Bild Live: Wird die tägliche Newsstrecke von Bild eingestampft?

10.11.2022
 

kress pro hatte Marie von den Benken jüngst nach ihrem Lieblingsmedienwitz gefragt. Die Autorin antwortete: "Die Quote von Bild TV". Ernst zu nehmen ist folgende Meldung: Laut Spiegel will Bild seinen Fernseh-Ableger stark beschneiden.

"Live ist das markenprägende Programmangebot von Bild TV, das wir mit der neuen Sendestrecke von Bild Live nunmehr auf 13 Stunden deutlich ausweiten", kündigte Claus Strunz, Bild-Chefredakteur für TV und Video, noch im Mai dieses Jahres an. Und so erweiterte Bild TV die Newsstrecke Bild Live: Von Montag bis Freitag laufen von 7 bis 20:15 Uhr bei Bild Live die Top-Themen des Tages rund um Politik, Sport, Show und Service.

Nun meldet der Spiegel, dass Bild seinen Fernseh-Ableger stark beschneiden wolle. "Bis Ende des Jahres könnte die werktägliche Dauersendung 'Bild Live' verschwinden, das zentrale Programmangebot des Senders. Grund sind offenbar die hohen Kosten, die der Sendebetrieb verschlingt", berichten die Spiegel-Reporter Anton Rainer und Alexander Kühn. Anders als Talkshows wie "Viertel nach Acht" und "Die richtigen Fragen" benötige "Bild Live" Außenreporter, Kamerateams und mehr Aufwand hinter den Kulissen.

Rainer und Kühn verweisen im Spiegel explizit darauf, dass der damalige Bild-Chefredakteur Julian Reichelt große Hoffnungen in den TV-Ableger gesetzt hat. "Wir sind selbstbewusst genug zu glauben, dass es genug Menschen gibt, die lieber das schauen, was Bild zeigt, als etwas anderes", hatte Reichelt im Oktober 2019 zum Beispiel dem Spiegel gesagt.

Ein Jahr nach Sendestart erreicht Bild durchschnittlich nur einen Marktanteil von 0,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Nicht nur in Sachen Quote blieb der Sender laut Spiegel-Bericht hinter den Erwartungen von Axel Springer zurück. Unzufrieden sei man im Verlag auch mit den Werbeerlösen gewesen.

"Künftig soll der Sender deshalb auf Sparflamme weiterbetrieben werden. Die Zeit, die durch das Ende der regulären Live-Berichterstattung wegfällt, könnte etwa durch vorproduzierte Dokus und billigere Formate gefüllt werden", heißt es im Spiegel. In einer noch nicht veröffentlichten "Bewegtbild-Strategie", die Bild-Chefredakteur Johannes Boie geschrieben habe, sei festgelegt, wann Bild künftig eine Livesendung mache: nur, wenn der Zuschauer es erwarte. Also etwa bei Terroranschlägen oder anderen Großereignissen.

Bild-Sprecher Christian Senft will die Frage nach der Zukunft von "Bild Live" auch gegenüber Kress nicht näher kommentieren. Live-Formate werde es bei Bild TV grundsätzlich auch im kommenden Jahr geben. "Unsere Programmplanung für 2023 ist noch nicht abgeschlossen. Wie alle Sender arbeiten wir ständig daran, unser Programm zu optimieren und unsere Zuschauer über die jeweiligen Distributionskanäle optimal zu erreichen. Das gilt umso mehr in dem aktuell wirtschaftlich schwierigen Umfeld." Die Talksendungen "Viertel nach Acht" und "Die richtigen Fragen" sollen jedoch erhalten bleiben, der TV-Sender sei ein "wichtiger Teil der übergreifenden Bewegtbildstrategie für Bild."

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