Programmie-Streit: Verlage zerren ProSiebenSat.1 vor Gericht.

07.01.2009
 nic
 

Programmie-Streit:  Verlage zerren ProSiebenSat.1 vor Gericht Im Disput um die Lizenzrechte für sendungsbezogene Programminformationen klagen Axel Springer, Milchstrasse (Burda), Bauer Media Group und WAZ gemeinsam gegen die Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1. Noch kurz vor Weihnachten haben die vier Verlage beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung beantragt. Eine Entscheidung fällt am Freitag. Stein des Anstoßes sind die neuen AGB der P7S1-Presselounge: Die Sendergruppe fordert eine Vergütung für bisher kostenlose Bild- und Textmaterialien - sofern sie für digitale Angebote genutzt werden. Bisher haben die Verlage nicht zugestimmt, P7S1-Vorstand Marcus Englert (Foto) hat den Printkollegen daher noch im alten Jahr den Pressezugang gekündigt - die Sperre droht zum 15. Februar. Umblättern!  

Programmie-Streit:

 

Verlage zerren ProSiebenSat.1 vor Gericht

Im Disput um die Lizenzrechte für sendungsbezogene Programminformationen klagen Axel Springer, Milchstrasse (Burda), Bauer Media Group und WAZ gemeinsam gegen die Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1. Noch kurz vor Weihnachten haben die vier Verlage beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung beantragt. Eine Entscheidung fällt am Freitag. Stein des Anstoßes sind die neuen AGB der P7S1-Presselounge: Die Sendergruppe fordert eine Vergütung für bisher kostenlose Bild- und Textmaterialien - sofern sie für digitale Angebote genutzt werden. Bisher haben die Verlage nicht zugestimmt, P7S1-Vorstand Marcus Englert (Foto) hat den Printkollegen daher noch im alten Jahr den Pressezugang gekündigt - die Sperre droht zum 15. Februar.

 

Mit dem Hausverbot in der Presselounge drohen den Programmie-Verlagen Versorgungsengpässe: Über die Pressedatenbank beziehen sie mit erheblichem Vorlauf (rund 6 Wochen) Basisdaten zum TV-Programm (welche Sendung läuft wann bei welchem Sender) und zusätzliche Programminformationen (um was geht es in den einzelnen Sendungen) inklusive Bild- und Textmaterial. Ohne diese weiterführenden Inhalte und Bilder wird die Redaktion für eine Programmzeitschrift mühsam bis unmöglich. Dabei stritten die beiden Parteien bisher nur um die Nutzungsrechte für digitale Angebote, ein Komplettverbot könnte nun aber auch die Print-Programmies austrocknen.

 

Bei den Internet-Ablegern ihrer Programmzeitschriften bieten die Verlage bereits umfangreiche Infos zum TV-Programm an und nutzen dafür gratis begleitendes Bild- und Textmaterial der Fernsehmacher - ohne die aber an Werbeerlösen zu beteiligen. Zudem werkelt die Print-Branche fleißig an aufwändigen elektronischen Programmführern (EPGs), die dem Zuschauer Orientierung im TV-Dschungel bieten sollen. Per Lizenzvertrag will die TV-Branche nun mitverdienen und zumindest die zusätzlichen Programminformationen versilbern: Die gemeinsame Verwertungsgemeinschaft VG Media (vertritt rund 30 Sender und gehört je zur Hälfte zur RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1) fordert 0,02 Cent pro Seitenaufruf im Netz oder EPG.

 

Vom finanziellen Aspekt abgesehen, empfinden die Verleger diesen Vertrag als Einmischung in ihre redaktionelle Hoheit. Auch über die Frage wie und wieviel Werbung auf den Angeboten geschaltet werden könne, wollten die Fernsehsender ein Wörtchen mit reden, heißt es beim VDZ. Die Sender pochen ihrerseits auf eine "diskriminierungsfreie" Darstellung des TV-Angebots im Internet. Dorn im Auge der TV-Branche ist bisweilen die Reihenfolge, in der TV-Kanäle aufgelistet werden oder die redaktionelle Auswahl von Tagestipps beispielsweise. Bereits seit dem vergangenen Jahr ist in dieser Sache eine Klage des VDZ im Namen der genannten Verlage gegen die VG Media und das Lizenz-/Gebührenmodell für Internet-EPGs beim Landgericht Köln anhängig - die Richter urteilen am 21. Januar.

 

Die vier betroffenen Verlage kontrollieren zu großen Stücken den deutschen Programmie-Markt: Zu Springer gehören u.a. die "Hörzu" und die "TV Digital", Bauer verkauft "TV Movie", "Auf einen Blick", bei der Milchstrasse erscheint die "TV Spielfilm" und die WAZ-Gruppe verlegt den "Gong".

nic

 nic

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.