Wie Autojournalist Ralph Alex nach einem Burnout zum Thrillerautor wurde

06.10.2022
 

Der frühere Chefredakteur der Zeitschrift auto motor und sport, Ralph Alex, ist jetzt Buchautor. Nach einem Burnout im März 2020 und einem gescheiterten Versuch, in den Beruf des Autojournalisten zurückzukehren, widmet sich Alex nun ganz dem Schreiben von Thrillern.

Ralph Alex führte acht Jahre lang das erfolgreichste Automagazin Deutschlands - bis zu dem Tag im März 2020, als er den kräftezehrenden Job als Chefredakteur aufgeben musste. Akuter Burnout. Alex zog sich aus dem Journalismus zurück und entschied, ein neues Leben als Roman-Autor zu beginnen. Eigentlich ein Traum, den er sich für später aufgehoben hatte. Doch das Schreiben wurde seine Rettung: Jetzt erscheint Alex' erstes Buch, der Psychothriller "Die Psy Company", der tief in die menschliche Psyche eintaucht. Das Ungewöhnliche: Alex beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie sich andere Leben anfühlen. Hätte er dieses Buch ohne seine Erkrankung schreiben können? So jedenfalls nicht.

"Schon immer, wenn ich Menschen in Cafés und Restaurants, auf Bahnhöfen oder Flughäfen beobachtet habe, wollte ich wissen, wie deren Leben wirklich sind", sagt Ralph Alex (59). "Besonders interessant waren die Treffen mit prominenten Menschen. Als ich Michael Schumacher 1996 an seinem ersten Tag bei Ferrari beobachten durfte, habe ich danach lange überlegt, ob auch für ihn selbst der Preis für sein Leben in Berühmtheit zu hoch ist? Ein Leben, in dem alle pausenlos an dir zerren: der Rennstall, die Medien, die Bosse, die Fans. Oder Porsche-Chef Oliver Blume, der mich immer tief beeindruckt hat: Ihm gelingt enorm viel, und trotzdem wirkt er dabei entspannt und im Reinen mit sich - vermutlich auch jetzt noch als VW-Konzernchef."

Brauche ich ein anderes Leben? Beim Burnout, in dem er sehr viel Hilfe und Verständnis durch seinen Arbeitgeber - die Motor Presse Stuttgart - erfahren habe, sei diese Frage plötzlich im Raum gestanden. Heute, zwei Jahre später, weiß Alex, dass sein neues Leben das richtige für ihn ist. "Ein Burnout lässt immer etwas zurück. Eine Bruchstelle, die wieder brechen kann. Sie liegt sehr nahe unter der Oberfläche. Du spürst sie jeden Tag und musst dich damit arrangieren. Wenn es dir gelingt, ist dein Leben gut, und doch nie wieder wie vorher. Die große Botschaft eines Burnouts ist: Du musst gut auf dich aufpassen. Für den Rest deines Lebens", erklärt Alex.

Worum geht's in seinem Buch? Die Psy Company in Boston berät mit ihren 800 Psychologen außer Politikern auch Wirtschaftsbosse, Militärs und Sportler. Als Keanu Bennings aus Deutschland ihr neuer Sicherheitschef wird, entdeckt er: Der Chef der Psy Company, Gregory Mailer, plant einen Umsturz und will mit seiner Geheimorganisation die Macht in den USA übernehmen will. Zusammen mit der selbstbewussten Isländerin Liv kämpft Keanu gegen den übermächtigen Gegner. Als Keanu beinahe stirbt, verleiht ihm eine alte Indianerin die Fähigkeit, in andere Leben zu gehen. Er wird zum Menschenleser.

"Es steckt viel psychologisches Wissen in dem Roman, denn während der Behandlung meines Burnouts in einer Klinik stand ich in engem Kontakt mit Psychologen. Außerdem hat mich Psychologie schon immer interessiert." Alex nennt zwei Beispiele: Warum kann Loben sehr gefährlich und manipulativ sein? Und wie gewinnt man ein Blickduell, diesen typischen Machtkampf mit den Augen, den Manager genauso gerne führen wie Boxer direkt vor dem Kampf?

Zehn Monate lang hat Ralph Alex am Konzept gearbeitet, recherchiert und geschrieben. "Es war die beste Therapie, die ich bekommen konnte. Ich bin in eine andere Welt eingetaucht." Die Arbeit hat dem Ex-Journalisten aus der Krise geholfen und ihm eine neue Art des Schreibens eröffnet. "Das Buch ist wie ein Film gearbeitet. Die Dramaturgie der über hundert Szenen, die überraschenden Wechsel, die schnelle Action, die tiefen Emotionen: Das ist pures Kopfkino, das zu Buchkino wird."

Zum Autor: Ralph Alex, 1963 in Heilbronn geboren, arbeitete 21 Jahre lang in Chefredaktionen großer Zeitschriften. Schon seit seinem 15. Lebensjahr wollte er Journalist werden und einmal mit Schreiben seinen Lebensunterhalt verdienen. Er begann als Wirtschaftsredakteur bei der Tageszeitung "Heilbronner Stimme", bevor er 1990 als Reporter zur Zeitschrift "auto motor und sport" in Stuttgart wechselte. Von 1999 an arbeitete er in Chefredaktionen in Augsburg, München, Hamburg und Köln. 2006 kehrte Alex als stellvertretender Chefredakteur zu "auto motor und sport" zurück, wo er 2012 Chefredakteur wurde. 2020 gab er die Position ab, um sich dem Schreiben von Romanen zu widmen. Ralph Alex lebt in der Nähe von Stuttgart. Sein Hobby: Eisschwimmen in Seen, bei Wassertemperaturen unter fünf Grad - ohne Neoprenanzug, nur in Badeshorts.

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