Wie Print-Produkte vielen Digitalangeboten künftig überlegen bleiben

 

Ein Plädoyer für hohe Qualitätsstandards in der Redaktionsarbeit - aus berufenem Mund: Peter Haas, Hauptgeschäftsführer beim Handwerkstag Baden-Württemberg und langjähriger Medienmacher, setzt bei den eigenen Publikationen auf Meister-Arbeit. Im kressköpfe-Interview streicht er die Vorzüge von Print heraus.

kress.de: Herr Haas, Sie haben aktuell die Jahresschrift "Handwerk BW- Das Magazin" neu gestalten und überarbeiten lassen. Warum hat sich der Verband dazu entschlossen und wie sahen Ihre Vorgaben oder Wunschvorstellungen für den Titel aus?

Peter Haas: Wir haben uns zunächst gefragt, was wir mit einem jährlichen Print-Produkt erreichen wollen. Zudem wussten wir, was wir nicht mehr wollten: Eine Art Rechenschaftsbericht, in dem sich der Verband in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Als Ziel stand schließlich fest: Das Handwerk in Baden-Württemberg in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen und den Fokus auf die Menschen, die im Handwerk tätig sind, zu lenken. Und so auch gezielt Entscheider in der Politik, in den Medien und der Öffentlichkeit anzusprechen, was als Verband eine unserer Kernaufgaben ist. Um hier aus der Masse herauszustechen, war schnell klar, dass wir über Inhalt und Qualität kommen müssen. Wir haben uns dafür mit TAOS aus München eine Agentur an Bord geholt, die eine große fachliche Expertise als Quality Publisher verfügt. Und ganz bewusst auch für eine Agentur, die bisher noch wenig Berührungspunkte mit dem Handwerk hatte, die also den Blick von außen bietet. Was die absolut richtige Entscheidung war.

kress.de: Kompliment zum tollen neuen Magazin. Wie wichtig ist es für Sie in einer Zeit, in der traditionelles Handwerk auch unter Druck gerät und das Ringen um den Nachwuchs groß ist?

Peter Haas: Ich bin überzeugt davon, dass es gerade jetzt besonders wichtig ist. Viele Betriebe haben in der Tat großen Sorgen; die explodierenden Energiekosten stellen viele vor existenzielle Probleme. Dazu kommen Materialmangel und der enorme Fachkräftebedarf. Gleichzeitig dürfen diese Themen aber nicht alles überschatten und das Handwerk insgesamt als "Sorgenkind" erscheinen lassen - denn das würde der enormen Leistung dieses Wirtschaftszweigs nicht gerecht werden. Gerade jetzt sehen wir es deshalb als unsere Aufgabe, das Augenmerk auf die positiven Seiten des Handwerks zu lenken: Die vielfältigen Berufsmöglichkeiten, die guten Karrierechancen und die enorme Bedeutung des Handwerks für viele Gesellschaftsbereiche.

kress.de: Welchen Beitrag kann der Titel leisten, Einblick zu gewähren und Berufsbilder auch sinnlich attraktiv zu machen?

Peter Haas: Schon die Bilder drücken über ihre Qualität und Ästhetik eine besondere Attraktivität aus. Und das Storytelling bietet den tieferen Einblick. Die Geschichten machen die Menschen und die Berufe, für die sie stehen, nahbar. Die Inhalte sind insgesamt so wertig aufbereitet, dass die Leser sich sicher gerne zur Lektüre Zeit nehmen und so bewusst auf die Geschichten und Themen aus dem Handwerk einlassen. Wenn das geschieht, dann haben wir unser Ziel erreicht: möglichst viel positive Aufmerksamkeit fürs Handwerk zu schaffen.  

"Print ist nach wie vor unverzichtbar und sogar wertvoller geworden."

kress.de: Sie setzen bewusst weiterhin auf ein gedrucktes Magazin: Welchen Stellenwert hat denn Print - auch mit Blick auf die Gemachtheit, ja das Handwerk einer schönen Publikation für Sie?

Peter Haas: Ein schön gestaltetes Print-Produkt, das zudem inhaltlich relevant ist, spricht mich als Leser in ganz besonderer Weise an. Ich nehme mir dafür bewusst die Zeit und beschäftige mich damit. Vielleicht hebe ich es mir sogar auf und blättere immer wieder darin. In erster Linie geht es dabei sicher um Inhalte, die eine bestimmte Tiefe haben. Und in dieser Form ist Print nach wie vor unverzichtbar und sogar wertvoller geworden. Ein klarer weiterer Vorteil: Bei einem Printprodukt gibt es eine klar definierte Zielgruppe, es gibt quasi keinen Streuverlust. Damit ist auch die Chance groß, die Botschaft beim beabsichtigten Empfänger effektiv zu platzieren.

"Ich bin davon überzeugt, dass es noch lange Gedrucktes geben wird. Wenn die Bedingungen stimmen - herausragende Qualität von Inhalten wie auch in der Aufmachung."

kress.de: Wie lange wird es Ihrer Einschätzung nach noch gedruckte Publikationen geben und was müssen die Macher dafür leisten, dass sie weiterhin akzeptiert werden?

Peter Haas: Ich bin davon überzeugt, dass es noch lange Gedrucktes geben wird. Wenn die eben genannten Bedingungen stimmen - herausragende Qualität von Inhalten wie auch in der Aufmachung. Gerade in einer Zeit, in der wir digital nonstop gefordert sind, es Content rund um die Uhr direkt aufs Smartphone gibt, brauchen wir kleine Auszeiten und den bewussten Konsum von Inhalten. Auch in Zukunft.

kress.de: Was ist denn für Sie persönlich als Leser das Geheimnis eines gut gemachten Print-Produkts?

Peter Haas: Wenn ich das so unbescheiden sagen darf, da hat unser Magazin schon Vieles zu bieten. Eine schöne Haptik beispielsweise, wenn das Gefühl gleich bei der ersten Berührung passt. Tolle Bilder, die etwas aussagen und auch alleine stehen könnten. Und sprachlich hochwertige Texte - wenn das natürlich auch für digitale Produkte gilt.

"Man erreicht mit Printprodukten eine andere Zielgruppe als mit Online-Verbreitung."

kress.de: Wie setzt der Verband denn flankierend die digitalen Kanäle ein und wie bewährt sich für Sie der Medienmix?

Peter Haas: Neben dem klassischen PDF, das wir auf unserer Website online stellen, bereiten wir die Stories aus dem Magazin natürlich zusätzlich auf unseren Social-Media-Kanälen - ganz vorne Instagram - auf und sorgen so dafür, dass das Magazin auch in der Fläche bekannt wird. Die Art des visuellen Storytellings, wie wir sie im Magazin verwenden, kommt in den Sozialen Medien sehr gut an. Hinzu kommt, dass die Verbreitung auf einem Kanal natürlich auch die Weiterverbreitung auf anderen Kanälen begünstigt. Die Protagonisten aus unserem Magazin sind teils sehr aktiv und auch unsere Mitglieder können die für sie relevanten Geschichten, online nutzen. Ein Medienmix ist in der heutigen Zeit unumgänglich. Man erreicht mit Printprodukten eine andere Zielgruppe als mit Online-Verbreitung.

kress.de: Sie bespielen selbst einen Podcast: Wie kamen Sie dazu und welchen Vorteil im Audio-Medium sind Ihnen dabei besonders wichtig?

Peter Haas: Der Podcast hat ein ganz ähnliches Ziel wie unser Magazin - die Aufmerksamkeit auf die Menschen im Handwerk zu lenken, zu zeigen, wie attraktiv die Berufe sind und welche Möglichkeiten sie bieten. Und das klappt natürlich wunderbar, indem man Handwerkerinnen und Handwerkern eine Bühne schafft und ihnen zuhört. Das ist sicher auch der große Vorteil eines Audio-Mediums - es schafft über die Stimme und die Lebhaftigkeit eines Gesprächs nochmal eine ganz andere Nähe zu den Menschen. Deshalb sind ja auch Podcasts aktuell so erfolgreich. Und ganz nebenbei, das gebe ich zu, gehe ich natürlich als ehemaliger Radiomann mit dem Podcast einer alten Leidenschaft nach.

Hintergrund: Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) ist der Dachverband der Handwerksorganisationen im Südwesten. Mitglieder sind Handwerkskammern und Fachverbände, repräsentiert werden 140.000 Betriebe, 805.000 Beschäftigte und 48.000 Auszubildende. Auftrag ist es, den "goldenen Boden" zukunftsfähig zu halten, wie Hauptgeschäftsführer Peter Haas betont. Er hat aktuell über die Münchner Agentur TAOS von Medienprofi José Redondo-Vega das verbandseigene Magazin veredeln und neu positionieren lassen. Haas war selbst vor seinen Verbandstätigkeiten - darunter bis März 2021 als Hauptgeschäftsführer von Südwesttextil - Pressesprecher und Kommunikator. Zwei Jahre wirkte er als Geschäftsführer von IW Nord Medien, zuvor war er Chefredakteur des Standpunkte-Magazins von Nordmetall.

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Julia Bönisch baut jetzt das Geschäft bei der Stiftung Warentest um. Wie sie die Transformation durchzieht und wie ihr die Erkenntnisse aus der schwierigen Zeit als Chefredakteurin der SZ dabei helfen.

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