Ergebnis der Deloitte-Untersuchung: Keine systematische politische Einflussnahme beim NDR in Kiel

08.12.2022
 

Die durch den NDR Landesrundfunkrat Schleswig-Holstein beauftragte Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte hat dem Gremium ihre Ergebnisse vorgelegt. Die schwerwiegenden Vorwürfe bestätigten sich nicht, was eine Führungskraft in Kiel sehr erleichtert. Warum der NDR jetzt trotzdem gefordert ist.

Demnach wurde der Vorwurf der systematischen politischen Einflussnahme auf die Berichterstattung des Landesfunkhauses nicht bestätigt. Über die Feststellung der journalistischen Unabhängigkeit hinaus identifiziert Deloitte unter anderem Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich redaktioneller Abläufe und des Rollenverständnisses einzelner Führungskräfte des Landesfunkhaus in Kiel.

Intendant Joachim Knuth sagt:

"Die gute Nachricht ist: Der Vorwurf einer systematischen politischen Einflussnahme hat sich nicht bestätigt, die Berichterstattung ist laut der Prüfung ausgewogen. Die Norddeutschen können sich darauf verlassen, dass im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein unabhängig und nach nachvollziehbaren journalistischen Kriterien gearbeitet wird. Gleichzeitig zeigt die differenzierte Prüfung, dass wir sensibler mit Programmkonflikten umgehen und bestehende Regeln noch klarer handhaben und kommunizieren müssen. Offenheit ist an dieser Stelle der wirksamste Schutz, um Verdachtsmomente erst gar nicht aufkommen zu lassen."

Die Prüfer hatten sich in den vergangenen Wochen mit der landespolitischen Berichterstattung des Funkhauses in Kiel und den redaktionellen Regeln und Abläufen auseinandergesetzt. Im Fokus der Untersuchung standen Vorwürfe zu einer Recherche über Verschickungskinder und der Rolle des DRK, zu einem abgesagten Interview mit dem früheren schleswig-holsteinischen Innenminister Hans-Joachim Grote und dem generellen Vorwurf, die NDR Berichterstattung aus Kiel sei nicht unabhängig, weil Führungskräfte parteiisch eingegriffen hätten.

Ein Vertreter von Deloitte erläutert zu dem Gutachten zugleich: In sechs untersuchten Fällen könnte durch Fehler im Programmablauf, mangelhafte interne Kommunikation, unklare Rollen und Funktionen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten sowie mangelnde Sensibilität im Hinblick auf die Tragweite und den politischen Kontext von Beschwerden "der Anschein entstanden sein", dass involvierte Mitarbeiter oder Führungskräfte in Kiel Programmgrundsätze missachtet hätten. Das Gutachten sieht dazu in mehreren organisatorischen Bereichen des Senders Verbesserungspotenzial.

Landesrundfunkratsvorsitzende Laura Pooth kommentiert: "Der NDR ist gefordert, schnell Abhilfe zu schaffen - auch zum Selbstschutz der Journalisten." Schon der Anschein von Parteilichkeit müsse unbedingt vermieden werden. Pooth sagte auch: "Im Landesfunkhaus wird nach journalistischen Kriterien gearbeitet und in Summe ausgewogen berichtet. Es wurden jedoch Schwachstellen festgestellt, darunter die Nichteinhaltung korrekter und transparenter Beschwerdewege."

NDR-Intendant Joachim Knuth sagte zu den Ergebnissen: "Die gute Nachricht ist: Der Vorwurf einer systematischen politischen Einflussnahme hat sich nicht bestätigt, die Berichterstattung ist laut der Prüfung ausgewogen." Gleichzeitig zeige die differenzierte Prüfung, "dass wir sensibler mit Programmkonflikten umgehen und bestehende Regeln noch klarer handhaben und kommunizieren müssen. Offenheit ist an dieser Stelle der wirksamste Schutz, um Verdachtsmomente erst gar nicht aufkommen zu lassen."

Im September sah eine interne NDR-Aufarbeitung den Vorwurf gegen Führungskräfte in Kiel im Zusammenhang mit einer möglichen Einflussnahme auf die politische Berichterstattung nicht bestätigt. "Belege für einen "politischen Filter" konnten wir im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein nicht finden", hieß es in dem Bericht. "Wir sehen einzelne tagesaktuelle Entscheidungen kritisch, aber für einen solch massiven Vorwurf müsste die Berichterstattung des Landesfunkhauses über einen längeren Zeitraum systematisch ausgewertet werden. Das war in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich."

Zu den Führungskräften, gegen die Vorwürfe in Medienberichten erhoben worden waren und die von personellen Konsequenzen betroffen waren, zählt die damalige Politik-Leiterin in Kiel, Julia Stein. Sie teilte der dpa auf Anfrage mit: "Ich bin erleichtert, dass am Ende nichts bleibt von den schwerwiegenden Vorwürfen gegen meine Arbeit. Es gab keine politische Einflussnahme und keine unterdrückten Recherchen." Für die externe und unabhängige Aufklärung sei sie dankbar. Stein ergänzte: "Die Vorwürfe haben die Stimmung im Haus stark belastet, aber nun wissen wir, dass sie haltlos waren."

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.