Monster-Klage der Schweizer Großbank Credit Suisse gegen Finanzblog

20.12.2022
 

Die Credit Suisse sorgt mit einer Klage gegen "Inside Paradeplatz" für Aufsehen. Das Finanzblog des Journalisten Lukas Hässig soll nicht nur sämtliche 52 Artikel über die Schweizer Großbank streichen, sondern auch einen Teil seines Gewinns rausrücken.

Credit Suisse hat den vom Journalisten Lukas Hässig betriebenen Finanzblog Inside Paradeplatz wegen 52 Beiträgen verklagt, die zwischen dem 27. Juli - dem Tag als Ulrich Körner zum neuen Credit Suisse-CEO ernannt wurde - und dem 28. Oktober erschienen sind, meldet die Schweizer Nachrichtenagentur AWP am Dienstagnachmittag. Über die am Montag von "Inside Paradeplatz" publik gemachte Klage berichteten auch internationale Medien wie die "Financial Times".

In einer Stellungnahme gegenüber AWP schrieb die Credit Suisse, dass sie sich entschieden habe, die Rechtmässigkeit von Leserkommentaren und Texten rechtlich überprüfen zu lassen. "Dies geschieht zum Schutz unserer Mitarbeitenden, die auf dem Blog regelmässig beschimpft und verunglimpft werden."

Die Credit Suisse verlangt nun AWP zufolge die Löschung der fraglichen Beiträge sowie von rund 200 Kommentaren. Wie Watson berichtet, geht die Forderung aber noch weiter: Die Großbank soll auch auf die Herausgabe des Gewinns pochen, den "Inside Paradeplatz" seit dem 27. Juli erzielt habe - "plus fünf Prozent Zins ab Publikationsdatum". Ein Vorgehen, das seit den rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Jolanda Spiess-Hegglin und Ringier bei Klagen gegen Medienhäuser an Popularität gewonnen habe, heißt es bei watson.ch.

Er werde mit seinem Anwalt versuchen, die Klage "im Detail zu widerlegen", sagte der Inside-Paradeplatz-Macher Lukas Hässig am Dienstag gegenüber AWP. Der Streitwert von 300'000 Franken sei für ein Kleinmedium "eindrücklich". Die zur Löschung eingeklagten Kommentare seiner Leser bezeichnet er als "Vox populi": "Sie sind spannend, informativ, banal, fies", so Hässig.

Hintergrund: Wie AWP berichtet, ist das auch international beachtete Finanzblog in der Vergangenheit immer wieder verklagt worden, im laufenden Jahr etwa von den Verlegern Michael Ringier und Marc Walder oder von der Unternehmerin Patrizia Laeri. Auch die Grossbank UBS sei 2019 gerichtlich gegen "Inside Paradeplatz" vorgegangen. Der damalige UBS-Rechtschef Markus Diethelm habe heute dieselbe Position bei der Credit Suisse inne.

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