Paukenschlag bei ProSiebenSat.1: De Posch geht, Bartl rückt in den Vorstand.

17.06.2008
 

Paukenschlag bei ProSiebenSat.1: De Posch geht, Bartl rückt in den Vorstand Guillaume de Posch (Foto links), Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG, wird das Unternehmen zum 31. Dezember 2008 verlassen. Auf eigenen Wunsch - wie es bei ProSiebenSat.1 heißt. Darauf hätten sich der Aufsichtsrat und der Vorstandsvorsitzende einvernehmlich verständigt. Guillaume de Posch ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG. Zudem rückt Andreas Bartl, seit Mai Managing Director der ProSiebenSat.1- Tochtergesellschaft German Free-TV Holding GmbH, mit sofortiger Wirkung in den ProSiebenSat.1-Vorstand. Sein Geschäftsbereich wird German Free-TV sein. Ein Nachfolger für de Posch wird gesucht.

Paukenschlag bei ProSiebenSat.1:

 

De Posch geht, Bartl rückt in den Vorstand

Guillaume de Posch (Foto links), Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG, wird das Unternehmen zum 31. Dezember 2008 verlassen. Auf eigenen Wunsch - wie es bei ProSiebenSat.1 heißt. Darauf hätten sich der Aufsichtsrat und der Vorstandsvorsitzende einvernehmlich verständigt. Guillaume de Posch ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG. Zudem rückt Andreas Bartl, seit Mai Managing Director der ProSiebenSat.1- Tochtergesellschaft German Free-TV Holding GmbH, mit sofortiger Wirkung in den ProSiebenSat.1-Vorstand. Sein Geschäftsbereich wird German Free-TV sein.

 

Genaue Angaben zu seinem Ausscheiden machte de Posch nicht. "Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine neue Herausforderung zu suchen", sagte er lediglich. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. "Wir werden nun eine fokussierte Suche nach einem Nachfolger einleiten", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Götz Mäuser.  Im Umfeld des Konzerns hieß es, die Suche im In- und Ausland werde sicher einige Monate in Anspruch nehmen. Ein Sprecher ergänzte gegenüber dpa auf Anfrage, die lange Übergangsphase bis zum Ausscheiden de Poschs sei bewusst gewählt worden: "Es ist Guillaume de Posch ganz wichtig, dass wir einen guten Übergang haben." Mit möglichen Unstimmigkeiten zwischen de Posch und den Mehrheitseigentümern KKR und Permira habe sein Ausscheiden nichts zu tun.

 

Hintergrund: Der TV-Konzern steckt mitten in einer Phase des Umbruchs. Seit der Übernahme des TV-Konzerns SBS im vergangenen Jahr hat ProSiebenSat.1 einen Schuldenberg von rund 3,5 Mrd Euro angehäuft. Im ersten Quartal lief das Geschäft zudem nicht rund. Wegen sinkender Werbeeinnahmen und schwächerer Quoten im deutschen Markt war das operative Ergebnis um ein Viertel eingebrochen. Auch der Umsatz ging zurück. Das Unternehmen macht die Umstellung des Vermarktungsmodells dafür verantwortlich. Bei ProSiebenSat.1 war kürzlich schon der langjährige Finanzchef Lothar Lanz ausgeschieden. Gegen Vorstandsmitglied Peter Christmann ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der früheren Abrechnungspraxis bei der Vermarktung von TV-Werbung. Der Konzern hatte für Verfehlungen ein Bußgeld von 120 Mio Euro akzeptiert. Christmann wird das Unternehmen ebenfalls verlassen.

 

Michael Bohn, CEO und Chairman der Agentur ZenithOptimedia, "begrüßt die Entscheidung", dass mit Andreas Bartl "ein Mann der Inhalte" in den Vorstand von ProSiebenSat.1 einzieht: "Eine stärkere Konzentration auf die Programminhalte könnte die in letzter Zeit positive Entwicklung der Marktanteile weiter beflügeln", so Bohn. Sein Kollege Michael Enzenauer, CEO Optimedia, hält eine "gewisse Stabilität und konzentriertere Arbeit an der Programmqualität gerade angesichts der letzten positiven Entwicklungen für notwendig". Dies könnte dabei helfen, "die Unsicherheiten der Vergangenheit im Hinblick auf das Preis-Leistungsverhältnis" aus dem Weg zu räumen.

 

Andreas Bartl arbeitet seit 1991 für die ProSiebenSat.1 Group. 1995 übernahm er die Leitung der Spielfilmredaktion von ProSieben. 1996 wurde er Bereichsleiter Programmplanung und 1997 stellvertretender Programmdirektor des Senders. Von 2000 bis 2005 leitete er als Geschäftsführer den Schwestersender kabel eins. Unter Bartls Führung entstanden beim Sender ProSieben unter anderem Formate wie "Germany's Next Topmodel" oder "Schlag den Raab".

 

Guillaume de Posch studierte zwischen 1978 und 1982 Betriebswirtschaft an der Ecole de Commerce Solvay in Brüssel. Er begann seine berufliche Laufbahn 1984 beim internationalen Energie- und Dienstleistungskonzern Tractebel S.A., für dessen Engineering Division er zuletzt als Vice President Far East in Hongkong arbeitete. 1990 wechselte er zu McKinsey & Company in Belgien, ehe er 1993 zur RTL-Group-Vorläuferin CLT nach Luxemburg kam. Er arbeitete zunächst als Assistent der Geschäftsführung und übernahm dann die Verantwortung für die TV-Aktivitäten der CLT in den französischsprachigen Ländern. Von 1997 an war er stellvertretender Geschäftsführer und Pogrammverantwortlicher des Pay-TV-Unternehmens TPS in Frankreich. Seit Juni 2004 ist Guillaume de Posch Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG, von September 2003 bis April 2004 war er Chief Operating Officer der Gruppe.

Eckhard Müller/Marc Bartl

 

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