Kopf des Tages: So lief der TV-Abschied von Béla Réthy

15.12.2022
 

Seit 1994 war Béla Réthy als Live-Reporter bei allen großen Fußballturnieren im Einsatz. Am Mittwochabend hat er sich vor einem Millionen-Publikum im ZDF verabschiedet. Was er sagte, als er das Live-Mikrofon ausmachte.

Béla Réthy hat sich mit "ein paar wenigen persönlichen" Worten nach seinem letzten Einsatz als Fußball-Kommentator von den Zuschauern verabschiedet. "Ich habe versucht, alle zu unterstützen und alle auch irgendwie mitzunehmen", sagte er zum Ende des WM-Halbfinals zwischen Frankreich und Marokko (2:0) im ZDF. "Es freut mich, wenn es gefallen hat, und sorry an die, die ich nicht erreichen konnte. Das ist nicht immer einfach. Auf jeden Fall muss ich sagen, liebe Zuschauer, war es mir eine große, große Ehre. Tschüss und adieu."

Réthy absolvierte den letzten TV-Einsatz an seinem 66. Geburtstag. Er habe von Experte Sandro Wagner an seiner Seite als Geschenk eine Tüte Gummibärchen "für den Kreislauf" bekommen, berichtete er kurz vor Anpfiff. "Béla - macht Spaß mit dir, es ist echt schade, dass du aufhörst", sagte der frühere Nationalspieler Wagner nach gut 60 Minuten des Spiels. "Danke, Vorbild. Danke, Legende", sagte er nach Abpfiff.

Das ZDF würdigte den Reporter unter anderem mit einem Beitrag des Kollegen Nils Kaben, der nach der Live-Übertragung des Spiels gezeigt wurde und Szenen aus der 40-jährigen Karriere Réthys umfasste. "Mit dir geht ein Stück Seele des ZDF-Sport", sagte der Autor zum Endes des Beitrags.

Im Studio würdigten die ehemaligen Nationalspieler Per Mertesacker und Christoph Kramer die Leistung des Journalisten. Mertesacker stimmte ein Abschiedslied an und sang mit den Zuschauern: "Es gibt nur ein Béla Réthy!"

Als das Live-Mikrofon ausgeschaltet war, sagte Réthy der Deutschen Presse-Agentur auf der Tribüne des Al-Bait Stadions bei der WM in Katar:

"Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen. Jetzt kommt Weihnachten, dann kommt der Januar, und dann gucken wir mal. Dann fallen einem bestimmt schnell die Samstage auf, weil man dann plötzlich nicht mehr zur Bundesliga los muss. Dann beginnt ein neues Leben."

"Ich liebe schon ein bisschen Béla Réthy", sagte Christoph Kramer. "Ich bin mit ihm groß geworden, ich verbinde mit dieser Stimme ganz, ganz große Events. Tausend Dank für ganz viel Gänsehaut." Ex-Weltmeister Mertesacker erinnerte an dem gemeinsamen Kommentar beim Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool Ende Mai dieses Jahres. "Das waren ganz tolle Zeiten. Du hast alle mitgenommen in aller Bescheidenheit. Ich hatte gar keinen Plan vom Kommentieren. Du hast mich aufgenommen und durchgeschleppt", sagte Mertesacker. 

Für Réthy stehen nun zunächst andere Dinge als Fußball im Vordergrund: "Ich möchte mehr Zeit mit einem Enkel verbringen und ihn aufwachsen sehen", sagte er bereits zuvor. Nach einer Verschnaufpause kann sich der Journalist aber vorstellen, auch wieder zu arbeiten. "Irgendetwas medien-mäßiges ist möglich", sagte der Reporter, der bei zehn Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz war.

Eine Reportage über die Copa Sudamericana findet der in Brasilien aufgewachsene Journalist reizvoll. Der südamerikanischer Fußballwettbewerb für Vereinsmannschaften werde "bei uns in Deutschland oft unterschätzt"", sagte Réthy. Zunächst wolle er aber "die Terminlosigkeit" genießen.

Hintergrund: Réthy war seit 1986 bei allen Fußball-Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz, seit 1994 als Live-Reporter bei allen großen Turnieren.

Quellen: kress, dpa

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