NDR Hamburg: Interne Prüfer entlasten Sabine Rossbach von Begünstigungsvorwürfen

 

Sabine Rossbach, Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg, hat nicht unzulässig in das Programm des Senders eingegriffen, ihr Führungsstil hat aber zu einem Vertrauensverlust geführt. Das ist das Ergebnis einer vom NDR veranlassten "unabhängigen journalistischen Prüfung" ihres Verhaltens.

Die interne Prüfung ist eine Reaktion auf die Berichterstattung von "Business Insider". Das Magazin hatte Rossbach vorgeworfen, sie habe jahrelang Kunden der PR-Agentur ihrer eigenen Tochter in NDR-Sendungen untergebracht.

Im jetzt vorgelegten Bericht wird die Landesfunkhaus-Direktorin von diesem Vorwurf entlastet: "Weder gibt es belastbare Belege dafür, dass Sabine Rossbach ihre NDR Tätigkeit dazu genutzt hat, der PR-Agentur ihrer Tochter in unzulässiger Weise Vorteile durch Berichterstattung des Landesfunkhauses Hamburg zu verschaffen. Noch ist eine unzulässige Vergabe von Auftragsproduktionen zur Erlangung eines persönlichen Vorteils belegbar." Gleichzeitig werden Rossbach aber auch ein "durch Führungs- und Kommunikationsstil bedingter Vertrauensverlust sowie Versäumnisse in punkto Transparenz" attestiert. Der Anschein einer möglichen Begünstigung hätte durch Klarheit vermieden werden können.

Die Verfasserinnen des Berichts sind zwei NDR-Journalisten aus anderen Landesfunkhäusern: Siv Stippekohl (multimediale Kulturchefin im Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern) und Eckhardt Reimann (stellvertretender Redaktionsleiter "Hallo Niedersachsen" im Landesfunkhaus Niedersachsen). Die beiden hätten unabhängig gearbeitet, beteuert der NDR. Anfang dieser Woche hatte bereits die Anti-Korruptionsbeauftragte des NDR Rossbach von Korruptionsvorwürfen entlastet. Damit sei die interne Prüfung im Landesfunkhaus Hamburg abgeschlossen, so der Sender.

NDR Intendant Joachim Knuth gibt sich in einer Pressemitteilung selbstkritisch: "Die interne Aufarbeitung liefert keine Belege dafür, dass systematisch ins Programm eingegriffen wurde. Das ist gut. Der Bericht zeigt aber auch: Im Landesfunkhaus Hamburg gab es offensichtlich einen Führungsstil, der nicht von Respekt, Vertrauen und wertschätzendem Umgang geprägt war", schreibt er. In jeder Redaktion brauche es Offenheit und Transparenz, um gar nicht erst den Verdacht unzulässiger Eingriffe aufkommen zu lassen. "Insofern ist ein Neuanfang im Landesfunkhaus Hamburg geboten."

Sabine Rossbach hat bereits angekündigt, ihr Amt wegen des verlorengegangenen Vertrauens zwischen ihr und Teilen der Redaktion zum 1. April 2023 zur Verfügung zu stellen. Nach einer Freistellung wird sie den NDR dann endgültig zum 31. Oktober 2023 verlassen.

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