Marktführung verteidigen: Wie Regine Runte die Food-Marken bei Burda scharf nachwürzt

 

Viel Bewegtbild, E-Commerce, Koch-Communities: Regine Runte ist als Brand Director Food für Burda-Traditionsmarken wie Meine Familie & ich oder den eben erst zehn Jahre alt gewordenen Nischentitel Slowly Veggie verantwortlich. Wie heiß sie das Digitalgeschäft aufkocht - und warum für Pasta in der Burda-Bar nur wenig Zeit bleibt.

kress.de: Frau Runte, Sie haben Anfang 2022 als Brand Director die Verantwortung für die Food-Marken übernommen. Wie groß ist seither der Bogen, den Sie ums Kantinenessen machen, wie weit hat sich Ihr kulinarischer Horizont erweitert?

Regine Runte: Leider sind meine Arbeitsalltage sehr voll, so dass kaum Zeit für eine Mittagspause bleibt. Wenn ich es mir einrichten kann, gehe ich aber gerne in die Kantine oder die hausinterne, italienische Burda-Bar, die übrigens vorzügliche Pasta serviert. In jedem Fall hat sich mein kulinarischer Horizont dahingehend erweitert, dass ich feststellen musste, wie breit die Zielgruppe ist, die wir mit unseren Marken bedienen, das Spektrum an Themen, die wir abdecken und wie schnell sich Trends entwickeln. Ich finde es sehr spannend, in einem so dynamischen Markt unterwegs zu sein und diesen mitgestalten zu dürfen.

kress.de: Koch- und Genusszeitschriften gehören noch immer zu den beliebtesten Titeln auf dem vielfältigen Magazinmarkt, umso mehr ist das Segment unter den Verlagen umkämpft. Wie herausfordernd ist es für Sie, mit Ihren Titeln die Marktführerschaft zu verteidigen?

Regine Runte: Wir sind mit der Meine Familie & ich Europas größte Food-Zeitschrift und die Auflagen sind auch weiterhin stabil. Mit unserem Portfolio haben wir den strategischen Vorteil, an den Kassen des Lebensmitteleinzelhandels zu liegen, so dass kein Kunde an uns vorbeikommt. Daher schlagen wir uns gut als Marktführer, wobei wir in 2022 doch sehen mussten, dass auch wir von der allgemeinen Marktsituation, den hohen Kosten und den gestiegenen Preisen im LEH betroffen sind.

kress.de: Was ist für Sie die wichtigste Maxime: Stellung halten oder auch mal wieder mit Produktinnovationen oder sogar neuen Titeln Attacken reiten?

Regine Runte: Wir möchten sowohl unsere Branche als auch den Wandel mitgestalten. Schwerpunkt liegt hier sicher im Ausbau des Digitalgeschäfts, wo wir dieses Jahr auf einzelnen Plattformen (einfachbacken.de) einen Reichweitenwachstum von über 30% verzeichnen konnten und so den Markt dominieren. Hier sind wir aktiv daran, unser transaktionales Geschäft auszubauen und die starke Reichweite, die wir haben, zu monetarisieren. Aber natürlich bleiben wir auch ansonsten innovativ und denken frühzeitig über Trends nach, entwickeln neue Produkte aus unseren starken Marken heraus und schaffen neue Erlösmodelle.

"Slowly Veggie hat vegetarisches und veganes Essen zum kulinarischen Genuss und damit mehr als salonfähig selbst für überzeugte Fleischesser gemacht."

kress.de: Seit zehn Jahren gibt es nun "Slowly Veggie" am Markt, wie erklären Sie sich den Erfolgskurs des Titels?

Regine Runte: Der Launch von Slowly Veggie kam zur rechten Zeit in der damaligen Food-Nische, in der sich schon vor zehn Jahren ausmachen ließ, dass der Veggie-/Vegan-Trend größer werden würde. Diesen Trend hat Slowly Veggie mit der richtigen Tonalität und Bildsprache aufgegriffen. Hochwertig, genussvoll, kreativ und ohne erhobenen Zeigefinger hat Slowly Veggie diese wachsende Segment-Nische erobert. Slowly Veggie hat vor zehn Jahren als Vorreiter in dem sonst recht blassen Zeitschriftenangebot in dem Bereich das damals vermeintlich wenig hippe Veggie/Vegan-Image nachhaltig entstaubt und es als attraktiven Lifestyle etabliert. Slowly Veggie hat vegetarisches und veganes Essen zum kulinarischen Genuss und damit mehr als salonfähig selbst für überzeugte Fleischesser gemacht. Und gerade jetzt, da infolge des Klimawandels noch in größerem Maße ein Umdenken in Richtung eines nachhaltigeren Konsums in Gang kommt, ist Slowly Veggie der perfekte Lifestyle-Kompass für vegetarischen und veganen Genuss.

"Der Markt ist durchaus gesättigt, aber dennoch sehr dynamisch."

kress.de: Wie schwer ist es, überhaupt noch vielversprechende Nischen zu identifizieren und zu erschließen?

Regine Runte: Der Markt ist durchaus gesättigt, aber dennoch sehr dynamisch. Es gibt viele neue Produkte auf dem Markt, das Einkaufsverhalten ändert sich, es besteht ein hoher Informationsbedarf gerade im Bereich Nachhaltigkeit und natürlich die Digitalisierung der User-Journey prägt die aktuelle Zeit. Wir sind hier sehr umtriebig manche Nischen selbst zu besetzen aber auch mit guten Partnern zu kooperieren oder prüfen auch hier und da strategische Zukäufe. Sie sehen, die Ideen gehen uns nicht aus.

kress.de: Sie haben zuletzt Marken wie "Lust auf Genuss" behutsam neu positionieren und auffrischen lassen. Welche der Titel ist als nächstes dran, wo sehen Sie vordringlichen Handlungsbedarf?

Regine Runte: Bei der Lust auf Genuss sind wir dabei, den Freundeskreis auszubauen und unseren Lesern und Kunden zugänglich zu machen. Im Freundeskreis vereinen wir Spitzenköche, Gastronomen, Sommeliers aber auch Erzeuger, zu denen wir eine besondere Beziehung und Zugang haben. Hier sind wir dabei Angebot zu entwickeln, wie wir unsere Leser und Nutzer buchstäblich in die Töpfe und hinter die Kulissen schauen lassen können. Als nächstes sind wir an der Weiterentwicklung der Meine Familie & ich dran, wo wir das Thema Familie noch stärker in den Fokus holen wollen. Da arbeiten wir ebenfalls an einer Auffrischung des Heftes und einer neuen Kampagne. Und nicht zuletzt, an dem Ausbau unserer Webseite, die wir noch klarer Richtung Familie, Eltern und Kinder positionieren werden, mit einem breiten Content Angebot, auch jenseits von Rezepten.

"Das Digitalgeschäft ist der Wachstumstreiber in unserem Bereich."

kress.de: Welchen Stellenwert hat im Content-Mix das Digitalgeschäft der Marken und was muss man sich konkret unter neuen Content-to-Commerce-Angeboten in Ihrem Haus vorstellen?

Regine Runte: Das Digitalgeschäft ist der Wachstumstreiber in unserem Bereich. Wie bereits erläutert, setzen wir hier verstärkt auf die Monetarisierung unserer Reichweiten. Sei es durch klassisches eCommerce-Geschäft, wo wir über attraktiven Content die Nutzer zum Kauf anregen. Oder auch in dem wir Commerce Umfelder schaffen, wie z.B. Produktvergleiche, wo unsere Nutzer nicht nur einen Vergleich und Testergebnisse von Produkten erhalten, sondern auch die passenden 'How-to'-Videos oder die Rezeptsammlung dazu.

"Im Topf blubbert es, das Essen dampft, man sieht jemandem beim Kosten, beim Genießen zu. Das ist Emotion pur, die wir ja alle mit Essen verbinden."

kress.de: Sie kommen ja auch aus der Fernsehwelt: Was kann man sich dabei für den Inszenierungsstil erfolgreicher Food-Marken abschauen?

Regine Runte: Das Großartige an Bewegtbild ist, dass man den Prozess des Zubereitens, des Kochens, des Anrichtens etc. hautnah miterleben kann. Im Topf blubbert es, das Essen dampft, man sieht jemandem beim Kosten, beim Genießen zu. Das ist Emotion pur, die wir ja alle mit Essen verbinden. Das ist eindeutig ein Vorteil von Bewegtbild, den wir weder im Digitalen noch in Print entsprechend hervorrufen können. Daher sind wir sehr stark dran, unser Bewegtbildinventar auszubauen, um eben diese emotionale Komponente noch stärker abdecken zu können. Und zwar auf allen Kanälen, sei es auf YouTube, auf unseren eigenen Webseiten, aber auch auf Instagram oder TikTok. Wir werden zudem verstärkt mit Menschen arbeiten - aus unserer Redaktion oder mit Botschaftern - die vor der Kamera unsere Marken zum Leben erwecken und mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigenen Karrierestationen zurückblicken: Welche Erfahrungen haben Sie am stärksten geprägt?

Regine Runte: In fast jeder meiner Stationen habe ich etwas Wesentliches gelernt, bzw. hat mich etwas geprägt, das ich mitnehmen konnte. Ich habe auf allen Mediengattungen gearbeitet und verstehe, wie man Nutzer medial erreicht und wie man attraktive und profitable Geschäftsmodell baut. Dabei hilft, dass ich nicht nur selbst Journalistin bin, sondern BWL studiert habe und mein strategisches und analytisches Handwerk bei der Beratung gelernt habe, wovon ich sehr profitiere.

kress.de: Wenn dann doch endlich auch mal Feierabend wird: Wie tanken Sie Ihre Energien auf?

Regine Runte: Bei meiner Familie. Meine drei Jungs im Alter von 9 bis 15 holen mich schnell aus den Arbeitsthemen raus und erden mich im Hier und Jetzt. Ansonsten mache ich viel Sport, was als ehemalige Tänzerin für mich zum Ausgleich unerlässlich ist. Und, und das war tatsächlich auch schon so, bevor ich den Food-Bereich übernommen habe, backe ich sehr gerne und freue mich daran, mit den Händen was erschaffen zu können.

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