"Zeit Online", "Tagesspiegel Online" und "zoomer.de" kommen unter das Dach des Zeit Verlags.

 

Holtzbrinck mit neuer Familienaufstellung im Web: "Zeit Online" hat die Hosen an "Zeit Online" soll zur führenden bundesweiten journalistischen Online-Qualitätsmarke von Holtzbrinck werden. Die Verlagsgruppe bündelt das Angebot zum 1. Februar 2009 mit "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" in der neuen, 75 redaktionelle Mitarbeiter starken Einheit Zeit Digital unter dem Dach des Zeit Verlags. In Berlin entsteht eine große Hauptstadtredaktion unter Leitung von "Zeit Online", von deren Inhalten auch "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" profitieren sollen. Die Mannschaft von "zoomer.de" wird allerdings reduziert. Geschäftsführer von Zeit Digital wird Christian Röpke (Foto l.), 37, der von G+J kommt (kress.de vom 4. November 2008). Peter Neumann, 41, bisher Geschäftsführer von "zoomer.de", wird ebenfalls Chef von Zeit Digital - aber nur in der Phase des Zusammenwachsens. Chefredakteur der drei Web-Angebote wird Wolfgang Blau (Foto r.), 41, derzeit verantwortlich für "Zeit Online". Mercedes Bunz, Chefredakteurin von "tagesspiegel.de", und Frank Syré, 41, Chefredakteur von "zoomer.de", bleiben im Rang von Redaktionsleitern an Bord. "Es gibt in Deutschland die These, wonach Qualitätsjournalismus das alleinige Privileg von Printmedien sei. Ich halte das für falsch und glaube, dass man gerade im Internet hochwertigen, vielschichtigen Journalismus betreiben kann", sagt Blau zu kress. Ein Interview mit Blau, "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser sowie den "Tagesspiegel"-Chefredakteuren Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt lesen Sie nach dem Umblättern!

Holtzbrinck mit neuer Familienaufstellung im Web:

 

"Zeit Online" hat die Hosen an

"Zeit Online" soll zur führenden bundesweiten journalistischen Online-Qualitätsmarke von Holtzbrinck werden. Die Verlagsgruppe bündelt das Angebot zum 1. Februar 2009 mit "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" in der neuen, 75 redaktionelle Mitarbeiter starken Einheit Zeit Digital unter dem Dach des Zeit Verlags. In Berlin entsteht eine große Hauptstadtredaktion unter Leitung von "Zeit Online", von deren Inhalten auch "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" profitieren sollen. Die Mannschaft von "zoomer.de" wird allerdings reduziert. Geschäftsführer von Zeit Digital wird Christian Röpke (Foto l.), 37, der von G+J kommt (kress.de vom 4. November 2008). Peter Neumann, 41, bisher Geschäftsführer von "zoomer.de", wird ebenfalls Chef von Zeit Digital - aber nur in der Phase des Zusammenwachsens. Chefredakteur der drei Web-Angebote wird Wolfgang Blau (Foto r.), 41, derzeit verantwortlich für "Zeit Online". Mercedes Bunz, Chefredakteurin von "tagesspiegel.de", und Frank Syré, 41, Chefredakteur von "zoomer.de", bleiben im Rang von Redaktionsleitern an Bord. "Es gibt in Deutschland die These, wonach Qualitätsjournalismus das alleinige Privileg von Printmedien sei. Ich halte das für falsch und glaube, dass man gerade im Internet hochwertigen, vielschichtigen Journalismus betreiben kann", sagt Blau zu kress.

 

Blau, Röpke und Neumann berichten an Rainer Esser, 51, den Geschäftsführer des Zeit Verlags. Zeit Digital wird einen Beirat haben, der aus Mitgliedern der Chefredaktionen und den Geschäftsführern von "Zeit" und "Tagesspiegel" besteht. Von der "Zeit" sind das Giovanni di Lorenzo, Matthias Naß und Moritz Müller-Wirth, von Seiten des "Tagesspiegel" Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt sowie Marion Bleß und Frank Lüdecke. Vorsitzender des Beirats wird Rainer Esser.

 

"Zeit Online" ist mit 8,41 Mio Visits und 52,28 Page Impressions die größte der drei Websites. "tagesspiegel.de" kam im November auf 3,04 Mio Visits und 8,94 Mio PIs, "zoomer.de" schaffte 4,63 Mio Visits und 7,75 Mio PIs. Zeit Digital will die Angebote von einem Vermarkter betreuen lassen, bisher sind drei im Spiel: GWP online marketing ("Zeit Online"), allesklar media ("zoomer.de") und Urban Media ("tagesspiegel.de"). Das Projekt wird der Verlagsgruppe nach Angaben von Rainer Esser wegen der hohen Anfangsinvestitionen 2009 einen kleinen Mio-Verlust bescheren. "Unsere mittelfristige Planung sieht das zügige Erreichen der Rentablität vor", so der Geschäftsführer des Zeit Verlags.

 

Mehr über die Pläne erfahren Sie in dem Interview mit Esser, Blau und den "Tagesspiegel"-Chefredakteuren Casdorff und Maroldt.

 

"Hochwertiger, vielschichtiger Journalismus"

 

kress: Sie bündeln "Zeit Online", "zoomer.de" und "tagesspiegel.de" unter dem Dach des Zeit Verlags. Warum?

 

Rainer Esser: Weil wir "Zeit Online" in diesem neuen Bereich deutlich ausbauen und alle drei Portale davon profitieren werden. Zeit Digital wird eine große Hauptstadtredaktion unter Leitung von "Zeit Online" aufbauen. Auch die Redaktionen von "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" können sich daraus bedienen. Das machen wir, um zu wachsen, stärker zu werden und Ressourcen zu bündeln. Wir binden den neuen Bereich beim Zeit Verlag an, weil "Zeit Online" innerhalb der Gruppe den höchsten Bekanntheitsgrad und die größte Reichweite hat und zum führenden Portal für Qualitätsjournalismus ausgebaut wird.

 

kress: Wir reden hier nicht von einem Modell à la Gruner + Jahr-Wirtschaftspresse, wo aus Spargründen mehrere Redaktionen an einem Ort zusammengeführt werden?

 

"Es wird keine Zentralredaktion geben"

 

Esser: Wir bauen deutlich aus und investieren. Es wird keine Zentralredaktion geben. Wir werden weiterhin eine "Zeit Online"-Redaktion in Hamburg haben, "tagesspiegel.de" wird eine eigene Redaktion in Berlin haben und "zoomer.de" auch. Zusätzlich schaffen wir eine Hauptstadtredaktion mit über 20 Redakteuren.

 

kress: Die Vermarktung soll in Zukunft aber aus einer Hand erfolgen.

 

Esser: Die gemeinsame Vermarktung von drei Portalen mit unterschiedlichen Zielgruppen, die sich hervorragend ergänzen, birgt große Chancen. "Zeit Online"ist das reichweitenstarke überregionale Qualitätsportal, "tagesspiegel.de" ist das Qualitätsportal aus der Hauptstadt und "zoomer.de" ist das Portal mit einer sehr attraktiven jüngeren Nutzergruppe zwischen 15 und 25 Jahren. Alle drei Angebote werden in naher Zukunft von einem Vermarkter betreut, um die Synergien voll auszuschöpfen.

 

kress: Herr Blau, was machen Sie in Zukunft von Hamburg aus, was von Berlin?

 

Wolfgang Blau: In der Hauptstadtredaktion sind die CvDs und die Ressortleitungen aller Ressorts mit Ausnahme "Jobs" und "Wissen" sowie "Studium", die von Hamburg aus gefahren werden. In Hamburg bleiben auch Verbindungsredakteure zur Print-Redaktion der "Zeit". Wir hoffen, dass möglichst viele Redakteure von Hamburg nach Berlin mitgehen - und wir schaffen in Berlin jede Menge neue Stellen. Der neue Bereich wird insgesamt 75 Mitarbeiter haben.

 

kress: Wie profitieren die Websites von der neuen Struktur?

 

"Wir achten darauf, dass die Tonalität der Portale gewährt bleibt"

 

Blau: Wir haben bei "Zeit Online" in diesem Jahr 13 neue Stellen geschaffen, aber immer noch keine wirklich konkurrenzfähige Redaktionsgröße erreicht. "Zeit Online" soll durch den Ausbau jetzt die führende bundesweite journalistische Online-Qualitätsmarke der Holtzbrinck-Gruppe werden, zugleich schaffen wir einen Pool, aus dem sich "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" mit überregionalen Inhalten bedienen können. Die jeweiligen Redaktionen bleiben eigenständig, und wir achten darauf, dass die Tonalität der Portale gewahrt bleibt. Es hat unbestreitbare Vorteile, wenn man gemeinsam auf Grafik, Technik, Video-Redaktion und Entwicklungsredaktion zugreifen kann. Dazu gehört auch, dass die Verlagsgruppe in allen Redaktionen ein neues, sehr gutes Content-Management-System einführen wird.

 

kress: Was wird sich bei "Zeit Online" verändern?

 

Blau: Es gibt in Deutschland die These, wonach Qualitätsjournalismus das alleinige Privileg von Printmedien sei. Ich halte das für falsch und glaube, dass man gerade im Internet hochwertigen, vielschichtigen Journalismus betreiben kann. Je mehr Menschen nun online gehen und das Netz auch als Nachrichtenquelle nutzen, umso größer wird die Chance für "Zeit Online" unter Verzicht auf Boulevardisierung und unsinnige Klickfallen, eine große qualitätsbewusste Leserschaft aufzubauen. Um unser Wachstum ermöglichen zu können, müssen wir uns das Vertrauen unserer User erarbeiten, dass sie neben Hintergrund und Analyse auch wirklich jede relevante Nachricht des Tages bei uns sofort finden. Im Gegensatz zu vielen unserer Konkurrenten werden wir unsere User aber nicht mit Nachrichtenlärm belästigen, sondern uns auch weiterhin an die Regel "Relevanz statt Masse" halten. Erfreulich ist für uns auch die Zusage des "Tagesspiegel", uns seine Print-Inhalte künftig "online first" zur Verfügung zu stellen. Uns fiel ohnehin auf, dass die Nutzerprofile von "tagesspiegel.de" und "Zeit Online" erstaunlich ähnlich sind, bis hin zu dem bei beiden Portalen erfreulich hohen Anteil weiblicher User.

 

kress: Herr Casdorff, Herr Maroldt, hätten Sie die Rolle des Flaggschiffs von Holtzbrinck im Internet nicht ganz gerne selbst gespielt?

 

Stephan-Andreas Casdorff: Wir bündeln unsere Kräfte und bauen aus - das ist eine wirklich gute Nachricht für den Qualitätsjournalismus. Und durch die enge Verbindung der Hauptstadtredaktion mit unserer Printredaktion behalten wir unseren Einfluss.

 

kress: Das Portal "tagesspiegel.de" bleibt inhaltlich, wie es ist?

 

Lorenz Maroldt: Wir bauen "tagesspiegel.de" als Qualitätsportal aus Berlin mit nationaler Ausstrahlung aus. Der "Tagesspiegel" selbst ist unter den drei meistzitierten Zeitungen in Deutschland - das wird auch "Zeit Online" zugute kommen. Und wir profitieren, weil wir für unser Portal Inhalte von der "Zeit" bekommen.

 

kress: Herr Blau, Sie sind sind in Zukunft Chefredakteur der drei Portale. Entscheiden Sie dann, was bei "tagesspiegel.de" das Top-Thema sein wird?

 

Blau: Punktuell könnte das schon mal vorkommen.. Ich habe aber großes Vertrauen in meine Kollegin Mercedes Bunz. Das Team von "tagesspiegel.de" wird bestehen bleiben, vielleicht ergänzt um den einen oder anderen bisherigen Print-Redakteur des "Tagesspiegel", um auch in Berlin die Zusammenarbeit zwischen Print und Online-Redaktionen weiter auszubauen. Ich werde mich am Anfang stark auf "Zeit Online" konzentrieren, dort gibt es noch viel Aufbauarbeit zu leisten. In Berlin möchte ich erst einmal viel Zeit mit meinen neuen Kollegen verbringen, bevor ich mich über den zukünftigen Kurs von "tagesspiegel.de" äußere.

 

kress. Ist es denkbar, dass weitere Holtzbrinck-Titel bei Ihnen andocken?

 

Blau: Das ist prinzipiell möglich, derzeit denken wir aber darüber nicht nach. Es ist eine große Aufgabe, "Zeit Online", "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" so zu führen, dass alle drei etwas davon haben und ihr jeweiliger Sound, ihre Tonalität, erhalten bleiben. Wir prüfen aber durchaus, welche Inhalte der Verlagsgruppe wir außerdem nutzen können. Auch mit dem "Handelsblatt" würden wir gerne noch mehr Inhalte austauschen als wir dies heute ohnehin schon tun.

 

kress: Der eigene Sound soll gewahrt bleiben, aber Sie werden schon mehr Inhalte zwischen den drei Portalen austauschen?

 

"Google verzeiht den Agentur-Einheitsbrei nicht mehr"

 

Blau: Das gilt zum Beispiel für die Auslandskorrespondenten der beiden Zeitungen, die sich oft gut ergänzen. Wir werden aber jeweils im Tagesgeschäft ausloten müssen, wo ein Inhalteaustausch wirklich sinnvoll ist und wo er nur zu einer Markenvermischung führen würde. Im Zweifelsfall ist es mir aber immer noch lieber, einen Text mit nur zwei anderen Titeln in der Gruppe auszutauschen, statt dieselbe Agenturmeldung zu präsentieren, die auch noch bei drei Dutzend anderen Sites in Deutschland zu finden ist. Google verzeiht den Agentur-Einheitsbrei nicht mehr, und das ist auch gut so. Übrigens, das Video-Blog von Herrn Casdorff hätte ich sehr gerne für "Zeit Online".

 

Casdorff: Ich freue mich sehr darüber.

 

kress: Was wird in der neuen Konstruktion aus "zoomer.de"?

 

Blau: "zoomer.de" wird mit kleinerer Kernmannschaft arbeiten müssen, bekommt dafür aber Unterstützung durch die Hauptstadtredaktion. Es ist einzigartig, wie man bei "zoomer.de" mit Usern umgeht. Wenn sie dort einen Kommentar hinterlassen, können sie davon ausgehen, dass sich der Autor des Textes meldet und nicht nur ein Moderator. Davon können auch die anderen Titel etwas lernen.

 

kress: Wie wollen Sie als Chefredakteur diese ganz unterschiedlichen Welten verbinden: Auf der einen Seite der Leitartikeljournalismus der "Zeit", auf der anderen Seite der Mitmachjournalismus von "zoomer.de"?

 

Blau: Die Redaktionsleiter Frank Syré und Mercedes Bunz bürgen für die Kontinuität ihrer Titel. Außerdem muss sich auch "Zeit Online" weiterentwickeln. Wir haben ja sehr früh mit Leserkommentaren und Blogs angefangen und sehen, dass die Qualität der Leserdebatten erfreulich hoch ist. Nun wollen wir die Interaktion mit unseren Usern deutlich ausbauen. Das unbestrittene Know-how von "zoomer.de" können wir da gut gebrauchen.

 

kress: Den Herausgeber von "zoomer.de", Ulrich Wickert, wollen Sie in das neue Konstrukt mitnehmen.

 

Esser: Ulrich Wickert hat zoomer.de als Herausgeber in herausragender Weise beraten und unterstützt. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass er in Zukunft auch dem ganz neuen Bereich mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.

Interview: Henning Kornfeld

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