Wie die taz und der Standard trotz Gratis-Inhalten freiwillige Beiträge in Millionenhöhe erlösen

 

Online sind bei der taz und dem "Standard" aus Österreich alle Inhalte gratis abrufbar. Dennoch sorgen freiwillige Beiträge der User für steigende Digitalumsätze. Wie das Modell funktioniert, zeigt kress pro in einem Case.

Auszug aus einem Case im aktuellen kress pro - Magazin für Führungskräfte in Medien:

Kaum ein deutschsprachiges Nachrichtenmedium gewährt auf der eigenen Onlineseite schrankenlosen Zutritt. Nicht so die taz in Berlin oder der "Standard" in Wien. Beide Tageszeitungen eint die Ansage, dass Qualitätsjournalismus für alle frei zugängig bleiben soll. Doch das muss finanziert werden, beide haben daher das Modell des freiwilligen Bezahlens zu einem erfolgreichen Modell ausgebaut.

Die taz: Umsatz und Wachstum

Die taz begann bereits 2011 mit dem Supporter-Modell "taz zahl ich" (tzi) und startete laut eigenen Angaben im ersten Jahr mit gerade einmal 237 Unterstützern. Heute erreicht das Blatt beeindruckende 35.000 freiwillig Zahlende. Diese unterstützen die taz einmalig oder regelmäßig, was in diesem Jahr voraussichtlich rund 2,6 Millionen Euro einbringen wird, sagt die Leiterin von "taz zahl ich", AnnKathrin Liedtke. Das entspricht inzwischen immerhin 12 Prozent des Gesamtumsatzes.

Das Modell

"Taz zahl ich" gründet auf zwei Säulen: einmaliges und regelmäßiges Unterstützen. "Von einem bis 10.000 Euro" reicht laut Liedtke das einmalige Engagement. Der durchschnittliche monatliche Wert beträgt 5,89 Euro. Der durchschnittliche Wert pro Förderer, einmalige und regelmäßige, beträgt pro Jahr etwa 74 Euro. Wichtig: Rund 90 Prozent der Einnahmen generieren die regelmäßigen Beitragszahler. Die Möglichkeit, Beiträge wie bei einem Abo dauerhaft bis auf Abruf zu bezahlen, brachte wirtschaftlich den Durchbruch für das Modell. "Taz zahl ich" firmiert deshalb als Abomodell. Derzeit gehen "die einmaligen Zahlungen stark zurück". Liedtke vermutet, dass das mit der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage zusammenhängt.

Der Pfad zum Zahlen führt bei der taz entweder von einem Popup oder vom eigenen Menüpunkt "taz zahl ich" zu den Bezahlmöglichkeiten, deren Vor- und Nachteile für die taz erläutert werden. Wer sich fürs regelmäßige Zahlen entscheidet, wird auf ein kurzes Onlineformular umgeleitet, auf dem die Beitragshäufigkeit (monatlich, Quartal, jährlich), die Beitragshöhe (Minimum 5 Euro) und notwendige Daten erhoben werden. Bei regelmäßigen Beiträgen ist bisher das SEPA-Lastschriftverfahren die einzige Zahlungsmethode, künftig soll auch Paypal möglich sein. Das sei userfreundlicher, denn jede auszufüllende IBAN sei schon ein Stolperstein, sagt Liedtke.

Mehr Zahlungsvarianten bietet die einmalige freiwillige Zahlung. Die Möglichkeiten reichen von der Lastschrift über Paypal, Kreditkarte, Überweisung bis zu Bitcoin und der Bezahlplattform Patreon. Ann-Kathrin Liedtke nennt Paypal als beliebteste Zahlungsmethode (46 Prozent), gefolgt von der Überweisung (41 Prozent), Kreditkarte und Lastschrift verzeichnen 6 bis 7 Prozent Zuspruch, der Rest sei marginal. Die taz bietet seit 2014 auch Bitcoin an, denn es ermöglicht anonymes Zahlen, was der "datenschutzempfindlichen taz-Community" wichtig sei.

[...] Welche Kampagnen (u.a. Website, Social Media) die taz dabei einsetzt, welche Benefits es gibt und wie das Modell beim "Standard" aussieht, können Sie jetzt im kompletten Case "Freiwilliges Bezahlen als digitale Erlösquelle" von Antje Plaikner in kress pro lesen.

Die Titelthemen in kress pro 9/2022:

Wandelt jetzt Printabos in Digitalabos! Auf die Branche kommen harte Zeiten zu. Was Peter Kirchner und zehn andere Top-Berater jetzt empfehlen.

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