Sich neu erfinden: So schaffen Medienprofis den persönlichen Neuanfang

 

Nur, wer sich regelmäßig verändert, bleibt erfolgreich. Doch jeder Wechsel ist mit Ängsten, Risiken und Unbequemlichkeiten verbunden. Davon sollten Sie sich jedoch nicht aufhalten lassen. Mediencoach Attila Albert sagt, wie Sie beruflich oder privat immer wieder ein neues Kapitel aufschlagen.

Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Produktmanager, der mit Ende 30 bei einem großen Medienhaus gekündigt hatte. Nun arbeitete er in einer ähnlichen Tätigkeit in einer anderen Branche. Daneben widmete er sich eigenen Kunden. "Wenn ich daran denke, wie viel Zeit ich früher mit Meetings, Präsentationen und E-Mails verloren habe, um meine Ideen zu rechtfertigen und Widerstände zu überwinden", sagte er. "Heute mache ich es einfach und schaue, was funktioniert." Lange hatte er zuvor überlegt, aber den Schritt nie bereut.

Wer sein berufliches oder persönliches Leben verändern will, tut das selten leichtfertig. So viel ist dabei zu bedenken, zu entscheiden und zu erledigen - beim Wechsel in eine neue Festanstellung, mehr noch in die Selbstständigkeit. Bei manchem Medienprofi führt das zu Stagnation aus Angst, einen Fehler zu begehen, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Doch wer sich deswegen ewig ans Bestehenden klammert, stagniert und wird langfristig schlechter. Es ist daher besser, sich regelmäßig sozusagen neu zu erfinden.

Aktuelle Situation und Ziele klären

Gemeint ist damit, immer wieder einmal innehalten und für sich zu klären: Wie geht es mir? Bin ich da, wo ich sein will, und wo könnte es als Nächstes hingehen? Manchmal folgt auf solch eine Überlegung eine große Veränderung, etwa der Wechsel des Wohn- oder Arbeitsortes. Andermal nur ein feines Nachjustieren, etwas das Verschieben der eigenen  redaktionellen Themen - oder ein verlagerter Fokus innerhalb der aktuellen Stelle, etwa von der reinen Desk-Tätigkeit zurück zu mehr eigenem Recherchieren und Schreiben.

Nicht selten geht der persönliche Kurswechsel oder gar Neuanfang sogar mit einer äußerlichen Veränderung einher. Wer bisher ein Jungredakteur war, aber in Personal- und Budgetverantwortung aufsteigen will, wird sich gesetzter benehmen und kleiden wollen. Wer mehr Kreativität und Dynamik ausstrahlen will, wird sich jünger und trendbewusster zeigen. Dabei handelt es sich im besten Fall nicht um Verkleidungen, die immer aufgesetzt und unauthentisch wirken, sondern um den äußeren Ausdruck eines inneren Wandels.

Klare Anzeichen, dass ein Wechsel fällig ist

Wann wird es Zeit, sich neu zu erfinden? Ein untrügliches Zeichen ist, dass Sie sich ständig von anderen oder sich selbst genervt fühlen. Sie also feststellen, dass Sie sich häufig ärgern, über etwas klagen, schimpfen und kritisieren. Im Normalfall gibt man zuerst anderen die Schuld dafür, etwa dem Chef, den Kollegen oder dem Arbeitgeber generell. Irgendwann - und hoffentlich nicht erst nach Jahren voller ungenutzter Chancen - kommt schließlich die Einsicht, dass man sich wohl selbst verändern müsste.

(Wenn Vorgesetzte oder Kollegen Sie nerven: Darüber habe ich kürzlich im Podcast des Harvard Business Managers mit Chefredakteurin Antonia Götsch gesprochen.)

Widerstehen Sie der Versuchung, einer überfälligen Entscheidung mitsamt ihren Konsequenzen ewig auszuweichen, etwa durch ständige Urlaube, Sabbaticals oder Weiterbildungen. Sie riskieren anfangs noch gar nichts, sondern sollten nur einmal genau durchdenken, was Sie sich wünschen und was es dafür bräuchte. Ihre Ängste werden schon dadurch kleiner, weil Sie sehen, dass schrittweise doch vieles möglich ist. Und Sie entwickeln ein Ziel, für das Sie die Risiken einer Veränderung tatsächlich eingehen würden.

Gehen Sie gedanklich einmal alle Lebensbereiche durch: Wie passt schon gut, was soll anders werden? Wollen Sie beruflich mehr erreichen und stärker anerkannt werden? Mehr verdienen? Wünschen Sie sich mehr Zeit für Beziehung, Familie und Freunde - oder für sich selbst, für Sport und Hobbys? Wollen Sie etwas tun, was sich sinnvoller anfühlt, oder mehr Lebensfreude und Spaß haben? Erlaubt sind alle diese Ziele, Sie entscheiden über Ihre Prioritäten. Bei Interesse sende ich Ihnen dazu gern ein Arbeitsblatt zur Selbstreflexion.

Für Freiberufler gelten grundsätzlich die gleichen Überlegungen. Doch häufiger zwingt sie ein verändertes Marktumfeld - geringere Redaktionsbudgets und damit Umsätze - zum Kurswechsel. Wer noch dem klassischen Geschäftsmodell des freien Journalisten folgt, stellt heute inzwischen oft fest, dass er kaum auf 2500 Euro Monatsumsatz kommt. Angesichts der ständig steigenden Lebenshaltungskosten (Inflation) bedeutet das eine fortlaufende Verschlechterung. Sich neu zu erfinden, ist dann lebensnotwendig. Aber auch hier ist im Vorteil, wer die Veränderung freiwillig und früh sucht (z. B. neue Kunden).

Nicht vom Lebensalter abhalten lassen

Niemals zurückhalten lassen sollten Sie sich vom eigenen Lebensalter, dass Sie schon lange dasselbe gemacht haben (z. B. seit mehr als zehn Jahren in der gleichen Position arbeiten) oder die äußeren Umstände nicht perfekt sind. All diese Herausforderungen sind häufig und lassen sich angehen. Wer nicht mehr ganz jung oder schon lange im selben Job ist, sollte sich vor allem darauf konzentrieren, nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Und die Umstände sind nie ideal, darauf sollten Sie gar nicht erst hoffen und warten.

Gelegentlich hört man die Überzeugung, dass es feste Rhythmen für jeweils neue Lebenskapitel gäbe, etwa alle sieben oder zehn Jahre. Man kann biografische Ereignisse natürlich immer so deuten, dass sie in ein Muster zu passen scheinen und davon sogar motiviert werden (z. B. etwas angehen, weil man nun 30, 40 oder 50 Jahre alt ist). Aber im Grunde braucht es das nicht. Unzufriedenheit ist ein wichtiger Grund, etwas zu verändern. Da muss man nicht erst auf den nächsten runden Geburtstag warten oder bis es gar nicht mehr anders geht.

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