Wer auf drängende Fragen der Medienbranche keine Antwort hat

 

In seinem Editorial zur aktuellen "kress pro"-Ausgabe berichtet Chefredakteur Markus Wiegand über Neuerungen im Heft - und verrät, welche Verleger und sonstige Medienbranchen-Größen keine Antworten auf drängende Zukunftsfragen haben.

Das Editorial von Chefredakteur Markus Wiegand aus der aktuellen Ausgabe 8/2022 von "kress pro", dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

Es gibt einige wenige Dinge, die ich an meinem Job nicht mag. Ganz vorne: alle gestalterischen Fragen. Übers Printlayout kann man ewig diskutieren. Am Ende gibt es aber im Gegensatz zur Online-Welt wenig bis keine empirischen Belege für den Nutzen der Übung, dafür viel Bauchgefühl und Geschmack. Und der ist bekanntlich recht unterschiedlich. Außerdem habe ich nach mehr als 17 Jahren als Medienjournalist wirklich noch nie gehört, dass ein Relaunch je Leserinnen und Leser gebracht hätte. Es geht eher darum, die Stammkundschaft damit so wenig wie möglich zu verstören.

Im Grunde ist es ganz einfach: Wenn die Inhalte gut sind, könnte man sie auch auf eine Rolle Klopapier schreiben. Sie würden gelesen. Wenn die Beiträge aber sandgestrahlte Langeweile verbreiten, helfen auch die modernsten Layout-Kniffe nicht. Schauen Sie sich mal im gehobenen Corporate-Publishing-Segment um, dann wissen Sie, wovon ich rede.

Dummerweise hatten wir uns zum 55-Jahre-"Kress"-Jubiläum in den Kopf gesetzt, das Heft visuell sanft zu überarbeiten. So wie man ein Haus renoviert, das einem grundsätzlich noch gefällt, aber etwas in die Jahre gekommen ist. Und so finden sie einige Überarbeitungen des Hefts, die unser spanischer Designer Javier Errea gemeinsam mit unseren Layoutprofis Sabrina Weindl und Gerald Neubacher auf den Weg gebracht hat. Vielen Dank dafür, ich war wie üblich keine große Hilfe. Wenn Ihnen die Änderungen gefallen: Schreiben Sie mir. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, schreiben Sie mir auch, aber behalten Sie es sonst bitte für sich.

Inhaltlich haben wir ebenfalls zwei Neuerungen. Wir setzen ja auf Nutzwert als Markenkern. Und wir haben festgestellt, dass dabei auch Themen stark nachgefragt werden, die sich rund um die eigene Karriere drehen, was wir bisher nur wenig berücksichtigt haben. Das ändern wir jetzt. Coach Attila Albert, vielen bereits als Kolumnist von kress.de bekannt, gibt künftig in seiner Kolumne in jeder Ausgabe Ratschläge. Zudem empfiehlt Michael Klems Tools, die den beruflichen Alltag vereinfachen.

55 Jahre "Kress"

Mit dieser Ausgabe feiern wir den 55. Geburtstag der Traditionsmarke "Kress". (Pandemiebedingt haben wir die Feierlichkeiten um ein Jahr verschoben, also streng genommen sind wir inzwi- schen 55 plus ein Jahr alt.) Dazu haben wir wichtige Persönlich- keiten der Branche angeschrieben und jedem eine drängende Frage gestellt. Gute Fragen werden unterschätzt, finde ich. Deswegen dokumentieren wir an dieser Stelle, wer die Anfrage ausgeschlagen hat. Motto: Besser eine gute Frage als eine schlechte Antwort.

Jan Böhmermann, Moderator von "ZDF Magazin Royale": Verdienen Sie eigentlich besser als Ihr Intendant, Herr Böhmermann?

Thomas Rabe, Bertelsmann-CEO: Sie arbeiten inzwischen als Dreifach-Chef bei Bertelsmann, RTL Group und RTL Deutschland. Sind Sie echt so gut, Herr Rabe?

Mathias Döpfner, CEO und Anteilseigner von Axel Springer: Wird Ironie in der Medienbranche zu oft missverstanden, Herr Döpfner?

Stefan von Holtzbrinck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Holtzbrinck Publishing Group und "Zeit"-Verleger: Kaum jemand weiß, dass Sie letztlich bei der "Zeit" als Verleger das Sagen haben: Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle, Herr von Holtzbrinck?

Dirk Ippen, Verleger, Mediengruppe Ippen: Sie haben vor rund einem Jahr die Veröffentlichung der Reichelt-Recherche untersagt: Würden Sie heute anders entscheiden, Herr Ippen?

Friede Springer, Anteilseignerin von Axel Springer: Axel Springer hat zuletzt in eigener Sache viele negative Schlagzeilen produziert. Wann ändert sich das wieder, Frau Springer?

Holger Friedrich, Verleger der "Berliner Zeitung": Sie sind vor rund drei Jahren ins Mediengeschäft eingestiegen und haben seither in der Branche viel Kritik auf sich gezogen. Wie blicken Sie selbst auf den Medienzirkus, Herr Friedrich?

Thomas Schaub, Verleger Medien Union und Vorsitzender des Herausgeberrates der "Süddeutschen Zeitung": Sie sind einer der wichtigsten Verleger des Landes und geben nie Interviews. Werden Sie dies in Zukunft ändern, Herr Schaub?

Sie sehen, dass es keinen Überhang an Schlagfertigkeit oder gar Humor unter Verlegerinnen und Verlegern gibt. Natürlich nehmen wir das Ganze nicht persönlich. Obwohl wir allen Grund dazu hätten. Schließlich wird man nur einmal 55 Jahre alt. Letztlich haben wir 55 Persönlichkeiten gefunden, die unsere Fragen zum Jubiläum gerne beantworten mochten. Das Highlight liefert dabei Marc Walder, CEO des Schweizer Ringier-Kon- zerns, im Titelinterview. Offen wie nur wenige in der Branche analysiert er die Fehler der Vergangenheit und zeigt, welche Strategie er für die Zukunft wählt.

Die Titelthemen in "kress pro" 8/2022:

"Das darf uns nicht mehr passieren!": Ringier-CEO Marc Walder spricht schonungslos über die strategischen Fehler in der Vergangenheit und welche Chancen sich jetzt bieten

Ranking: Die 25 Newcomer des Jahres in der Medienbranche
Eine neue Paywall-Variante:
Wie die "Sächsische Zeitung" mit einer Playwall auch Vermarktungserlöse erzielt

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