Warum es bei der SWMH rumort

 

Bei der Südwestdeutschen Medienholding (SZ, Stuttgarter Zeitung, Südwest Presse, Rheinpfalz) gab es im Sommer ziemlichen Zoff im Gesellschafterkreis. Welche Verleger sich stritten (auf dem Foto ist einer davon) und warum die Nervosität unter den Kollegen bis heute anhält. Aus der kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen".

Auszug aus der aktuellen kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen" - das Heft jetzt bestellen:

Was läuft bei der SWMH hinter den Kulissen?

Auch Quellen, die sonst Einblicke in das verschwiegene Innenleben der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) geben, halten sich derzeit merkwürdig bedeckt.

Was dennoch durchdringt: Es gab im Sommer ziemlichen Zoff im Gesellschafterkreis. Eine kuriose Episode, die verschiedene Quellen im Umfeld der SWMH schildern: Die Verleger Florian Ebner (Südwest Presse) und Valdo Lehari jr. (Reutlinger General-Anzeiger Verlag) sind wegen eines Streits im Anzeigenblattgeschäft aneinander geraten. Beide mochten sich auf "kress"-Anfrage nicht äußern und zählen eigentlich zur Gruppe Württembergischer Verleger, die als Gegengewicht zur Medien Union von Thomas Schaub fein austarierte 47,54 Prozent an der SWMH halten.

Der Streit von Ebner und Lehari vermag die Nervosität unter den Kollegen nicht erklären. Möglicherweise, so möchten wir an dieser Stelle mal spekulieren, geht es hinter den Kulissen darum, das komplizierte Konstrukt der SWMH zu befrieden.

Die Gruppe hat wirtschaftlich Potenzial, wenn sie wirklich als Einheit agiert. Von Ludwigshafen ("Rheinpfalz)" über Stuttgart ("Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten") bis Ulm ("Südwest Presse") und München ("Süddeutsche Zeitung") bearbeitet sie den wirtschaftsstärksten Raum des Landes. Synergien werden dabei bisher nur in homöopathischen Dosen gezogen. In der Zukunft kann man sich das nicht mehr leisten. Bei Redaktion, Vermarktung, Druck und Verwaltung kostet das Klein-Klein viel Geld, das man besser in die Transformation stecken könnte.

Insgesamt hat die SWMH 46 Gesellschafter, 31 davon halten weniger als ein Prozent. Nahezu alle kleinen Gesellschafter haben seit Jahren keine Dividenden gesehen, weil noch immer die Schulden aus dem Kauf der SZ die Ergebnisse belasten. Ende 2020 bilanzierte der Konzern Nettofinanzverbindlichkeiten von 163,2 Millionen Euro. Nur einige wenige Gesellschafter verfügen über Garantieausschüttungen.

Mit anderen Worten: Viele Gesellschafter halten seit Jahren eine Beteiligung, die kein Geld bringt, aber jedes Jahr wegen der Strukturprobleme an Wert verliert. Das wiederum könnte den Großen wie Schaub und Ebner in die Hände spielen, wenn sie sich die Mehrheit eines Tages sichern wollen.

[...] kress pro-Chefredakteur befasst sich in seiner aktuellen Kolumne auch mit diesen Fragen: Kann sich die SZ wirklich allein aus dem Lesermarkt finanzieren? Wie viel musste Springer zahlen, um den Prozess in den USA zu verhindern? Warum verlässt die Funke Mediengruppe den BDZV? Jetzt im aktuellen kress pro lesen.

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