Beim Kurierverlag in Neubrandenburg haben sich Gewerkschaften und Geschäftsführung nicht geeinigt.

 

Keine Einigung in Tarifkonflikt: Steife Brise beim "Nordkurier" Die Geschäftsführung des Kurierverlags ("Nordkurier") in Neubrandenburg hat sich am Dienstag nicht mit DJV und verdi in Tariffragen einigen können. Kurierverlags-Chef Lutz Schumacher (Foto), 40, wirft den Gewerkschaften nun in einer Pressemitteilung vor, es gehe ihnen "nicht um unsere Mitarbeiter, sondern um ihren politischen Einfluss insgesamt". Strittig sind zwischen den Parteien vor allem der Umfang der Tarifbindung und die Reichweite von Garantien zur Beschäftigungssicherung. Die nächste Gesprächsrunde ist für den 18. März vorgesehen - bis dahin wird in Neubrandenburg eine steife Brise wehen: verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Pfeifer nannte Schumachers Vorwürfe in einer Replik "geradezu grotesk".

Keine Einigung in Tarifkonflikt:

 

Steife Brise beim "Nordkurier"

Die Geschäftsführung des Kurierverlags ("Nordkurier") in Neubrandenburg hat sich am Dienstag nicht mit DJV und verdi in Tariffragen einigen können. Kurierverlags-Chef Lutz Schumacher (Foto), 40, wirft den Gewerkschaften nun in einer Pressemitteilung vor, es gehe ihnen "nicht um unsere Mitarbeiter, sondern um ihren politischen Einfluss insgesamt". Strittig sind zwischen den Parteien vor allem der Umfang der Tarifbindung und die Reichweite von Garantien zur Beschäftigungssicherung. Die nächste Gesprächsrunde ist für den 18. März vorgesehen - bis dahin wird in Neubrandenburg eine steife Brise wehen. verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Pfeifer nannte Schumachers Vorwürfe in einer Replik "geradezu grotesk".

 

Der Hintergund des Konflikts: Der Kurierverlag war im Mai 2007 in die so genannte OT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung) des Arbeitgeberverbandes gewechselt und hatte zum Januar 2008 zahlreiche Mitarbeiter in neue Regionalgesellschaften übergeleitet (kress.de vom 8. November 2007). Die Gewerkschaften fordern nun u.a., dass weiterhin für alle Beschäftigten eine Tarifbindung gilt. Außerdem wollen sie Beschäftigungsgarantien vor allem für die Druckereimitarbeiter sowie eine einheitliche betriebliche Interessenvertretung. Mit Warnstreiks verliehen DJV und verdi im vergangenen Jahr ihren Forderungen Nachdruck (kress.de vom 29. Oktober 2007).

 

Die Geschäftsführung des Kurierverlags hat den Arbeitnehmervertretern am 12. Februar ein differenziertes Angebot gemacht: Für die Verlagsangestellten des Kurierverlags sei ein Haustarif vorgesehen, so Schumacher, "der den tariflichen Status Quo zum Zeitpunkt des Wechsels in die OT-Mitgliedschaft (...) verbindlich festschreibt". Für die Redakteure solle "das bestehende Tarifrecht weitergelten". Der Verlag müsse aber "die Möglichkeit behalten, neue Mitarbeiter zu anderen Konditionen anzustellen". Ansonsten sei der Einsatz von Leiharbeitern "unausweichlich". Für die Mitarbeiter der Technik machte die Geschäftsführung das Angebot einer via Betriebsvereinbarung festgeschriebenen dreijährigen Beschäftigungsgarantie. Als Gegenleistung sollen diese Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Eine solche "Teillösung" komme für seine Gewerkschaft aber nicht in Frage, sagte verdi-Funktionär Michael Pfeifer auf kress-Anfrage zu den Vorschlägen. "Das 'Angebot' der Geschäftsführung läuft offensichtlich nur darauf hinaus, Keile in die Belegschaft sowie zwischen sie und die Gewerkschaften zu treiben", mutmaßt er.

 

Schumacher beschreibt in seiner Pressemitteilung die Situation des Kurierverlags recht drastisch: Er befinde sich in einer "historisch kritischen Situation". Seit 2003 seien 10% der Auflage und 9% des Anzeigenvolumens verloren gegangen. Er hoffe aber "weiterhin auf Einigung am 18. März". Der Zeitungsmanager war erst im November 2007 nach Neubrandenburg gekommen. Seine Ankunft hat die Mitarbeiter in Unruhe versetzt, weil er als Geschäftsführer der "Münsterschen Zeitung" im Januar 2007 die gesamte Lokalredaktion vor die Tür gesetzt hatte (kress.de vom 22. Januar 2007).

 

Die Kurierverlags GmbH und Co. KG ist in Neubrandenburg Herausgeber von "Nordkurier", "Uckermark Kurier", "Usedom Kurier" und "Anzeigenkurier". Das Flaggschiff "Nordkurier" erzielte zuletzt eine Auflage von 95.841 verkauften Exemplaren (IVW 4/2007). Die gesamte Unternehmensgruppe hat rund 2.200 Mitarbeiter. Gesellschafter sind die Verlage Augsburger Allgemeine, Kieler Nachrichten und Schwäbische Zeitung.

Henning Kornfeld

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