Ewiger Neuanfang: Auf 2023 freuen, auch wenn das Jahr wieder nicht leicht wird

 

Mancher hat schon genug vom neuen Jahr, ehe es begonnen hat. Es wird absehbar wieder anspruchsvoll. Doch jeder Neuanfang hat seinen Wert, auch wenn er sich manchmal erst langfristig erschließt, meint Mediencoach Attila Albert. Empfehlungen dazu in seiner letzten Kolumne für 2022.

"Und wie ist die Stimmung bei dir?" - "So, dass ich von 2023 auch schon genug haben!" Diesen sarkastischen Dialog las ich vor einigen Tagen auf einer humoristischen Webseite. Tatsächlich geht mancher mit diesem Gefühl in die Feiertage: Geschafft vom dritten anstrengenden Jahr in Folge und langsam ohne den Glauben, dass es bald wieder besser werden könnte. Vom sonstigen Optimismus zum Jahreswechsel ist wenig zu spüren, weil auch 2023 wieder voller beruflicher und privater Herausforderungen sein wird.

Es gibt Lebensphasen, durch die man es gerade so geschafft hat. Auf manche Jahre trifft das ebenso zu. 2022 hat viele Medienprofis erneut an ihre Grenzen gebracht, etwa aus gesundheitlichen, nervlichen oder finanziellen Gründen. Für andere war es dagegen ein gutes, sogar außergewöhnlich erfolgreiches Jahr. Aber so ist das langfristig: Man hofft entweder auf einen Neuanfang oder erlebt ihn gerade. Beides hat seine Zeit. Darum soll es in meiner letzten Kolumne für dieses Jahr gehen: Die ewige Kraft des Neubeginns.

(In meiner Kolumne speziell für Führungskräfte in kress pro 10/2022 lesen Sie diesmal, wie Sie redaktionelle Qualitätsstandards und Produktionsabläufe aufrechterhalten).  

Echte Neuanfänge beginnen mit einem Entschluss

Jahreswechsel sind nur symbolische Neuanfänge und als solche selten nachhaltig. Die meisten guten Vorsätze sind nach wenigen Tagen wieder aufgegeben. Gelegentlich stößt ein äußeres Ereignis einen echten Neuanfang an, z. B. ein unerwartetes Jobangebot, eine neue Beziehung oder Trennung. Meist beginnt er aber innerlich - mit dem Entschluss, dass es künftig anders laufen wird: "Ich mach da nicht mehr mit", formuliert also als gedanklicher Schlußstrich. Oder positiv: "Für die Zukunft wünsche ich mir..." Zum Beispiel: Wieder mehr Spaß und Lebensfreude, die Ihnen vielleicht etwas abhandengekommen sind.

In jüngeren Jahren sind berufliche und privaten Premieren - erste Beziehung, erster Job, erste Wohnung - selbstverständlich und werden trotz mancher Startschwierigkeiten ersehnt. Im mittleren Lebensalter sinkt die Lust darauf. Wieder von vorn anfangen? Ist das zuvor Erreichte verloren, waren die eigenen Mühen sinnlos? Doch diese Gedanken sind müßig, Sie werden ständig vor Neuanfängen stehen. Ein realistisches Ziel ist nicht, sie ganz vermeiden zu wollen, sondern sie möglichst selbst zu suchen und zu gestalten.

An sich beobachten, wann es soweit ist

Manchmal kommt man erst darauf, dass ein persönlicher Neuanfang fällig wäre, weil andere mehr oder weniger offen darauf hinweisen. "Du bist immer so negativ", hört man sie vielleicht sagen. "Hast du nur noch etwas zu meckern?" Wenn Sie sich dabei ertappen, dass Sie nur noch kritisieren, sich an nicht mehr viel freuen freuen und selbst nach dem schönsten Urlaub schnell wieder frustriert sind - dann ist es höchste Zeit. Oftmals hat man sich das nicht gewünscht. Wer ist schon davon begeistert, wieder neu anfangen zu müssen? Es passt ja eigentlich nie. Aber diese Zeichen zeigen Ihnen, dass es so weit ist.

Ihre Lage erkennen, nicht damit aufhalten

Wenn Sie mit Ihrer beruflichen oder privaten Situation gerade nicht so richtig glücklich sind, ist es wichtig, die Gründe dafür einmal genau festzustellen. Selbst als Liste aufgeschrieben, bei Bedarf mit professioneller Begleitung gemeinsam durchdacht und niedergelegt. So wissen Sie anschließend sicher, wo Sie derzeit stehen (z. B. ob Sie im Job eher mangelnde Karriere-Chancen, das Gehalt oder die Arbeitsinhalte stören). Aber belassen Sie es nicht dabei. Problembeschreibungen lösen noch nichts und sind auf Dauer ermüdend für alle. Konzentrieren Sie sich nach der Ist-Analyse ganz auf Ihre Zukunftsziele.

Negative Gedanken und Gefühle umlenken

Vor jedem Neuanfang steht eine Phase voller negativer Gedanken und Gefühle, die ihn schließlich erzwingen: Hilflose Angst, zornige Schuldzuweisungen, gelangweilter Frust mit vielen Alltagsfluchten, das Abarbeiten an anderen. Bis klar ist: "Wenn sich etwas ändern soll, muss ich bei mir anfangen. Kein Warten mehr auf andere oder perfekte Umstände, die nie kommen." Versuchen Sie, diese Phase möglichst kurz zu halten, damit Sie nicht Monate oder gar Jahre damit verlieren. Lenken Sie negative Energien in positive Aktivitäten, die Sie weiterbringen. Beispiel: Aus Wut über den Chef besonders motiviert bewerben.

Pragmatische Lösungen suchen

Der deutschen Mentalität entspricht es, bei jeder Gelegenheit ins Prinzipielle auszuweichen. Unzufrieden im Job? Dann schreibt mancher einen LinkedIn-Beitrag, um "die Arbeitswelt ganz neu zu denken". Schwierige Abstimmung mit dem Partner? Daraus wird schnell ein Blogpost mit "Zehn Thesen..." zu gesellschaftlichen Grundsatzfragen. Solche abstrakten Diskussionen haben ihren intellektuellen Reiz und entlasten kurzfristig, bringen Sie aber persönlich nicht weiter. Wenn Sie etwas erreichen wollen, konzentrieren Sie sich auf pragmatische Lösungen. Was können Sie unter den jetzigen Umständen tun?

Positive Vision für Ihre Zukunft

Wenn Sie Ihre aktuelle Situation emotional sehr belastet, kreisen Ihre Gedanken immer wieder darum, was Sie nicht mehr wollen. Für die anfängliche Klärung ist diese Abgrenzung sinnvoll. Aber wenn es für Sie weitergehen soll, brauchen Sie eine positive Vision für Ihre Zukunft: Was wollen Sie stattdessen? Das fällt viel schwerer, als immer noch einmal das Unerwünschte zu erklären, es zu beklagen oder darüber zu schimpfen. Gehen Sie aber den nächsten Schritt: Beschreiben Sie Ihr Ziel in einem Text, wie z. B. Ihr idealer Arbeitsort und -tag aussehen würde, oder visualisieren Sie es in einer Collage ("Moodboard").

Auf viele kleine Erfolge vertrauen

Die meisten Medienprofis über Mitte 30 haben komplexe Leben voller Abhängigkeiten und Verpflichtungen, die Veränderungen erschweren. Man ist nicht mehr so frei wie damals als alleinstehender Berufsanfänger mit WG-Zimmer, der sofort packen kann. So sind große Befreiungsschläge - einfach alles hinwerfen und woanders neu anfangen - selten möglich und auch nicht erwünscht. Vertrauen Sie darauf, dass auch viele kleine Schritte Sie langsam Ihrem Ziel näherbringen, auch wenn es anfangs garnicht so scheint. Schon drei bis sechs Monate mit mehr Aktivitäten als bisher können Wesentliches verbessern.

Es ist nicht einfach, Enttäuschungen, Rückschläge und Verluste zu verarbeiten. Aber langfristig haben sie ihren Sinn und können dabei helfen, sich bewusster als bisher am Leben zu freuen und es besser zu verstehen. Mit dieser Einstellung kann man immer wieder neu anfangen, ohne das Vergangene zu bereuen - zum Jahreswechsel, aber sogar jeden Morgen wieder. Sich darauf freuen, was kommt, auch wenn es nicht immer nur leicht und angenehm sein wird. In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihr Interesse, wünsche ich Ihnen erholsame Feiertage und einen zuversichtlichen Jahreswechsel.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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