Besonders unter Druck: Rabe stellt frühere G+J-Magazine auf den Prüfstand

27.09.2022
 

manager magazin-Chef Sven Clausen hatte bereits eine düstere Prognose gewagt: Mit Thomas Rabe als Chef würden bei dem "noch unfertigen Konstrukt RTL Deutschland" nun harte Zeiten anbrechen - vor allem wohl für die Überbleibsel des Hamburger Verlags Gruner + Jahr. In diesem Zusammenhang lässt ein Intranet-Interview von Rabe jetzt aufhorchen.

Als Stephan Schäfer bei RTL Deutschland gehen musste und Bertelsmann-Konzernlenker Thomas Rabe selbst den Chefposten übernahm, äußerte er sich gegenüber Susanne Preuss in der FAZ über seine Beweggründe:

"Ich habe noch nicht erlebt, dass so viele externe negative Faktoren gleichzeitig aufgetreten sind. Das ist eine so außergewöhnliche Situation, da ist aktives Handeln nötig. Aktives Steuern bedeutet, dass man neben den Erlösen auch die Kosten im Blick hat, denn es geht um die Fähigkeit zu investieren."

In einem Interview, das im RTL-Intranet verbreitet wurde, und über das DWDL berichtet, bekräftigt Rabe nun, dass man bereits mit rückläufigen Werbebuchungen und steigenden Papierpreisen zu kämpfen habe - und die kommenden Monate "noch einmal schwerer" würden.

Rabe betont: "Jedes Unternehmen muss aktives Kostenmanagement betreiben, insbesondere in der aktuellen Situation. Da sind wir bei RTL Deutschland keine Ausnahme." Zuletzt habe man aber unter anderem durch den Ausbau des Streaming-Dienstes RTL+ in Summe mehrere Hundert neue Stellen geschaffen. Da die RTL Group in diesem Jahr aber durch das Streaming-Geschäft Anlaufverluste von 250 Millionen Euro schultern muss, wovon der Großteil auf RTL+ entfalle, müssten Ressourcen neu verteilt und Strukturen hinterfragt werde, wird Rabe von DWDL-Autor Uwe Mantel aus dem RTL-Intranet zitiert. 

Rabe wird noch konreter: Da das Magazin-Geschäft aktuell "besonders unter Druck" stehe, werde man "das Titelportfolio überprüfen und nur solche Titel mit RTL zusammenführen, die wirklich synergetisch sind." Die früheren G+J-Magazin-Titel sind nun bei RTL Deutschland angesiedelt.

Die Investitionen in Inhalte für die Sender und den Streamingdienst wolle man zwar hochhalten, aber "zielgerichteter einsetzen". All das ist laut Rabe Teil des "Zukunftsprogramms ONE", das "für Aufbruch, Fokus und Effizienz" stehe und mit dem Rabe RTL zukunftsfest aufstellen will. Dieses Programm sieht Rabe als eines von drei Kernthemen, die man bis Jahresende angehen wolle. An erster Stelle nennt er das Zusammengehen mit Gruner + Jahr zur Hebung der Synergien.

Als dritten Punkt führt er den Aufbau eines "Projektmanagement-Office" an. Damit soll dafür gesorgt werden, klare Prioriäten bei den zahlreichen strategisch wichtigen Projekten zu setzen, diese effizient zu steuern "und vor allem umzusetzen", so Rabe. Als Beispiele für solche Projekte nennt er laut DWDL ein neues datengetriebenes Programmplanungssystem, den Ausbau von RTL+ und von Addressable TV.

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