Deutsche Post plant Anzeigenblätter

 

Angriff auf Verlage: Post plant Presse-Offensive - Klaus Madzia hilft dabei Die Deutsche Post will im großen Stil in den Markt für überregionale Anzeigenblätter einsteigen. Geplant sei zunächst ein Wochenblatt in Millionenauflage, das über die Themen Internet, Telekommunikation und Computer berichten werde, sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes der "FTD" (Donnerstagsausgabe). Der Konzernvorstand wolle in den kommenden Wochen über dieses Projekt entscheiden. Nach kress-Infos ist Klaus Madzia (Foto) mit seiner Berliner Aktuell Medien Redaktionsgesellschaft bei diesem Projekt Dienstleister der Post. Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verlegerverbands VDZ, sieht in den Post-Plänen einen Angriff auf die Zeitschriftenbranche und hat den gelben Riesen hart kritisiert: "Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein staatlich mitbeherrschtes Logistikunternehmen mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen im Pressevertrieb die Bedingungen für eine vielfältige und wettbewerbsfähige Zeitschriftenpresse untergräbt."

Angriff auf Verlage:

Post plant Presse-Offensive -
Klaus Madzia hilft dabei

Die Deutsche Post will im großen Stil in den Markt für überregionale Anzeigenblätter einsteigen. Geplant sei zunächst ein Wochenblatt in Millionenauflage, das über die Themen Internet, Telekommunikation und Computer berichten werde, sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes der "FTD" (Donnerstagsausgabe). Der Konzernvorstand wolle in den kommenden Wochen über dieses Projekt entscheiden.

 

Nach kress-Infos ist Klaus Madzia (Foto) mit seiner Berliner Aktuell Medien Redaktionsgesellschaft bei diesem Projekt Dienstleister der Post. Madzia, ehemals Chefredakteur von "Business News" (Verlagsgruppe Handelsblatt), wollte sich auf Anfrage zu dem konkreten Projekt nicht äußern. Er sagte kress nur so viel: "Die Post ist unser Kunde. Wir entwicklen für sie das eine oder andere."

 

Der gelbe Riese will mithilfe des Anzeigenblatt-Vorhabens sein zentrales Geschäft im Heimatmarkt zumindest stabilisieren. Der renditestarke Briefdienst schrumpft, zudem geraten hier die Preise und damit die Gewinne wegen der zunehmenden Konkurrenz unter Druck. Außerdem muss die Post dafür sorgen, dass ihr engmaschiges und deshalb teures Briefverteil- und Zustellnetz maximal ausgelastet wird. Gerdes und sein Team arbeiten deshalb an vielen neuen Projekten, die auch über das klassische Kerngeschäft hinausweisen. "Es wird da nicht die eine Megaidee geben, die uns sogleich 1 Mrd Euro neuen Umsatz bringt", stellte er gegenüber der "FTD" fest.

 

"Einkauf Aktuell" hat Pilotcharakter

 

Die Post-Publikationen könnten jedoch im Erfolgsfall für jährlich dreistellige Millionenumsätze stehen. So werde der Konzern in diesem Jahr mit seiner kostenlosen Beilagenpostille "Einkauf Aktuell", die in einer wöchentlichen Auflage von bis zu 17 Mio Exemplaren erscheint, Erlöse von gut 100 Mio Euro erzielen, sagte Gerdes. "Einkauf Aktuell" habe Pilotcharakter, so der Vorstand. Dabei will sich der Konzern nicht nur auf eine Wochenpublikation für Computer und Internet beschränken, die laut Gerdes anders als "Einkauf Aktuell" auch aus redaktionellen Beiträgen bestehen soll. "Es gibt zahlreiche Felder, die attraktiv für uns sind", sagte er. "Auf den Automobilsektor haben wir intensiv ein Auge geworfen", so Gerdes zur "FTD". Zudem könnten Branchen, denen etwa im Fernsehen ein Werbeverbot droht, attraktiv für weitere Postillen der Deutschen Post sein. Als Beispiel nannte er die Bier- und Alkoholindustrie: "Die Unternehmen wollen ja weiterhin ihre Zielgruppen mit Werbung erreichen." Die Briefzusteller der Post hätten schließlich Zugang zu jedem Haushalt in Deutschland.

 

Kooperation statt Konfrontation mit Verlegern

 

Die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wolle man mit diesen Projekten nicht angreifen, versicherte der Post-Vorstand. Sein Unternehmen suche vielmehr die enge Zusammenarbeit mit den Verlegern, etwa beim Druck der in millionenfacher Auflage erscheinenden Publikationen oder beim Zukauf von redaktionellen Inhalten. "Schließlich sind wir keine Verleger und wollen es auch keinesfalls werden", so Gerdes. Der Manager will Werbungtreibenden eine Alternative bieten, die mit steigenden Anteilen ihrer Budgets ins Internet abwandern. Auch hier stößt er auf die Konkurrenz von Verlagen, die mit ihren Online-Angeboten Werbeerlöse erzielen wollen. Die Post leidet zunehmend unter dem Internet, weil statt Briefen E-Mails versendet und Rechnungen immer häufiger elektronisch verschickt werden: "Hier werden wir eine Antwort finden müssen." Gerdes kann sich vorstellen, auch bei der Zustellung der neuen Zeitschriften sowie der unadressierten Werbung enger mit den Verlagen zusammenzuarbeiten. So läuft derzeit ein Pilotprojekt mit der WAZ-Gruppe, die dafür ihre nicht mit dem Postmindestlohn bezahlten Zeitungszusteller einsetzt.

 

Der VDZ hat unterdessen harten Widerstand gegen die Post-Pläne angekündigt: Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verlegerverbands, sieht in dem Vorhaben auch einen Angriff auf die Zeitschriftenbranche - und reitet zur Gegenattacke: "Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein staatlich mitbeherrschtes Logistikunternehmen mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen im Pressevertrieb die Bedingungen für eine vielfältige und wettbewerbsfähige Zeitschriftenpresse untergräbt." Nach Ansicht des Verbands droht im Leser- wie im Anzeigenmarkt "eine gefährliche Schieflage", sollte sich die Deutsche Post als Zeitschriftenverleger etablieren. Ein derartiges Vorhaben, "das sich eine vertriebliche Quersubventionierung über die Briefzustellung zunutze machen kann", sei zudem kartellrechtlich bedenklich. Wegen der "staatlichen Mitbeherrschung sei darüber hinaus das verfassungsrechtliche Verbot der Staatsfreiheit der Presse verletzt", so der Verlegerverband in einer Mitteilung.

Die Zeitschriftenverleger seien "entschlossen, mit allen politischen, wirtschaftlichen und juristischen Mitteln gegen diese Pläne vorzugehen".

Eckhard Müller/hk

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