Berlin ruft, die Kinder kommen.

03.07.2008
 cl
 

Egmont ruft, die Cultfish-Kinder kommen: "Erwachsenen-Standort ganz klar München" Zur Erinnerung: Die deutsche Egmont Holding rief Ende Juni ihre Kinder- und Jugendtitel zu sich nach Berlin. Nur die schon erwachsenen Titel „Chica“ und „FHM“ aus dem Hause Egmont Cultfish Media dürfen auch nach dem 1. November an der Isar in München bleiben. Ihre Sachen packen müssen insgesamt 15 Mitarbeiter von "K-Club", "girlfriends", "Go Girl", "Sugar", "Top of the Pops" und "Best of the Dome". Der Umbau hat personelle Konsequenzen: Dennis Kilian, Geschäftsführer des in Berlin ansässigen Egmont Ehapa Verlags, ist ab sofort auch Geschäftsführer von Egmont Cultfish Media. Die Geschäfte in München leiten jetzt die Anzeigenchefin Susanne Hübner und "FHM"-Chefredakteur Christian Kallenberg (Foto), 32, zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben. Wieso der ganze Aufstand einen Sinn und wie es an der Isar weitergeht, erzählt Kallenberg im kress-Interview.

Berlin ruft, die Kinder kommen:

 

"Erwachsenen-Standort ganz klar München"

Zur Erinnerung: Die deutsche Egmont Holding rief Ende Juni ihre Kinder- und Jugendtitel zu sich nach Berlin. Nur die schon erwachsenen Titel „Chica“ und „FHM“ aus dem Hause Egmont Cultfish Media dürfen auch nach dem 1. November an der Isar München bleiben. Ihre Sachen packen müssen die insgesamt 15 Mitarbeiter von "K-Club", "girlfriends", "Go Girl", "Sugar", "Top of the Pops" und "Best of the Dome". Der Umbau hat personelle Konsequenzen: Dennis Kilian, Geschäftsführer des in Berlin ansässigen Egmont Ehapa Verlags, ist ab sofort auch Geschäftsführer von Egmont Cultfish Media. Die Geschäfte in München leiten jetzt die Anzeigenchefin Susanne Hübner und "FHM"-Chefredakteur Christian Kallenberg (Foto), 32, zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben.

 

kress: In den letzten Wochen ging es hoch her bei Egmont. So sollen die Jugend- besser gesagt die Kinderzeitschriften nach Berlin umziehen. Wieso werden die Erwachsenen-Titel nicht auch nach Berlin geholt?

 

Christian Kallenberg: Wir sehen den Erwachsenen-Standort ganz klar in München. Die großen Männertitel anderer Verlage sind dort angesiedelt, aber auch Konkurrenz zu „Chica“. Also kein Grund umzuziehen, zumal wir im Back-Office sehr stark mit Berlin verknüpft sind. Außerdem haben wir erst im April schöne, neue Räume bezogen.

kress: Mit langfristigen Mietverträgen?

Kallenberg: Die gibt es, aber sie sind nicht der primäre Grund in München zu bleiben.

kress: Die Geschäftsführung von Egmont Cultfish liegt jetzt bei Dennis Kilian von Egmont Ehapa. Verschwindet die Marke Cultfish auf lange Sicht?

Kallenberg: Erstmal ziehen wir mit einem Teil der Firma Cultfish nach Berlin um, Cultfish in München bleibt aber auch weiterhin Cultfish. Wie das langfristig aussieht, wissen wir noch nicht – aktuell gibt es keine Planung in der Richtung.

kress: Sie sind jetzt, gemeinsam mit Anzeigenleiterin Susanne Hübner, General Manager in München und unterstehen Dennis Kilian. Sonst gibt es keine weitere Vertretung in München?

Kallenberg: Nein, gibt es nicht.

kress: Alle Mitarbeiter, die vom Umzug betroffen sind, haben ein Angebot bekommen. Ziehen alle mit oder schauen sich einige Kollegen bei der Konkurrenz um?

Kallenberg: Die Entscheidungsfrist läuft noch, es wäre auch ziemlich hart den Leuten zu sagen: In einer Woche müsst Ihr wissen, was Ihr machen wollt. Da sind wir kulanter, allerdings kann ich mir vorstellen, dass einige in München bleiben wollen. Wir müssen dann sehen, wo wir die Leute unterbringen können, bei uns oder woanders.

kress: Erhofft sich Egmont vielleicht, so etwas Personal abbauen zu können?

Kallenberg: Entschieden nein. Wir sind mit allen Mitarbeitern sehr zufrieden und wünschen uns, dass alle mitziehen. Die Kollegen in Berlin können ja auch nicht alle Titel mit übernehmen. Bei „Sugar“ kann ich mir beispielsweise keine redaktionelle Synergien vorstellen. Einzig bei der Vermarktung. Daher ändert sich auch nichts an der Positionierung des Magazins.

kress: Martin Fraas, ehemals Chefredakteur für „Chica“ und „Sugar“, hat seinen Posten ja bereits verlassen – wegen strategischer Differenzen.

Kallenberg: Er hat die Probezeit nicht überstanden. Wir sind auf der Suche nach Ersatz, auch im eigenen Haus. Aber in den kommenden Wochen werden wir noch nichts präsentieren. Momentan sind andere Dinge wichtiger.

kress: Die „Sugar“ soll nicht jünger werden. Wird die "Chica" dann erwachsener, wenn sie schon bei den "Erwachsenen" in München bleibt?

Kallenberg: Die "Chica" wird nicht erwachsener - die "Chica" ist erfreulicherweise erwachsen! Wir sind in der AWA 2008 zum ersten Mal bei den monatlichen Frauenzeitschriften aufgelistet. Also ist das nicht nur unsere Interpretation. Auch im Markt wird die "Chica" als Frauenzeitschrift gesehen.

kress: Beide Zeitschriften hatten einen Relaunch, die "Chica" im September 2007, die "Sugar" im Mai 2008. Bei „Chica“ ging es seitdem nach oben. Hat sich dies auch bei den Anzeigen bemerkbar gemacht?

Kallenberg: Ja, absolut! Wir haben jetzt Anzeigenkunden, die wir mit der alten "Chica" - einem Mädchenmagazin - nie bekommen hätten. Beispielsweise Autokunden wie Suzuki und Fiat. Mit der "Chica" sind wir sehr froh! Im 4. Quartal 2007 verkauften wir 174.000 Exemplare, das war ein Plus von 221% gegenüber dem Vorjahresquartal. Gegenüber dem 3. Quartal 2007 war dies ein Anstieg um 55%. Im 1. Quartal 2008 konnte das Heft dann noch Mal 3% gegenüber dem 4. Quartal 2007 zulegen. Einzelverkauf und Abo haben dabei einen Anteil von 99,6% an der Gesamtauflage. Die Umpositionierung war damit eindeutig erfolgreich!

kress: Bei der "Sugar" sieht das anders aus.

Kallenberg: Stimmt, da ging's im Käufermarkt nicht nach oben. Das ist kein Geheimnis. Allerdings wird das neue Konzept der "Sugar" in der Anzeigenbranche deutlich wohlwollender gesehen.

kress: Hat sich der Verlag deshalb von der bisherigen Cultfish-Chefin Tina Deißler getrennt? Sie ist ja nur noch beratend tätig. Sie war unter anderem auch für die "Sugar" und "Chica" zuständig.

Kallenberg: Natürlich haben sich die Zahlen nicht so entwickelt, wie man sich das vorgestellt hat. Wir glauben, dass wir mit der Zusammenführung und mit Dennis Kilian als obersten Geschäftsführer im deutschen Zeitschriftengeschäft von Egmont noch erfolgreicher zusammenarbeiten können.

kress: Zu FHM. "Maxim" wurde vor auf eine ältere Zielgruppe ausgerichtet, "Max" eingestellt. Und an die Leser der mittlerweile auch eingestellten "Matador" richten Sie im aktuellen Heft der "FHM" ein Grußwort. Wie sieht die weitere Strategie für die "FHM" aus?

Kallenberg: Wir haben im April 2008 FHM ein wenig überarbeitet und sowohl beim Layout als auch bei den Inhalten nachgelegt. So gibt es ab April die Rubrik "Upgrade", die sich um den Körper des Lesers kümmert. Mit der derzeitigen Position und dem Aussehen von "FHM" sind wir absolut zufrieden. Da wo wir jetzt sind, bleiben wir auch. Wenn sich unsere Mitbewerber aus dem Markt verabschieden, sei es als Umpositionierung oder gar als Einstellung, dann kann dies uns nur entgegenkommen. Dann sind wir das einzige Medium im Segment "Junge Männerzeitschrift". Und das sollte sich sowohl am Kiosk als auch Anzeigenmarkt bemerkbar machen.

kress: Versuchen Sie mit der neuen Rubrik "Upgrade" ein bisschen bei "Men's Health" zu wildern?

Kallenberg: Nein. Das wollen wir auch nicht. "Men's Health" ist in seinem Segment Platzhirsch. Da haben wir bei Weitem nicht das Wissen, das "Men's Health" hat. Generell war das Thema Körper in "FHM" all die Jahre lang unterrepräsentiert. Wir haben uns immer wieder daran probiert auf eine lustige Art und Weise, aber das hat nicht funktioniert. Mit "Upgrade" haben wir ein Mittel gefunden, bei dem wir am Anfang auch nicht ganz sicher waren, ob der Markt es annimmt. Schon weil es anders ist als der Rest der Zeitschrift. Wir haben qualitative Marktforschung betrieben und waren von dem Ergebnis wirklich begeistert: Unsere Leser haben gesagt: "Ja, das gehört in FHM!" Vorher war "Upgrade" ja ein Sonderheft und damit auch haptisch losgelöst vom eigentlichen Magazin. Wir bereiten die Inhalte so auf, dass sie nicht "Men's Health"-like sind und zum Humor von "FHM" passen.

kress: Dann danke ich für das Gespräch.

Interview: Christian Lohmüller

 

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