Immer schlimmer: Telekom bespitzelte schon im Jahr 2000 Journalisten.

 

Telekom-Spitzelaffäre: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft In der Affäre um die Bespitzelung von Führungskräften und Journalisten durch die Deutsche Telekom hat die Staatsanwaltschaft in Bonn ein Ermittlungsverfahren eröffnet und am Donnerstag die Telekom-Zentrale in Bonn durchsucht. Auch Büros von T-Mobile und eines Berliner Unternehmens waren betroffen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richten sich die Ermittlungen gegen acht Personen. Unter ihnen sind mit Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel die ehemaligen Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der frühere Leiter der Abteilung Konzernsicherheit, Harald Steininger. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe 2005 und 2006 in mehreren Fällen vertrauliche Daten über Telefonverbindungen zwischen Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet.

Telekom-Spitzelaffäre:

 

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

Logo TelekomIn der Affäre um die Bespitzelung von Führungskräften und Journalisten durch die Deutsche Telekom hat die Staatsanwaltschaft in Bonn ein Ermittlungsverfahren eröffnet und am Donnerstag die Telekom-Zentrale in Bonn durchsucht. Auch Büros von T-Mobile und eines Berliner Unternehmens waren betroffen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richten sich die Ermittlungen gegen acht Personen. Unter ihnen sind mit Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel die ehemaligen Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der frühere Leiter der Abteilung Konzernsicherheit, Harald Steininger. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe 2005 und 2006 in mehreren Fällen vertrauliche Daten über Telefonverbindungen zwischen Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet.  

 

Zwischenzeitlich war bekannt geworden, dass die Telekom schon im Jahr 2000 Spitzelaufträge erteilt hat, um Informanten aus dem Konzern und missliebige Journalisten zu identifizieren. Die Methoden gingen dabei nach Informationen von "Capital" und der "FTD" weit über das für die Jahre 2005 und 2006 bekannte Auswerten von Telefonverbindungen hinaus. Laut der "FTD" (Donnerstagsausgabe) suchte die von Ex-Geheimdienstlern gegründete Berliner Wirtschaftsdetektei Desa als Subunternehmen für die Telekom nach einem Leck. Im Visier der privaten Fahnder stand demnach vor allem der damalige "FTD"-Chefreporter Tasso Enzweiler, der zu dieser Zeit oft exklusive Geschichten über die Telekom veröffentlichte. Über ihn habe die Telekom gehofft, ihre undichten Stellen zu finden. Die privaten Fahnder hätten sogar versucht, mit versteckter Kamera Hinweise auf Enzweilers Kontaktperson in seinen Redaktionsräumen in Köln zu finden.

 

Die Informationen würden nahe legen, dass der ehemalige Monopolist jahrelang ein Spitzelsystem gegen Journalisten und Spitzenkräfte unterhalten hat. Am vergangenen Wochenende hatte die Telekom lediglich eingeräumt, dass der Konzern in den Jahren 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten missbräuchlich benutzt hat. Dies könnte einen Bruch des Fernmeldegeheimnisses bedeuten. Ziel auch dieser zweiten Operation war herauszufinden, wann und wie lange Aufsichtsräte und Telekom-Manager mit Journalisten telefoniert haben. Im Mittelpunkt stand "Capital"-Journalist Reinhard Kowalewsky. Durch die Aktion habe der Konzern dem damaligen Aufsichtsrat Wilhelm Wegner Telefongespräche mit Kowalewsky nachgewiesen.

 

Der Verlag Gruner + Jahr, zu der "Capital" und die "FTD" gehören, sowie die "Capital"-Chefredaktion teilten am Mittwoch mit, sich straf- und zivilrechtliche Schritte vorzubehalten. Den Spitzelauftrag 2000 vergab Harald Steininger, der später zum Leiter der Telekom-Konzernsicherheit aufstieg. Unklar ist aber laut "FTD", in wessen Auftrag er handelte. Vorstandschef war damals Ron Sommer. Steininger wählte nach "FTD"-Informationen die Berliner Control Risks Group (CRG) als Partner. In einem CRG-Papier, das den Redaktionen von "FTD" und "Capital" vorliegt, wird beschrieben, wie verdächtige Personen überführt werden sollen. Danach wurde eine Liste mit 80 Namen erstellt - darunter Aufsichtsratsmitglieder, Berater, Anwälte, Vorstände, Sekretärinnen, Chauffeure. Dennoch fand die CRG den Informanten des damaligen FTD-Chefreporters Enzweiler nicht. Daraufhin beauftragte der Dienstleister einen Subunternehmer, die Desa Investigation & Risk Protection, ebenfalls aus Berlin. Desa habe Enzweiler in Köln obeserviert und unter einem Vorwand hätten zwei Mitarbeiter sogar die Redaktionsräume besucht. Mit einer versteckten Kamera wollten sie laut "FTD" Unterlagen finden, die den Kontakt des Journalisten zu Telekom-Mitarbeitern dokumentierten. Dazu hätten sie versucht, Enzweiler aus dem Büro zu locken. Der Versuch sei aber misslungen. Desa-Chef Frank Hendrik J. wollte sich zu dem Fall aus dem Jahr 2000 nicht äußern. Er könne sich an diesen konkreten Vorgang nicht erinnern. Auch der Einsatz von Desa brachte der Telekom jedoch nicht die erhofften Informationen. Ex-"FTD"-Chefreporter Enzweiler ist inzwischen einer der Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Hering Schuppener.

Eckhard Müller

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.