Die Steingart Schelte: Thomas Rabe als Totengräber von Gruner + Jahr

30.09.2022
 

Gabor Steingart hat in seinem Newsletter "The Pioneer Briefing" den neuen Chef von RTL Deutschland, Thomas Rabe, zum Stern-Coverboy gemacht. Steingart nimmt den Abgang von Oliver Radtke zum Anlass, um derbe vom Leder zu ziehen.

"Bertelsmann-CEO und RTL-Chef Thomas Rabe verbringt seine Zeit mit weiteren Aufräumarbeiten, die seine Kritiker als ein großes Zerstörungswerk betrachten. Nach Julia Jäkel und Stephan Schäfer geht mit Oliver Radtke das letzte verbliebene Mitglied der früheren Führungsriege des Verlags Gruner + Jahr über Bord", schreibt Steingart in seinem "The Pioneer Briefing" vom Freitag.

RTL Deutschland hatte am Donnerstag den Abgang des langjährigen G+J-Topmanagers bestätigt. Radtke verlasse das Unternehmen "mit sofortiger Wirkung". Er scheide "auf eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen" aus, heißt es offiziell.

Steingart behauptet, Radtke und Rabe hätten sich seit Längerem schon nichts mehr zu sagen gehabt. "Mit Rabes Strategie, die seine Kritiker als Aushöhlungshandlung betrachten, mochte sich Radtke, obwohl selbst von Hause aus Controller, nicht länger identifizieren", will Steingart wissen, der zugleich einen Totengesang anstimmt: "Vom einst stolzen und publizistisch relevanten Verlagshaus Gruner & Jahr dürfte nunmehr vor allem eine nostalgische Erinnerung bleiben."

Über den sich abzeichnenden Abgang von Oliver Radtke bei RTL Deutschland hatte im August bereits manager magazin-Chefredakteur Sven Clausen berichtet und von einem von Rabe selbst verursachten Führungschaos geschrieben.

Steingart kommt in seinem Newsletter auch auf eine viel beachtete Ankündigung von Rabe zu sprechen. Dieser sagte Anfang der Woche in einem internen RTL-Interview: Da das Magazin-Geschäft aktuell "besonders unter Druck" stehe, werde man "das Titelportfolio überprüfen und nur solche Titel mit RTL zusammenführen, die wirklich synergetisch sind." Mit dem Magazin-Geschäft sind die früheren G+J-Titel gemeint.

Nach Darstellung von Steingart hält man in den Redaktionen die ganze Entwicklung für ein "Missverständnis". "Die Journalisten von Stern, Brigitte, Gala, Schöner Wohnen, Capital und Geo wollten relevant, nicht synergetisch sein. Sie träumten von einem Verleger - und bekamen einen Portfoliomanager", fabuliert Steingart.

Die frühere Spiegel- und Handelsblatt-Top-Führungskraft, der 2018 das Medienunternehmen Media Pioneer gründet, schließt das Debatten-Thema mit einer deftigen Zeichnung ab: "Wenn der Stern ('Mein Bauch gehört mir') seiner rebellischen Tradition die Krone aufsetzen wollte, würde er Thomas Rabe zum Coverboy erheben." Thomas Rabe ist auf dem Titel des Stern zu sehen - mit der Titelzeile: "G+J Der Totengräber".

Hintergrund: Thomas Rabe ließ am Donnerstag über den Abgang von Oliver Radtke verlauten: "Ich bedauere, aber respektiere die Entscheidung von Oliver Radtke und möchte mich im Namen von RTL herzlich bei ihm bedanken. In mehr als 20 Jahren hat er das Unternehmen Gruner + Jahr in verschiedenen Führungspositionen erfolgreich geprägt. Die Zusammenführung von RTL Deutschland und Gruner + Jahr hat er maßgeblich vorangetrieben. Ich wünsche ihm für seine berufliche und private Zukunft nur das Beste." Und Oliver Radtke dankte in der RTL-Mitteilung "für das in mich gesetzte Vertrauen über all die Jahre bei Gruner + Jahr, RTL und Bertelsmann". Und weiter: "Es war eine großartige Zeit mit sehr vielen tollen Kolleginnen und Kollegen. Ich werde mich dem Unternehmen weiter verbunden fühlen und wünsche allen alles Gute."

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Julia Bönisch baut jetzt das Geschäft bei der Stiftung Warentest um. Wie sie die Transformation durchzieht und wie ihr die Erkenntnisse aus der schwierigen Zeit als Chefredakteurin der SZ dabei helfen.

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