Wie Ex-RTL-Boss Bernd Reichart die Superleague doch noch ankicken will

 

Bernd Reichart, bis Ende vergangenen Jahres Chef von RTL Deutschland, ist mit dem umstrittenen Projekt Superleague von Europas besten Fußballclubs wieder am Ball. Der TV-Topmanager, der im Zuge der Fusion von RTL und G+J seinen Spitzenposten in Köln aufgab, hat einen neuen Arbeitgeber: Als CEO der Sportagentur A22 kehrt er zu seinen Wurzeln zurück.

Damit hat das Schreckgespenst führender Uefa-Funktionäre und vieler Bundesliga-Bosse einen neuen Namen: Bernd Reichart kehrt nicht unmittelbar in die Fernsehbranche zurück, sondern soll als oberster Strippenzieher der neuen Sportpromotion-Firma A22 von Madrid aus die zuletzt im Frühjahr 2021 bekannt gewordenen Pläne für eine sogenannte Superleague vorantreiben.

Dahinter stecken maßgeblich die Fußballclubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin. Die drei Traditionsvereine, die mit ihren Plänen direkt die Champions League der Uefa angreifen, hoffen aktuell auf ein Gerichtsurteil, das der Europäische Gerichtshof im März nächsten Jahres fällen wird - zu ihren Gunsten und damit auch zu Reicharts Superleague Projekt. "Das Urteil wir den europäischen Fußball auf Jahrezehnte beeinflussen", sagte der TV-Profi nun in einem exklusiven Bild-Interview, das im Pay-Bereich nachzulesen ist (hier geht's zum Online-Artikel).

In dem viel beachteten Gespräch mit Matthias Brüggelmann, Chefredakteur Sport der Bild-Gruppe, sowie Walter Straten, betont Reichart, dass der europäische Klub-Fußball sein Potenzial nicht ausschöpfe. "Es gibt bei vielen Vereinen den Konsens, dass es so nicht weitergehen kann", sagt der neue A22-CEO. "Unser Ziel ist es, mit den Klubs über einen Wettbewerb zu sprechen, der attraktiver, unterhaltsamer, spannender, gerechter und wirtschaftlicher ist. Der Fußball verliert sonst seine Führungsposition im Sport - und er verliert immer mehr junge Fans. Da sprechen die TV-Zuschauerzahlen eine klare Sprache."

Beim neuen Anlauf für die umstrittene Superleague soll es - anders als vormals vorgesehen - offenbar keine gesetzten Top-Vereine geben. Auf- und Abstiege sollen über die Zugehörigkeit zum Wettbewerb entscheiden. Konkrete Konzepte lägen angeblich nicht fertig in der Schublade. Bernd Reichart sieht seine Aufgabe offenbar auch in der Vermittlerrolle - in Gesprächen mit den Vereinschefs, den nationalen Ligen, aber auch den Fußball-Fans.

Hintergrund: Bernd Reichart ließ seine Berufslaufbahn einst beim Sport beginnen - bei er Sportmarketing-Agentur Sportfive in Hamburg, für die er 2003 nach Madrid wechselte. Dort wurde er Fernsehmanager der Gruppe Antena 3. 2007 stieg er in die Geschäftsführung des Unternehmens auf, das heute Atresmedia heißt. Anke Schäferkordt holte Reichart 2013 nach Deutschland. Er wurde zuerst Vox-Geschäftsführer (in der Schäferkordt-Nachfolge). Und 2019 folgte er ihr auf deren Posten als CEO der Mediengruppe RTL Deutschland. Nach den von Thomas Rabe, Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender, orchestrierten Fusionsprojekten der RTL- und Gruner + Jahr-Welt fand sich für Bernd Reichart kein Platz mehr an der Spitze der Sendergruppe. Zunächst wurden Stephan Schäfer und Matthias Dang als seine Nachfolger installiert, bis Schäfer zuletzt ebenfalls aus der operativen Verantwortung ausschied (kress.de berichtete). Nun ist zumindest klar: Bernd Reichart wird nicht zu RTL nach Köln zurückkommen.

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