Das bringen Digitalangebote für Zeitungen am Sonntag

 

Gedruckte Sonntagszeitungen stehen wegen des teuren Vertriebs, hoher Papierpreise und sinkender Anzeigenerlöse unter Druck. Wie die "Rheinpfalz", das RND, die "Fuldaer Zeitung" und Zeit Online mit digitalen Produkten um das Wochenende kämpfen, zeigt kress pro.

"Rheinpfalz am Sonntag": Aktualisiertes E-Paper flankiert Wechsel des Erscheinungstags Die "Rheinpfalz" war ein Sonntagspionier unter den Zeitungsverlagen: Altverleger Dieter Schaub gehörte Ende der 1970er-Jahre zu den Gründern der südwestdeutschen "Sonntag Aktuell", und seit 2007 produzieren die Ludwigshafener für diesen Tag sogar eine Ausgabe in eigener Regie, die "Rheinpfalz am Sonntag". Seit Mitte Juli liegt sie in gedruckter Form allerdings bereits am sechsten Tag der Woche im Briefkasten der Abonnenten - zusätzlich zur Samstagsausgabe. Motiv für den Wechsel des Erscheinungstags waren die wachsenden Schwierigkeiten, die Zeitung am Sonntag noch verlässlich und zu vertretbaren Kosten zuzustellen. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" erscheint aus demselben Grund bereits seit 2021 am Samstag, der "Weser-Kurier" aus Bremen hat seinen "Kurier am Sonntag" Ende September hingegen gleich ganz eingestellt bzw. in seine Samstagsausgabe "integriert", und "Sonntag Aktuell" ist schon seit 2016 Geschichte.

Die "Rheinpfalz am Sonntag" hat einen starken Magazincharakter, der Großteil ihrer Inhalte war schon vor der Umstellung bereits am Freitag einer Woche fertig. Bis Mitte Juli enthielt sie aber auch aktuelle Nachrichten des Samstags, insbesondere aus dem Sport. Um deren Verlust in der Printausgabe auszugleichen und so den Wechsel des Erscheinungstags zu flankieren, nutzt die "Rheinpfalz" das E-Paper ihrer Sonntagszeitung: Dem digitalen Abbild der gedruckten Ausgabe stellt sie am Sonntagmorgen eine Art Extrablatt voran, das aus einer neuen Titelseite mit Nachrichten aus der Region, Deutschland und der Welt sowie einem drei- bis fünfseitigen aktuellen Sportteil besteht. "Wir standen vor der Herausforderung, eine Zeitung zu machen, die sich wie eine Sonntagszeitung anfühlt, und das Fehlen der Samstagsaktualität auf einem anderen Weg auszugleichen", sagt Ilja Tüchter, der Redaktionsleiter der Sonntagszeitung. Für die erweiterte digitale Ausgabe habe der Verlag sogar ins Personal investiert: So hat er die neue Stelle eines Sportredakteurs Digital geschaffen, zu dessen Kernaufgaben der E-Paper-Sportteil zählt.

Von den zusätzlichen Seiten fürs E-Paper abgesehen, ist nach dem Wechsel auf den Samstag der Umfang der gedruckten Zeitung und ihres digitalen Abbildes gleich geblieben. Es gab aber inhaltliche Veränderungen, die Tüchter mit der Formel vom "Ausbau der Hintergründigkeit" zusammenfasst.

Befürchtungen, wonach der vorgezogene Erscheinungstag zu massiven Protesten der Leser führen würde, hätten sich nicht bewahrheitet: "Die Reaktionen waren manchmal sehr emotional, in der Breite aber von Verständnis geprägt", sagt Tüchter. Nach seinen Angaben lag die Zahl der ausdrücklich mit der Umstellung begründeten Abokündigungen im niedrigen dreistelligen Bereich (bei einer Gesamtauflage der "Rheinpfalz am Sonntag" von rund 175.000 verkauften Exemplaren). Große Werbekunden hätten die Sonntagszeitung nach der Umstellung vorübergehend nicht gebucht, weil sie befürchteten, dass ihre Anzeigen am Samstag weniger beachtet werden, berichtet Tüchter weiter. Definitiv abgesprungen sei aber bislang keiner.

Dank der Erweiterung und Aktualisierung der digitalen "Rheinpfalz am Sonntag" hat sich die Zahl der Abrufe am Sonntag laut Tüchter um ungefähr 20 Prozent erhöht. Ob es dauerhaft bei deren größerem Umfang bleibt, hängt allerdings vom weiteren Wachstum der E-Paper-Nutzung ab und ist noch nicht entschieden. Der Redaktionsleiter der "Rheinpfalz am Sonntag" macht keinen Hehl daraus, dass auch der Status quo ein Kompromiss ist, mit dem man es nicht jedem Leser recht machen kann: "Das traditionelle Segment unser Leserschaft ist Print only und will eine Zeitung lesen, die so aussieht wie vor zehn Jahren. Die andere Gruppe wünscht sich ein größeres digitales Angebot."

[...] RND und "Fuldaer Zeitung": Der Sonntag als Turbo fürs E-Paper, "Zeit am Wochenende": Bindemittel für Digitalabonnenten. Jetzt den kompletten Case von Henning Kornfeld in kress pro lesen.

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