Tränen in der Redaktion und Tanz auf dem Sommerfest: Wie es den G+J-Mitarbeitern jetzt geht

 

Seit Thomas Rabe RTL-Chef Stephan Schäfer rausgeworfen und selbst die Führung übernommen hat, ist die Verunsicherung im Haus groß. kress pro hat mit G+J-Mitarbeitern darüber gesprochen - dabei ging es auch um ein großes Sommerfest.

Auszug aus der Titelgeschichte im aktuellen kress pro-Magazin:

Wie ist die Stimmung bei RTL und Gruner + Jahr?

Unterirdisch, wäre wohl noch geprahlt. Dabei haben etliche der Mitarbeiter das Zusammengehen von G+J und RTL Deutschland Anfang des Jahres durchaus noch als Chance begriffen. Das war zu einer Zeit, als in den gemeinsamen Arbeitsgruppen von RTL-Seite noch ein wirkliches Zusammengehen auf Augenhöhe kommuniziert wurde, so jedenfalls berichten es Quellen bei G+J.

Auch das Personaltableau stütze diese Annahme einer friedlichen Fusion, denn mit Stephan Schäfer, Nachfolger von Julia Jäckel als G+J-Vorstandschef, war ein gelernter Journalist und ein Gruner-Mann an die RTL-Spitze vorgestoßen. Mit Oliver Radtke wurde zudem ein weiterer G+J-Vorstand weit oben in der Hierarchie angesiedelt. Ebenso wie Sprecher Frank Thomsen, ehemals "Stern"-Journalist und zuletzt "Stern"-Publisher. Im Laufe der Zeit allerdings drehte sich die Stimmung. "In den gemeinsamen Arbeitsgruppen wurde uns immer mehr klar, dass die uns schlucken würden", sagt ein langjähriger Redakteur, der schon mehr als 20 Jahre lang bei verschiedenen Marken von G+J arbeitet. Also: Übernahme statt Fusion.

Endgültig belegt wurde das durch den Abgang Schäfers und einen symbolischen Akt, der auf Linkedin reichlich dokumentiert wurde: Am 23. August wurden die Schilder ausgetauscht. Statt dem grünen G+J-Logo prangt nun am Baumwall in Rot, Blau und Grün ein RTL-Logo. "An diesem Morgen hatten viele Kollegen und Kolleginnen Tränen in den Augen", sagt eine altgediente Redakteurin.

Das Befremden ist groß. Viele G+J-Mitarbeiter kommen mit den neuen Gegebenheiten nicht zurecht. "Die haben uns gesagt, dass mit Gruner + Jahr niemand etwas anfangen kann. Und dass das unseren Lesern egal ist, aus welchem Haus unsere Magazine kommen", erzählt eine Redakteurin.

Die Überlegung der Führungsstrategen: Alle Endkundenmarken wie "Stern", "Brigitte" und "Gala" bleiben erhalten. Alle Business-to-Business-Marken allerdings werden angepasst. Und nach dieser Logik ist G+J eine Business-Marke. "Am Anfang habe ich die Mails von RTL Deutschland immer weggeklickt", erzählt eine Mitarbeiterin. "Ich dachte, das sei irgendeine Werbung. Mir war gar nicht klar, dass die für mich bestimmt sein sollten." Bald schon werden alle, die titelübergreifend arbeiten, keine eigenen G+J-E-Mail-Adressen mehr haben. Alles geht in RTL Deutschland auf.

Die triste Stimmung konnte nur wenig aufhellen, dass RTL zwar Tage nach dem Schildertausch ein großes Sommerfest spendierte, zu dem sich auch Bertelsmann-CEO Thomas Rabe als neuer RTL Deutschland-Chef blicken ließ. Ganz offenbar, um die gut 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beruhigen, die ab 17 Uhr vor dem Baumwall erschienen waren, um sich bis Mitternacht bei Freigetränken und Essen von Foodtrucks verköstigen zu lassen und auf offener Bühne den Frust der vergangenen zwei Coronajahre wegzutanzen. Selbst der langjährige RTL-Vermarktungschef Matthias Dang, zuletzt Co-Chef, war bis zum Ende engagiert dabei.

Anders Rabe, der die intern nur unter "United" firmierende Fusion jetzt selbst in die Hand nimmt. Er blieb nur ein gutes Stündchen. Bevor die Sause richtig losging, hatte er allerdings noch ein Bekenntnis zum Standort Hamburg mitgebracht und trat den Befürchtungen entgegen, dass der traditionelle Sitz aufgegeben werden könnte.

Ein Stellenabbau könnte dennoch drohen. Schließlich will Rabe bis 2025 Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro durch die Fusion einsparen. Viele Mitarbeiter trauen dem Braten daher nicht mehr. Die Angst vor Jobverlust geht um. "Seit zwei, drei Jahren werden wir jetzt schon hingehalten", sagte eine langjährige Angestellte. "Ich möchte endlich eine Gewissheit haben, selbst wenn das bedeutet, dass ich am Ende meinen Job verlieren sollte."

[...] Wolfgang Messner und Markus Wiegand befassen sich in ihrer kress pro-Titelgeschichte zu RTL & G+J auch mit diesen Fragen: Warum musste RTL-Chef Stephan Schäfer gehen? Wie geht es jetzt bei RTL und Gruner + Jahr weiter? Wie fest sitzt Rabe im Sattel? Jetzt die Antworten in kress pro lesen.

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