Bild TV: Dokus aus der Konserve statt Ronzheimer aus Kiew

 

Der Nachrichtensender von Axel Springer stellt zum Jahresende seine werktäglichen Sendungen "Bild Live" und "Bild am Abend" ein. Wie Bild-Vize Paul Ronzheimer und Ex-Bild-Boss Julian Reichelt darauf reagiert haben.

Anfang November berichtete bereits der "Spiegel" über entsprechende Pläne, am gestrigen Donnerstag informierten dann laut "Medieninsider" die Chefredakteure Johannes Boie und Claus Strunz ihre Mitarbeiter offiziell über den tiefen Einschnitt ins Programm.

Ein "Bild"-Sprecher bestätigt die Berichte der beiden Medien: Bild TV solle ab 2023 einen "Schwerpunkt auf Dokumentationen und Reportagen aus dem Programmportfolio von WeltN24" haben. Bei den Sport-Sendungen am Sonntag und großen Nachrichtenlagen werde der Sender aber auch in Zukunft live gehen. Und Talks wie "Viertel nach Acht" will das Unternehmen weiterhin für Youtube produzieren und  im TV-Programm zeigen.

Die "Bild Live"-Redaktion solle in ihrer jetzigen Form nicht mehr weitergeführt, befristete Stellen würden nicht verlängert, so der Sprecher weiter. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter will Springer nicht beziffern. Laut DWDL gehören dem Team 80 Menschen an, fast alle davon mit befristetem Arbeitsvertrag.

Springer reagiert mit dem weitgehenden Verzicht auf Live-Berichterstattung offenbar auf die hohen Kosten und die unbefriedigende Quotenentwicklung des Senders. Bei den 14- bis 49-Jährigen erzielt Bild TV im Schnitt einen Marktanteil von 0.2 Prozent.

Bild TV ist ein Prestigeprojekt von Axel Springer, gestartet vor einem guten Jahr. Vor allem der damalige Bild-Chefredakteur Julian Reichelt setzte große Hoffnungen in den Sender. Claus Strunz, Bild-Chefredakteur für TV und Video, machte noch im Mai gut Wetter: "Live ist das markenprägende Programmangebot von Bild TV, das wir mit der neuen Sendestrecke von Bild Live nunmehr auf 13 Stunden deutlich ausweiten", verkündete er damals.

Bild-Vize Paul Ronzheimer, mit seinen Reportagen aus der Ukraine omnipräsent auf dem Sender, hat sich laut DWDL unterdessen in einer Rundmail bei den betroffenen Mitarbeitern bedankt: "Eure Arbeit hat eine enorme politische Bedeutung in der größten Krise unserer Zeit gehabt", heißt es darin. "Unzählige Male habt ihr den Unterschied gemacht: Großartige Schalten, weltexklusive Interviews, um die uns alle TV-Sender insbesondere in den ersten Kriegstagen beneidet haben."

Auch der geschasste Ex-Bild-Chef Reichelt hat auf das Aus für die Live-Berichterstattung reagiert - und die Entscheidung von Springer kritisiert: "All Forces, mit BILD LIVE habt Ihr @BILD mit Mut, Zuversicht, Richtung und Begeisterung gefüllt. Ich denke heute an Euch und danke Euch von Herzen für jeden Tag, den wir gemeinsam etwas Großartiges gewagt haben! Aus Erfahrung kann ich Euch sagen: Better days to come!", schreibt er auf Twitter und verbreitet eine längere Erklärung.

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