Helpline für Journalisten mit psychosozialen Problemen kommt - Förderung durch SZ

14.12.2022
 

Das Dart Centre for Journalism and Trauma Europe und Netzwerk Recherche haben eine Helpline zur Unterstützung von Journalisten mit psychosozialen Problemen entwickelt. Die Süddeutsche Zeitung hilft, die Kosten für das Projekt zu tragen. Weitere Förderer werden gesucht.

Der Grundstein für die vom Dart Centre for Journalism and Trauma Europe und Netzwerk Recherche e. V. entwickelte Helpline zur Unterstützung von Journalisten mit psychosozialen Problemen ist gelegt. "Dank einer großzügigen Förderung durch die Süddeutsche Zeitung können wir bald mit der Fortbildung interessierter Kolleginnen und Kollegen beginnen und die notwendige Infrastruktur aufbauen", sagt Malte Werner von Netzwerk Recherche. "Um auch mit dem Herzstück des Projekts - der telefonischen Beratung der Betroffenen - loslegen zu können, braucht es allerdings weitere Förderer."

Jeanny Gering, die das Projekt auf Seiten des Dart Centre Europe betreut und mit der Idee für die Helpline auf NR zugegangen ist, fügt hinzu: "Die zahlreichen Reaktionen auf die Vorstellung der Helpline bei der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche haben uns gezeigt, wie groß der Bedarf für ein solches Angebot ist. Deshalb appellieren wir an die gesamte Branche, dem Beispiel der SZ zu folgen und das Projekt finanziell zu unterstützen. Nur so lässt sich die Helpline und die Hilfe für die betroffenen Journalistinnen und Journalisten langfristig sichern."

Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung, begründet das Engagement der SZ so: "Journalistinnen und Journalisten sind häufig hohen Belastungen ausgesetzt. Die Helpline ist ein gutes Angebot, um entlastend zu wirken. Deshalb fördern wir das Projekt."

Hintergrund: Die Helpline ist ein kostenloses Hilfsangebot für freie oder festangestellte Journalistinnen und Journalisten, die traumatisiert, gestresst oder psychisch belastet sind - sei es wegen eines schrecklichen Ereignisses, über das sie berichtet haben (z. B. während einer Kriegsberichterstattung, über eine Naturkatastrophe oder einen Unfall), wegen prekärer Arbeitsbedingungen oder Drucksituationen im beruflichen Alltag (z. B. Übergriffe auf Demonstrationen).

Anders als in anderen Berufsgruppen gibt es im Journalismus bislang keine frei zugänglichen Angebote zur Verarbeitung dieser mentalen Herausforderungen. In den meisten Medienhäusern spielt das Thema mentale Gesundheit immer noch eine untergeordnete Rolle.

Die Helpline bildet interessierte Kolleginnen und Kollegen aus, die dann - auf Honorarbasis - in einen informellen Austausch mit den Betroffenen gehen und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln. Falls nötig, werden die Betroffenen an spezifische Angebote und Einrichtungen vermittelt. Die Helpline ist ausdrücklich kein Therapieersatz, soll aber niedrigschwellig und präventiv für Entlastung sorgen.

"Mit diesem Projekt wollen wir die psychische Gesundheit und Belastbarkeit aller Journalist:innen im deutschsprachigen Raum stärken und setzen uns so für einen stärkeren Journalismus ein. Deshalb sehen wir eine gewisse Verantwortung der gesamten Branche, das Angebot zu unterstützen. Unser Ziel ist es, ein breit aufgestelltes Konsortium aus Verlagen, Rundfunkanstalten, Medienorganisationen, Gewerkschaften, Verbänden und Stiftungen aufzubauen, das die Kosten trägt", sagt Jeanny Gering.

Mehr Informationen zur Helpline unter: www.journalisten-helpline.de

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