kress-Jahresrückblick 2008: Teil eins.

22.12.2008
 nk
 

kress-Jahresrückblick 2008: Teil eins  Spirale nach unten kress.de blickt zurück auf 2008. In den ersten Teilen werfen wir einen Blick auf die gut durchgerüttelte Print-Branche: Was war schlecht, was gut, was kommt? Werberückgänge, Einstellungsstopps, Zusammenlegung von Redaktionen: Die Verlage sparen, was das Zeug hält. Das kann auch nach hinten losgehen. Für die Printbranche ist die Finanzkrise vor allem eine Werbekrise als Resultat der Schieflage der Realwirtschaft. Es bleiben schlicht und einfach die Anzeigen aus, und niemand kann bisher vorhersagen - auch wenn sich einschlägige Institute eifrig an Prognosen versuchen -, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Ganz überraschend kam der Schlamassel nicht: Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun (Foto), 51, sagte am Rande der Bertelsmann-Jahresbilanzkonferenz im März voraus, dass es die Branche ab Herbst hart treffen könnte. Als erstes Haus wagte sich allerdings Burda aus der Deckung. Die Geschäftsführer wurden angewiesen, in diesem und im kommenden Jahr jeweils 5% der Kosten einzusparen. Ob das reicht - unklar. Philipp Welte, 46, seit Dezember Vorstand für das Zeitschriftengeschäft, wird möglicherweise um weitere Kosteneinsparungen nicht herumkommen. Umblättern!

kress-Jahresrückblick 2008: Teil eins

 

Spirale nach unten

Bernd Kundrunkress.de blickt zurück auf 2008. In den ersten Teilen werfen wir einen Blick auf die gut durchgerüttelte Print-Branche: Was war schlecht, was gut, was kommt? Werberückgänge, Einstellungsstopps, Zusammenlegung von Redaktionen: Die Verlage sparen, was das Zeug hält. Das kann auch nach hinten losgehen. Für die Printbranche ist die Finanzkrise vor allem eine Werbekrise als Resultat der Schieflage der Realwirtschaft. Es bleiben schlicht und einfach die Anzeigen aus, und niemand kann bisher vorhersagen - auch wenn sich einschlägige Institute eifrig an Prognosen versuchen -, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Ganz überraschend kam der Schlamassel nicht: Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun (Foto), 51, sagte am Rande der Bertelsmann-Jahresbilanzkonferenz im März voraus, dass es die Branche ab Herbst hart treffen könnte. Als erstes Haus wagte sich allerdings Burda aus der Deckung. Die Geschäftsführer wurden angewiesen, in diesem und im kommenden Jahr jeweils 5% der Kosten einzusparen. Ob das reicht - unklar. Philipp Welte, 46, seit Dezember Vorstand für das Zeitschriftengeschäft, wird möglicherweise um weitere Kosteneinsparungen nicht herumkommen.

 

Einstellungsstopps, Portfolio-Bereinigung, Zentralredaktionen

 Park Avenue, Dezember 2008

Im Spätherbst ging das Alarmwort „Einstellungsstopp“ durch die Branche. Die "Frankfurter Allgemeine“, die WAZ-Gruppe, G+J und der Jahreszeiten Verlag bekannten sich neben anderen dazu, freiwerdende Stellen nicht mehr nachzubesetzen. Bei G+J schien ein Einstellungsstopp nicht genug zu sein. In einem Brandbrief an die Mitarbeiter schlug Vorstandschef Kundrun harsche Töne an - man werde das Portfolio überprüfen. Parallel wurde Mitarbeitern eine lukrative Abfindung angeboten, sollten sie sich zum Verlassen des Verlags entschließen. Drei Titel, darunter das ambitionierte Gesellschaftsmagazin "Park Avenue“, müssen nun, da die Sichtung von publizistischen Minderleistern abgeschlossen ist, dicht machen. Radikal ist die Zusammenlegung der vier Wirtschaftstitel zu einer Zentralredaktion in Hamburg.

 

Eine Zentralredaktion ihrer Titel in NRW wird 2009 auch die WAZ einrichten, die um rund 260 Mitarbeiter leichter werden will. Die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) will die Redaktionen ihrer Titel nicht fusionieren, spart aber ebenfalls. Und auch im neuen Hochhaus des Süddeutschen Verlags werden derzeit Abfindungsangebote gemacht; die Rede ist von 15 Mio Euro, die eingespart werden sollen, fünf davon in der Redaktion.

 

USA trifft es noch schwerer

 

TribuneImmerhin: Deutschland ist nicht Amerika. Gerade musste der Investor Sam Zell für die Tribune Company, zu der u.a. die "Chicago Tribune“ und die "L.A. Times“ gehören, Gläubigerschutz beantragen. Wie bei Finanzinvestoren üblich, hatte Zell den Kauf des Verlagsimperiums mit Schulden finanziert. An diesen 13 Mrd. Dollar hat er sich verschluckt. Die Zeitungen werden weiter erscheinen, besser wird’s sicher nicht. In Deutschland gibt es solche Investorenmodelle in der Medienbranche bisher eher seltener: bei Fachverlagen und der Sendergruppe ProSiebenSat.1. Und natürlich basiert David Montgomerys Medienholding, zu der der Berliner Verlag und die "Hamburger Morgenpost“ gehören, auf diesem Prinzip. Auch Montgomerys Mecom Group steht nun mächtig unter Druck, und es sollte nicht verwundern, wenn er als Reaktion auf die Finanzkrise, die Geld und damit Kredite ungleich teurer macht, einige seiner Beteiligungen abstoßen müsste. Sein Geschäftsmodell könnte kippen. Es ist ohnehin schon in Frage gestellt, weil eine wilde Sammlung europäischer Zeitungshäuser keine Strategie ist. Die Abwärtsspirale dreht sich 2009 weiter, so viel ist sicher.

 

Aber es war nicht alles schlecht: Lesen Sie morgen im "kress-Jahresrückblick 2008", womit die Print-Branche 2008 glänzte. Im Folgenden widmen wir uns auch den Ressorts TV und Digital. 

Christian Meier

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