Das Bekenntnis des Burda-Chefs: Hochwertiger Journalismus bleibt wirtschaftlich interessant

05.05.2023
 

Burda-Vorstand Philipp Welte hatte sich unlängst in einem Zeit-Interview zum publizistischen Geschäft bekannt. Man brauche dafür aber Resilienz und Nervenstärke - ein Seitenhieb auf RTL & G+J. Burda-CEO Martin Weiss hat nun bei der Vorlage der Geschäftszahlen 2022 das Vertrauen in Journalismus bekräftigt.

Hubert Burda Media geht von einem weitgehend stabilen Umsatz in diesem Jahr aus. Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg, gestiegene Energie- und Produktionskosten und die Inflation verzeichnete das Medienhaus zugleich ein "zufriedenstellendes" Geschäftsjahr 2022.

Der Gesamtumsatz mit weltweit 10 500 Beschäftigten lag bei rund 2,92 Milliarden Euro und damit etwa auf Vorjahresniveau (2,94 Mrd Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in München und Offenburg mitteilte. Zahlen zum Gewinn und Betriebsergebnis wurden nicht genannt.

Vorstandschef Martin Weiss (CEO) sagte der dpa: "Wir haben 2022 mit über 258 Millionen Euro signifikant investiert. Unser Fokus liegt auf digitalen Geschäftsmodellen, die im Zusammenspiel mit unseren Marken im Digital- und Printbereich ein großes Wachstumspotenzial bieten." Nur mit Unternehmertum, Fokus auf Innovation und Technologieoffenheit werde man einen Unterschied machen können. Investitionen gab es demnach mit Fokus auf die Kernmärkte Deutschland, Großbritannien und Polen. Im Venture Capital Geschäft investiert das Unternehmen weltweit mit Schwerpunkt Europa und Südostasien.

Den Rückgang bei den traditionellen Medien - Burda hat bekannte Marken "Focus" und "Bunte" im Portfolio - kompensiere man durch Innovation und neue Geschäftsmodelle. Zuletzt war bekannt geworden, dass das Medienhaus sieben kleine Zeitschriftentitel (darunter "Lisa Romance" und "Mein schönes Landhaus") vom Markt nimmt, weil diese nicht mehr wirtschaftlich seien. Der Burda-Verlag gibt mehr als 150 regelmäßig erscheinende Zeitschriften sowie zahlreiche Sondertitel heraus.

Weiss betonte: "Wir sind bei Burda fest davon überzeugt, dass hochwertiger Journalismus für die Gesellschaft unersetzlich ist und als exzellent betriebenes Geschäftsmodell wirtschaftlich interessant bleibt. Um unsere Magazinmarken werden wir auch weiter neue Geschäfte aufbauen."

Burda-Vorstand Philipp Welte hatte sich jüngst kritisch zum Aus für 23 Zeitschriften von RTL Deutschland geäußert. "Magazine einstellen zu müssen ist Teil unseres Geschäftes. Aber das ist ein Kahlschlag, den es so noch nie gegeben hat", sagte Welte damals der Wochenzeitung Die Zeit. "Ein wichtiger Teil des publizistischen Angebots in Deutschland wird verschwinden. Das schmerzt." Viele der betroffenen Zeitschriften, die ehemals zu Gruner + Jahr gehörten, waren Konkurrenten von Burda-Titeln. "Das fühlt sich an, als würde man für ein Fußballspiel ins Stadion einlaufen, aber die gegnerische Mannschaft verlässt die Arena gerade durch die Hintertür", so Welte. "Jetzt ist da plötzlich niemand mehr." Der Medienmanager, der zugleich Chef des Medienverbands der freien Presse ist, warnte und appellierte zugleich: "Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass nicht die ganze Branche in dieser morbiden Finsternis verschwindet, die Gruner umgibt."

Hintergrund: Hubert Burda Media wurde 2022 in drei operative Unternehmensbereiche neu untergliedert: Die Medien- und Verlagsgeschäfte sind bei Consumer Media gebündelt - mit 1,1 Milliarden Euro verzeichnete dieser Bereich einen leicht rückläufigen Umsatz (minus 3 Prozent). Einen in Summe höheren Umsatz erzielte der Bereich Commerce - dazu zählt E-Commerce und der Bereich Reisen - mit rund 1,2 Milliarden Euro, der zugleich ebenfalls leicht zurückging. Ein Plus von 8 Prozent gab es im dritten Bereich B2B Media und Services, der auf 536 Millionen Euro kam. Zu diesem Teil gehört auch die Mehrheitsbeteiligung an der Firma New Work SE, die auch die Karriere-Plattform Xing betreibt.

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