Die harte Kritik des Manager Magazins am neuen Burda-Chef

 

Das Manager Magazin hat zuletzt ungewöhnlich scharf ("Stellvertreterkrieg") über das Medienhaus Burda berichtet. Der Rückzug von Hubert Burda habe eine gewaltige Lücke gerissen. Der neue Vorstandschef, Martin Weiss, treibe viele Führungskräfte zur Verzweiflung. kress pro hat sich umgehört, was bei Burda wirklich los ist.

Auszug aus der Kolumne "Aus unseren Kreisen" in kress pro - Magazin für Führungskräfte in Medien:

Wer hat bei Burda das Sagen?

Seit Jahresbeginn arbeitet Hubert Burda Media ja in geänderter Formation. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen hat sich nach zwölf Jahren an der Spitze verabschiedet. Er hält allerdings als Vorsitzender des Aufsichtsrates weiter mehr als nur ein paar Fäden in der Hand. Kallen gilt als enger Vertrauter von Hubert Burda. Dazu hat auch der alte Haudegen Philipp Welte im Vorstand eine starke Stellung, der das schwierige Publishing-Geschäft durch die Irrungen und Wirrungen der jüngsten Zeit managt. Kallens Nachfolger Martin Weiss arbeitet seit 2015 für Burda und kümmerte sich bisher vor allem ums internationale Geschäft und die Investmentaktivitäten des Konzern. In seiner neuen Rolle agierte er bisher unauffällig, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Das "Manager Magazin" drückte die Kritik in seiner Oktober-Ausgabe weniger höflich aus: "Der gelernte Consultant gilt als umgänglich, aber führungsschwach. Eigene, zählbare Akzente setzte er bislang jedenfalls keine, was besorgte Führungskräfte langsam an den Rand der Weißglut treibt." Auch Quellen, die dem Haus loyal verbunden sind, wollen diesem Eindruck nicht grundsätzlich widersprechen. Wobei die Kritik an Weiss vermutlich auch damit zu tun hat, dass der Manager in diesen unsicheren Zeiten ziemlich unprätentiös und nahbar auftritt. Klare Ansagen liefern in der Krise mehr Sicherheit.

Dabei ist Burda verglichen mit anderen Medienunternehmen mehr als solide aufgestellt. Auch margenstarke Geschäfte geraten allerdings unter Druck. So sieht sich etwa die Ergebnisperle Xing der wachsenden Konkurrenz von Linkedin ausgesetzt.

Viel inhaltliche Substanz enthält die Kritik noch nicht. Mal sehen, ob und wie schnell Weiss sich freistrampelt. Lustiges Detail am Rande: eine Burda-Quelle hat dem "Manager Magazin" verraten, dass Weiss bei seinen internationalen Führungskräftetreffen den Dolmetscherservice gestrichen hat. Da muss man sich doch eher wundern, dass es sowas überhaupt noch gab.

Spannend könnte künftig noch eine andere Frage werden. Wer übernimmt einmal die Führung in der Familie? Jahrelang hatten nicht wenige im Haus auch Maria Furtwängler eine entscheidende Rolle zugetraut, was sich aber mit der Scheidung erledigt hat. Bei den Kindern Elisabeth Furtwängler und Jacob Burda, beide Anfang 30, dachte man lange, dass Jacob, der auch Verbindungen ins Silicon Valley pflegte, eine operative Rolle anstreben könnte. Zuletzt allerdings zeigte Elisabeth, Freigeist und Musikerin, deutlich mehr Interesse am Geschäft. Das Problem von beiden bisher: Sie sitzen zwar im Verwaltungsrat und halten 75 Prozent der Anteile, über handwerkliches Rüstzeug für eine herausgehobene operative Funktion verfügen sie aber nicht.

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