3 Trends, die Redaktionen beachten sollten, wenn sie erfolgreich bleiben wollen

 

Das kommende Jahr wird nicht einfach. kress pro hat 10 Antworten von Top-Beratern auf 10 drängende Fragen eingeholt, die sich in vielen Medienhäusern stellen. Christian Eissner von den Mehrwertmachern sagt, welche Inhalte jetzt ziehen.

Auszug aus kress pro-Titelgeschichte "Was Top-Berater jetzt empfehlen":

Sie untersuchen seit Jahren die Mediennutzung. Wie sollten sich Lokaltitel und News-Medien jetzt inhaltlich positionieren? Welche Themen ziehen?

Antwort von Christian Eissner, Leitender Redaktionscoach, Die Mehrwertmacher:

"Die Lesewert-Forschung sieht bemerkenswerte Trends, die Redaktionen beachten sollten, wenn sie erfolgreich bleiben wollen.

1. Relevanz

Dass es für Redaktionen lohnend ist, sich an den Informationsbedürfnissen des Publikums zu orientieren, hat die Coronazeit deutlich gezeigt. Leserinnen und Leser suchen nach Alltagsrelevanz, nach Nutzwert und auch nach emotionaler Betroffenheit. Unsere Daten zum Leseverhalten in den vergangenen zwei Jahren zeigen, dass sich die Informationsbedürfnisse stetig den Herausforderungen des Alltags anpassen. So ist das Muss-Thema "Versorgung" im Herbst 2022 ganz nach oben auf die Leser-Agenda gerückt.

Je konkreter Redaktionen hier Nutzwert bieten, umso erfolgreicher sind sie beim Publikum. Wie komme ich in meiner Region jetzt am besten an Holz für den Kamin? Macht der Aldi bei mir im Ort bald auch früher zu? Oder: Ein ganz normaler Hausbesitzer erklärt, welche Möglichkeiten er nutzt, um Energie zu sparen. Vielleicht habe ich die ja auch. Ohnehin scheint für viele Menschen das Thema Wohnen und Wohnkosten ein wichtiger Gradmesser für Veränderungen zu sein. Es wird überdurchschnittlich gut beachtet. Bemerkenswert ist, dass Leserinnen und Leser stark nach emotionalen Zugängen zu Alltagsthemen suchen: Leistet sich beim Weihnachtsgeschenke-Kauf eigentlich noch jemand den kleinen Luxus?

2. Einordnung

Unsere Daten zeigen, dass die Nutzer regionaler und überregionaler Tageszeitungs-Angebote gesellschaftliche Debatten sehr aufmerksam verfolgen und von der Redaktion verlangen, diese zu spiegeln. Sie erwarten aber kein permanentes Beschreiben und Zuspitzen von Konflikten, wie sie es in den sozialen Medien finden - und dort entsprechend zu werten wissen. Sie erwarten konstruktive Aufklärung. Dazu gehören Raum für unterschiedliche Meinungen und deren Bewertung, lösungsorientierte Diskussion, der Blick über den Tellerrand. Auch und gerade im Lokalen.

Deutlich sehen wir das zum Beispiel anhand der Daten, mit denen wir Redaktionen zum Umgang mit der Stilform Interview schulen. Leserinnen und Leser strafen Interviews sehr konsequent mit Missachtung, die den Anschein erwecken, jemandem wird eine Plattform zur Selbstdarstellung geboten. Der Blick der Leser ist: Erkenne ich ein für mich relevantes Thema? Hat der Interviewte dazu Expertise? Und fragt die Redaktion kritisch nach?

3. Lokales Leben/regionale Identität

Werden die Zeiten unsicherer, dann wird wichtiger, was es im unmittelbaren Umfeld der Menschen Gutes gibt. Unsere aktuellsten Lesewert-Messungen bei Regionalzeitungen bestätigen dies. Fehlen die positiv-emotionalen Themen aus dem lokalen Leben, kann bei Leserinnen und Lesern ein Gefühl von Negativität und Sterilität entstehen. Das ist gefährlich fürs Abo.

Für die Lokalredaktionen geht es also nicht darum, ob sie Menschen und ihr Engagement zeigen, sondern wie. Denn das im Lokalteil abgedruckte Protokoll der Jahreshauptversammlung des örtlichen Reitvereins wurde noch nie gelesen. Kein Leser zahlt für Vereinschronik. Trotzdem kann der Verein eine Quelle spannender Geschichten sein, die es zu finden und gut aufzuschreiben gilt. Eine große Chance und bisher oft sträflich vernachlässigt ist, freie Mitarbeiter professionell auf Grundlage von Nutzungsdaten zu schulen - und für sie aufwandsgerechte Bezahlmodelle abseits des Zeilenhonorars zu etablieren.

[...] Wie setzt man Preiserhöhungen in Vertrieb und Vermarktung durch? Wie führt man in der Krise? Wie geht man im Notfall mit Papierengpässen um? Wie können Verlage die Zustellung weiter optimieren? Was sind jetzt die richtigen Investitionen? Sollen Medienhäuser eine Inflationsprämie von bis zu 3.000 Euro an gute Mitarbeiter auszahlen?

Die Antworten von Top-Beratern wie Harald Müsse, Jan Janßen, Christoh Mayer, Katja Nettesheim, Michael Apenberg, Remo de Masi und Moritz von Laffert können Sie jetzt in kress pro lesen.

Die Titelthemen in kress pro 9/2022:

Wandelt jetzt Printabos in Digitalabos! Auf die Branche kommen harte Zeiten zu. Was Peter Kirchner und zehn andere Top-Berater jetzt empfehlen.

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Vermarktung: Wie die "Mopo" im Klein-Klein-Geschäft punktet.

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