dem Thema. Auch der Spiegel schrieb kritisch über Adidas. Letztlich entschuldigte sich Adidas öffentlich - mit großflächigen Anzeigen, u.a. in der Bild - und zahlte die Mieten. 

Die britische Financial Times hat nun Recherchen veröffentlicht, denen zufolge Axel Springer-Chef Mathias Döpfner ein bislang unbekanntes Eigeninteresse in der Sache gehabt haben soll. Döpfner war demnach gemeinsam mit zwei weiteren Partnern Eigentümer eines Altbaus im Zentrum Berlins, in dem Adidas ein Geschäft angemietet hatte.

Die Leser von Bild hätten von diesem möglichen Interessenkonflikt nichts erfahren. Und das, obwohl Döpfner laut "Financial Times" nicht nur mutmaßlich Nutznießer, sondern auch Quelle der Bild-Artikel gewesen sei. Er habe sich sofort, als ihn Adidas über die Entscheidung informiert hatte, mit dem damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt in Verbindung gesetzt und einen öffentlichen Aufschrei vorgeschlagen, schreibt die FT.

In einer Stellungnahme gegenüber der britischen Zeitung bestreitet Axel Springer, dass ein potenzieller Interessenkonflikt vorgelegen habe, allein die Vorstellung sei schon "absurd". Döpfner habe die Informationen nur deshalb an "Bild" weitergegeben, weil er "sofort wusste, dass es sich um eine Angelegenheit von überragendem öffentlichen Interesse handelt". Das sei die Aufgabe eines Verlegers - und aus heutiger Sicht würde er "genau das Gleiche" tun.

Der Verlag erklärte außerdem, Döpfner habe dem damaligen Bild-Chef Reichelt "selbstverständlich" seine persönliche Verbindung offengelegt, es wäre aber nicht "angemessen" gewesen, ihn als Quelle zu nennen. Außerdem habe die Berichterstattung "nicht nur eine einzige Filiale in Berlin" betroffen, sondern möglicherweise Tausende Adidas-Läden weltweit. Döpfner habe "völlig im Einklang mit unseren Richtlinien" gehandelt, betont Springer.

Ex-Bild-Chef Julian Reichelt sagte der Financial Times, grund­sätzlich nicht über Quellen zu sprechen. Er habe selbst die Entscheidung getroffen, die Story zu veröffentlichen

Im Verhaltenskodex des Verlags heißt es: "Jeder bei Axel Springer achtet darauf, persönliche und private Interessen von denen des Unternehmens zu trennen." Interessenkonflikte solle man rechtzeitig offenlegen und das weitere Vorgehen mit Vorgesetzten oder der Compliance-Abteilung abstimmen.

Quellen: kress, FT, Spiegel

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