Debatte: So unterschiedlich reagieren SWR-Intendant Kai Gniffke und ZDF-Chef Norbert Himmler auf die Buhrow-Rede

04.11.2022
 

Sollen ARD und ZDF nebeneinander bestehen bleiben? Braucht man ein deutschlandweites ARD-Radio? Ausgerechnet der Intendant der größten ARD-Anstalt stellt diese Fragen. Und erhält dafür nicht nur Lob.

Inmitten der heftigen Debatte um die Öffentlich-Rechtlichen hat der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow Vorschläge für eine tiefgreifende Neuordnung der Rundfunklandschaft gemacht (kress.de berichtete). "Mein fester Eindruck ist: Deutschland scheint uns in zehn Jahren nicht mehr in dem Umfang zu wollen - und auch finanzieren zu wollen wie heute", sagte der 64-jährige Buhrow u.a. am Mittwochabend vor dem Verein Übersee-Club in Hamburg.

SWR-Intendant Kai Gniffke, der Buhrow 2023 als ARD-Chef nachfolgt und damit die Gemeinschaft nach außen vertreten wird, sagte dazu: "Ich nehme den Text als Ansporn, mutig zu sein und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsfest zu machen. Buhrow fordert zu Recht, Netflix und Co die Stirn zu bieten." Um dafür die Ressourcen zu haben, sei es "richtig, auch Dinge zu überdenken, die wir lange für unantastbar gehalten haben, Stichwort Hörfunk-Wellen, Orchester, Produktionsstätten oder lineare TV-Kanäle".

Gniffke ließ zugleich Zweifel an der Idee eines Runden Tisches erkennen. Dafür müssen man die Zuständigkeit für Medienpolitik erst neu regeln: "Das kann Jahre dauern. Diese Geduld habe ich nicht. Meine Sorge ist, dass in dieser Zeit der Reformeifer erlahmt. Wir sollten jetzt den Elan in der ARD nutzen, um gemeinsam mit unseren Aufsichtsräten mutige Reformen anzuschieben. Der künftige Medienstaatsvertrag gibt die dafür nötigen Spielräume."

Das ZDF äußerte sich zurückhaltend. Er teile nicht die "pauschale Skepsis des ARD-Vorsitzenden in Bezug auf die Reformfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", sagte ZDF-Intendant Norbert Himmler. "Wir sind offen und bereit für diese grundsätzliche Debatte und scheuen dabei auch keinen Vergleich der Systeme", machte Himmler zugleich deutlich. "Als nationaler, zentral organisierter Sender ist das ZDF effizient aufgestellt und dabei lern- und veränderungsfähig." Das ZDF habe bewiesen, dass erfolgreiche Reformen möglich seien.

Die Koordinatorin der Rundfunkkommission, Heike Raab, reagierte s:. "Wir werden den ARD-Vorsitzenden an seinen jüngsten Aussagen messen und dann Anfang des kommenden Jahres über die weiteren Reformschritte beraten", teilte die SPD-Politikerin und rheinland-pfälzische Medienstaatssekretärin am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Raab, die zu den wichtigsten Medienpolitikern in Deutschland zählt, verwies auf die Reformschritte, die die Länder bereits in Gang gesetzt haben.

Der sächsische Medienminister Oliver Schenk (CDU) bezeichnete die Rede hingegen als einen "Weckruf". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) - er sitzt auch im ZDF-Verwaltungsrat - sagte dem "Spiegel": "Die Impulse von Tom Buhrow sind bemerkenswert." Lob erhielt Buhrow auch von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Dieser bezeichnete den Vorstoß als wichtigen Meilenstein. Lindner hatte ARD und ZDF zuletzt auffällig oft und scharf attackiert. NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) sprach sich für eine Kommission aus hochrangigen, gesellschaftlich anerkannten Persönlichkeiten aus, die eine Zielvorstellung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk entwerfen könnten.

Quelle: dpa, kress

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