Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung verschmelzen - wurde der Schritt von Mediahuis veranlasst?

22.09.2022
 

Das Medienhaus Aachen, das jetzt mehrheitlich zum belgischen Mediahuis gehört, hat eine Entscheidung bekannt gegeben. Die beiden Zeitungen "Aachener Zeitung" und "Aachener Nachrichten" (Deutschlands erste Nachkriegszeitung) verschmelzen ab Ende 2022 zu einer Marke. Welche das sein wird und was das für Konsequenzen hat.

Bereits vor rund einem Monat hatte der Deutsche Journalisten-Verband Alarm geschlagen: Er prophezeite das baldige Aus der Aachener Nachrichten und übte zugleich scharfe Kritik an den Verantwortlichen. Das Medienhaus Aachen erklärte sich damals ausführlich zu der DJV-Mitteilung: "Ob diese Zeitung Nachrichten oder Zeitung heißen oder einen ganz neuen Namen tragen wird, ist derzeit noch nicht entschieden", hieß es unter anderem (kress.de berichtete).

Nun teilte der Geschäftsführer der Medienhaus Aachen, Andreas Müller, mit: "Künftig werden wir für unsere Print-Angebote und unsere Digital-Angebote nur noch den Titel Aachener Zeitung verwenden." Man setze auf eine Ein-Marken-Strategie. "Wir haben lange diskutiert, mit welchem Titel wir in die Zukunft gehen. Letztendlich haben wir uns für den Titel mit der höheren Auflage entschieden", so Müller weiter.

Die verkaufte Gesamtauflage beider Blätter (Montag bis Samstag) lag im zweiten Quartal nach Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) bei 81.885 Exemplaren.

Nach Angaben des Medienhauses werden die beiden Zeitungen bereits seit 2003 von einer gemeinsamen Redaktion produziert. Sie unterscheiden sich demnach nur noch durch Titel, Markenfarbe und Layout-Elemente. Inhaltlich seien beide Zeitungen zu nahezu 100 Prozent identisch.

Geschäftsführer Andreas Müller hebt hervor: "Die neue Ein-Marken-Strategie des Hauses steigert die Effizienz in der Druckerei und vereinfacht die Entwicklung unseres Digitalgeschäftes."

Zusammengelegt werden die beiden Titel in der gesamten Region Aachen-Düren-Heinsberg (Jülicher Zeitung, Heinsberger Zeitung, Eifeler Zeitung etc.) In der Stadt Aachen soll der Titel Aachener Nachrichten als deutlich sichtbarer Untertitel fortgeführt werden. Chefredakteur Thomas Thelen begründet das so: "Wir wollen damit an die besondere Geschichte der Aachener Nachrichten erinnern, die als erste Zeitung im Nachkriegsdeutschland erschienen ist und damals die Lizenz Nummer 1 erhielt."

Zu der Frage, ob die Verschmelzung vom neuen Mehrheitseigentümer Mediahuis veranlasst wurde, antwortet das Medienhaus Aachen:

"Die Überlegungen zur Zusammenlegung der beiden inhaltlich deckungsgleichen Zeitungen deutlich älter als das Kaufinteresse unseres neuen belgischen Mehrheitseigentümers Mediahuis. Die Verschmelzung ist inhaltlich getrieben und sowohl journalistisch als auch ökonomisch konsequent und folgerichtig. Obgleich die Entscheidung maßgeblich in Aachen getroffen wurde, haben wir im Vorfeld Rat etwa von unseren neuen Kolleginnen und Kollegen von De Limburger eingeholt, die vor Jahren einen ähnlichen Prozess mit ihren beiden Lokalzeitungen vollzogen haben. Das ist einer der großen Vorteile der Mediahuis-Gruppe: Wir arbeiten eng und vertrauensvoll mit unseren belgischen und niederländischen Nachbarn in Hasselt und Maastricht zusammen, die ebenfalls zu Mediahuis gehören."

In den kommenden Tagen sollen nun die Kunden von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet werden. So erhielten alle Abonnenten der Aachener Nachrichten zum Jahreswechsel für einige Tage die ihnen bekannten Aachener Nachrichten und parallel dazu die Aachener Zeitung. Nele Toye, Leiterin des Lesermarktes im Medienhaus Aachenm erklärt: "Unsere Abonnenten können sich im direkten Vergleich davon überzeugen, dass sich für sie mit Ausnahme des Titels nichts verändert."

Hintergrund: Die Titel Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten wurden Mitte der 70er Jahre von den Herausgebergesellschaften an die Medienhaus Aachen GmbH (damals Zeitungsverlag Aachen GmbH) verpachtet. Bis zur Jahrtausendwende waren die Zeitungen redaktionell getrennt. Danach erfolgte eine Zusammenlegung der Redaktion und die sukzessive Angleichung der Inhalte. "Die Verschmelzung der Titel wurde seit vielen Jahren im Gesellschafterkreis diskutiert, durch eine komplexe Vertragsstruktur aber erschwert. Durch die gesellschaftsrechtliche Verschmelzung der Herausgebergesellschaften und der Medienhaus Aachen GmbH konnte in diesem Sommer die Voraussetzung für die
Zusammenlegung der Titel geschaffen werden", heißt es beim Medienhaus Aachen.

Gesellschafter der auf diesen Weg neu geschaffenen Medienhaus Aachen GmbH sind die im belgischen Antwerpen beheimatete Mediahuis NV (70%) und die in Düsseldorf ansässige Rheinische Post Mediengruppe (30%).

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Kress Pro Magazin
2022/#07

Julia Bönisch baut jetzt das Geschäft bei der Stiftung Warentest um. Wie sie die Transformation durchzieht und wie ihr die Erkenntnisse aus der schwierigen Zeit als Chefredakteurin der SZ dabei helfen.

Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2022/#07

Julia Bönisch baut jetzt das Geschäft bei der Stiftung Warentest um. Wie sie die Transformation durchzieht und wie ihr die Erkenntnisse aus der schwierigen Zeit als Chefredakteurin der SZ dabei helfen.

Inhalt konnte nicht geladen werden.