Christian Lindner kritisiert: "Kein Intendant sollte mehr verdienen als der Bundeskanzler"

19.09.2022
 

An der Spitze der Öffentlich-Rechtlichen werde teilweise enorm verdient: Bundesfinanzminister Christian Lindner hat sich in der Bild am Sonntag kritisch zu den Gehältern der ARD-Chefs geäußert. Ob Tom Buhrow & Co. tatsächlich mehr als Olaf Scholz verdienen.

"Ich bin gegen jede Neid-Debatte, aber kein Intendant sollte mehr verdienen als der Bundeskanzler. Hier ist eine Selbstverpflichtung nötig, um mit dem Geld der Gebührenzahler sparsam umzugehen", so der FDP-Politiker in der BamS.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat neben seinem Regierungsamt noch ein Abgeordnetenmandat und erhält deshalb zusätzlich zu seinem Amtsgehalt die um 50 Prozent gekürzte Abgeordnetenentschädigung. Nach Zahlen, die der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags im Auftrag eines AfD-Abgeordneten im Sommer zusammengestellt hatte, kommt der Kanzler damit auf ein Monatsgehalt von insgesamt rund 30. 000 Euro, als etwa 360.000 Euro im Jahr.

Die Sender-Chefs der ARD bestimmen ihr Gehalt nicht selbst, sondern die Verwaltungsräte als Kontrollgremien. Im ARD-Intendanten-Vergleich verdient WDR-Intendant Tom Buhrow mit 413.000 Euro pro Jahr am besten - der WDR ist auch der größte ARD-Sender. Auch ZDF-Intendant Norbert Himmler (51) liegt mit 372. 000 Euro Jahresgehalt über der Scholz-Grenze.

Schaut man nur auf das Kanzlergehalt, liegen auch noch der künftige ARD-Chef und aktuelle SWR-Intendant Kai Gniffke (Jahresgehalt: 361 000 Euro), NDR-Intendant Joachim Knuth (Jahresgehalt: 346 000 Euro) und BR-Chefin Katja Wildermuth (Jahresgehalt: 340 000 Euro) darüber.

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR) hingegen steht nach Angaben für das 2021 mit rund 245.000 Euro am unteren Ende bei den Jahresgehältern der ARD-Intendanten. Bei den Angaben handelt es sich um die Grundvergütung.

"Insgesamt sollten die Chefetagen und Verwaltungen schlanker werden, um stattdessen die Redakteure angemessen zu bezahlen, die die Inhalte machen", so Lindner weiter in der Bild am Sonntag.

Vor einigen Tagen hatte sich der Minister ebenfalls zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk geäußert und sich für den Erhalt des Rundfunkbeitrags ausgesprochen. Er sei ein Verteidiger des Gebührenmodells, sagte er am Dienstag auf dem Kongress des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.

Eine Alternative wäre die Finanzierung aus dem Staatshaushalt durch Steuern. Das aber würde Journalismus in eine Situation bringen, in der der Haushaltsausschuss quasi mit Einfluss auf die Strukturen nähme, mahnte Lindner. Die jüngste Entscheidung Frankreichs, dort Rundfunkgebühren abzuschaffen, halte er nicht für übertragbar auf Deutschland.

Quellen: BamS, kress, dpa

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