Eigenes Potenzial entfalten: Wie Medienprofis für sich das Beste erreichen

 

Den meisten ist anfangs der berufliche und finanzielle Aufstieg wichtig. Aber mit zunehmendem Lebensalter entwickelt jeder eigene Vorstellungen von Erfolg. Mediencoach Attila Albert sagt, wie Sie in unterschiedlichen Karrierephasen Ihr Potenzial erkennen und erschließen können.

Die PR-Managerin eines Medienhauses hatte beruflich einiges erreicht und war, jetzt Anfang 40, nicht unzufrieden mit ihrem Leben. Aber sie konnte sich unmöglich vorstellen, nun noch bis zur Rente so weiterzuarbeiten. Ihr Alltag war hektisch, gleichzeitig begannen die Themen sie zu langweilen. Oft kamen sie ihr sogar ziemlich sinnlos vor, jedenfalls nicht den täglichen Stress wert. In jungen Jahren war für sie klar gewesen, dass sie "ihr Potenzial entwickeln" sollte, was praktisch bedeutet hatte: Ständig viel Arbeit und Verzicht im Privatleben, dafür Beförderungen, mehr Geld, viele Reisen. Das hatte sie geschafft. Wie nun aber weiter?

Zu Beginn des Berufslebens heißt Erfolg für die meisten Medienprofis, für ihre Leistung anerkannt zu werden, aufzusteigen und mehr zu verdienen, um sich materielle Träume erfüllen zu können – von der Wohnung bis zum Urlaub. Mit zunehmendem Lebensalter (ab ca. Mitte 30) entwickelt jeder aber seine eigenen Vorstellungen: Erfolg bedeutet dann offener, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Sein Potenzial zu entfallen, kann nun – je nach Karrierephase und persönlichen Prioritäten – etwas ganz anderes beinhalten. Hier sieben typische Wege. Entscheiden Sie: Wo stehen Sie gerade und wohin zieht es Sie?

1. Entdecken, dass Sie immer Optionen haben

In einer schwierigen beruflichen Phase (z.B. ständige Überlastung, langwierige Konflikte) fühlen Sie sich beiseite gedrängt, ausgeliefert und erschöpft. Hier liegt Ihr Potenzial darin, Ihre Selbstwirksamkeit wiederzuentdecken: Dass Sie immer Möglichkeiten haben, selbst wenn Sie sie aktuell nicht sehen. Lassen Sie sich dazu von Menschen inspirieren, die mutiger, pragmatischer und zuversichtlicher als Sie sind, z.B. beim lokalen Stammtisch für Gründer oder auf Branchenevents wie dem European Publishing Congress. Probieren Sie mehr aus! Das gibt Ihnen neue Ideen und das Vertrauen, dass Sie sich mit Ihrer aktuellen Lage nicht abfinden müssen.

2. Mit Verbündeten und Freunden mehr erreichen

Sollten Sie sich gerade häufig über Kollegen, Vorgesetzte und Branchenkollegen ärgern und mit ihnen streiten, frustrieren Sie sich selbst und laugen sich aus. Ihr Potenzial liegt dann darin, die Kraft der Versöhnlichkeit für sich zu nutzen: Dass Sie langfristig erfolgreicher sind, wenn Sie sich Verbündete und Freunde schaffen. Das erreichen Sie, indem Sie es aufgeben, andere verändern zu wollen – und sich stattdessen bemühen, sie zu verstehen und anzunehmen, wie sie sind (z.B. mit einem Kommunikationstraining). Sie werden feststellen, dass man gar nicht einer Meinung sein muss, um gemeinsame Interessen zu finden und zusammen mehr zu erreichen.

3. Gezielte Risiken eingehen, um nicht zu stagnieren

Für langfristig Angestellte ist vieles vor allem berechenbare, aber auch monotone Routine. Bei ihren Arbeitgebern haben sie oft nur noch wenige Perspektiven, wagen aber auch keinen Wechsel. Ihr Potenzial liegt in mehr Entschlusskraft: Gezielte Risiken eingehen, um nicht noch mehr wertvolle Lebensjahre und Chancen zu vergeuden. Reduzieren Sie dafür die Ausweichmanöver, etwa das ständige eigene Vertrösten auf den nächsten Urlaub und ziellose Weiterbildungen. Überlegen Sie sich stattdessen, was noch ein Lebenstraum wäre, der Sie wirklich reizen würde. Ein aufregendes, lohnendes Ziel hilft Ihnen, mutiger und entschlossener als bisher zu werden.

4. Geben und Nehmen in eine Balance bringen

Insbesondere Eltern reiben sich ständig zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen (Partner, Kinder, ältere Angehörige) auf und haben oft das Gefühl, dass es nie genug ist. Ihr Potenzial liegt in mehr Selbstfürsorge: Darauf achten, dass sie im gleichen Maß Geben und Nehmen. Reservieren Sie sich dafür jede Woche einen Abend, der ganz Ihnen gehört. Um die Kinder kann sich der Partner auch mal allein kümmern (dafür bekommt er einen anderen Abend für sich), befreundete Eltern, eine Nachbarin oder Nanny. Die Hausarbeit darf dann auch liegenbleiben. Tun Sie ohne schlechtes Gewissen etwas nur für sich, verschieben Sie es nicht ewig auf später.

5. Erkunden, wie viel Freiheit Ihnen wichtig ist

Wer lange und erfolgreich in einer Führungsposition ist, fühlt sich oft von oben gebremst und kann vieles nicht wie erhofft umsetzen. In diesem Fall liegt Ihr Potenzial darin, Ihren Freiheitswillen auszuloten: Sie sind aus Ihrer bisherigen Rolle und Umgebung eventuell herausgewachsen, auch wenn Sie die Aufgabe noch reizt. Überlegen Sie in dem Fall, wie Sie zukünftig am liebsten arbeiten würden – neue Anstellung, in Teilzeit mit Freiraum für eigene Projekte, als Freiberufler oder nur noch auf Projektbasis mit dem aktuellen Arbeitgeber? Skizzieren Sie Ihre Wunschvorstellung mit einigen Stichpunkten und überlegen Sie, was für die Umsetzung notwendig wäre.

6. Entscheiden, was Ihr Leben sinnvoll macht

Schon aus praktischen Gründen (Lebensunterhalt, Verantwortung für andere) ist eine gewisse finanzielle Basis zwingend. Ist sie aber in einem Mindestmaß gesichert, liegt Ihr Potenzial in der Sinnsuche: Für sich zu entscheiden, was Sie beruflich und persönlich als sinnvoll empfinden. Die Welt ein bisschen besser machen, andere fördern, etwas für spätere Generationen hinterlassen – was und für welches Anliegen konkret? Auch wenn Sie viele Verpflichtungen haben: Widmen Sie 1-2 Stunden pro Woche diesem Thema (z.B. als Mentor oder Trainer, Ehrenamt im Verein, eigene Initiative). Damit finden Sie heraus, wo Sie etwas beitragen wollen, das Sie als sinnvoll empfinden.

7. Sich immer einen Neuanfang vorbehalten

Ab dem mittleren Lebensalter scheint vieles entschieden und der weitere Weg absehbar (z.B. noch ein Aufstieg im gleichen Bereich, dann Altersteilzeit und vorgezogene Rente). Ihr Potential liegt hier darin, sich immer auch einen kompletten Neuanfang vorzubehalten: Sich nie ganz vom Erreichten und Erwartbaren festhalten zu lassen. Sie können auch noch etwas ganz anderes machen, wenn Sie das wollen (z.B. Ihr eigenes Magazin oder Medienbüro gründen, die Branche wechseln, auswandern). Gerade, weil Sie heute erfahrener sind, finanziell besser dastehen und eventuell die Kinder bald aus dem Haus sind, dürfen Sie mutiger werden.

Um Ihr Potenzial zu entwickeln, müssen Sie also weder zwingend mehr arbeiten noch sofort die Stelle oder gleich den Arbeitgeber wechseln. Oft lassen sich intern bereits interessante neue Möglichkeiten aushandeln, wenn Sie einen pragmatischen Vorschlag machen, der Ihre Interessen mit denen des Arbeitgebers verbindet. Auch viele andere Hilfen vom Chef sind denkbar, vom Zuschuss für ein Coaching oder eine Weiterbildung bis zum Mentorenprogramm. So empfiehlt es sich zu ermitteln, was für Sie am jetzigen Ort noch denkbar wäre und zu welchem Zeitpunkt – um danach zu entscheiden, ob Ihnen das genügt oder Sie sich direkt mehr wünschen.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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