Schumacher spart beim "Nordkurier": "Mantelredaktion wird deutlich kleiner".

09.01.2009
 
 

Schumacher spart beim "Nordkurier":  "Mantelredaktion wird deutlich kleiner" Der Umbau beim schlingernden Neubrandenburger "Nordkurier" trifft nun auch die Mantelredaktion: Sofern die Kartellis zustimmen, übernimmt der Kurierverlag zum 1. April die Hälfte des externen Redaktionsdienstleisters mv:m redaktion gmbh des Zeitungsverlags Schwerin. mv:m besorgt schon seit Oktober den Mantelteil für die "Schweriner Zeitung". Ab dem Frühjahr liefert die Firma nun auch den Mantel für den "Nordkurier" - mit personellen Konsequenzen: Chefredakteur André Uzulis, 43, nimmt seinen Hut, Vize-Chef Michael Seidel, 43, tritt in die Fußstapfen. Man werde die Mantelredaktion nicht schließen, müsse sie aber "deutlich verkleinern", so Kurierverlags-Boss Lutz Schumacher (Foto) zu kress. Was noch übrig bleibt - umblättern!

Schumacher spart beim "Nordkurier":

 

"Mantelredaktion wird deutlich kleiner"

Der Umbau beim schlingernden Neubrandenburger "Nordkurier" trifft nun auch die Mantelredaktion: Sofern die Kartellis zustimmen, übernimmt der Kurierverlag zum 1. April 2009 die Hälfte des externen Redaktionsdienstleisters mv:m redaktion gmbh des Zeitungsverlags Schwerin. mv:m besorgt schon seit Oktober den Mantelteil für die "Schweriner Zeitung". Ab dem Frühjahr liefert die Firma nun auch den Mantel für den "Nordkurier" - mit personellen Konsequenzen: Chefredakteur André Uzulis, 43, nimmt seinen Hut, Vize-Chef Michael Seidel, 43, tritt in die Fußstapfen. Man werde die Mantelredaktion nicht schließen, müsse sie aber "deutlich verkleinern", so Kurierverlags-Boss Lutz Schumacher (Foto) zu kress.

 

Mit der Übernahme darf der Kurierverlag mv:m-Geschäftsführer Dieter Pienkny, Prokurist der "Schweriner Volkszeitung", einen eigenen Mann zur Seite stellen. Die "Schweriner Volkszeitung" hatte unter Protest der Gewerkschaft im Herbst ihre 20-köpfige Mantelredaktion in die mv:m redaktion umgesetzt. Der gemeinsame Dienstleister in Schwerin werde künftig die redaktionelle "Grundlast" einer Mantelredaktion (Recherche, Redigieren von Agenturmeldungen u.A.) tragen, wie es Schumacher vor seinen Mitarbeitern erklärte. Die jeweiligen Hauptredaktionen in Neubrandenburg und Schwerin würden, mit dem wenigen verbleibenden Personal, den Mantelteil dann vor Ort für jeweils ihre Zeitung "veredeln". Mit den freiwerdenden Kapazitäten will Schumacher seine Regionalredaktionen stärken und die Digitalisierung vorantreiben. 

 

Aus den Hintergründen macht Schumacher keinen Hehl: "Wir haben rund 100 Mitarbeiter und liegen bei der Auflage unter 100.000". Erhebliche Erlöse erwirtschafte der Verlag aktuell aber mit dem Nebengeschäft, nicht mit der Zeitung. Vergleichbare Zeitungen im Westen müssten mit einem Bruchteil der Mannstärke auskommen. "Die Schweriner leiden spiegelbildlich unter den selben Problemen wie wir", sagt Schumacher zu kress. Sprich: Zunehmende Abwanderung der Ost-Bevölkerung gen Westen und dadurch sinkende Auflage, zudem steht heuer das Jahr der Krise an. "Was liegt näher, als sich zusammenzutun", so Schumacher weiter. 

 

Die Neubrandenburger Mantelredaktion des "Nordkurier" beherbergt derzeit 30 Mitarbeiter. Wie viele Leute ab April noch unter Seidel für den Mantel schreiben werden - unklar. Die neue Struktur müsse erst mit Leben erfüllt werden, um zu sehen, wie man vor Ort zurecht komme, so Schumacher. Über den Verbleib der Mantelredakteure stehen jetzt Einzelgespräche an. Er werde nicht für jeden einen Platz finden können, aber für die meisten. Hoffnung mache den Redakteuren die große Zahl an Vakanzen im Unternehmen, so Schumacher.

 

Der neue Mann an der "Nordkurier"-Spitze, Michael Seidel (Foto), arbeitet seit 13 Jahren für den "Nordkurier". "Im wichtigen Wahljahr 2009 brauchen wir einen Journalismus, der den Dingen auf den Grund geht. Eine wirkliche vierte Gewalt, die politische und gesellschaftliche Hintergründe kritisch beleuchtet. Das fordern viele unserer treuen Leser", sagt Seidel in einer Mitteilung. Vor allem eine stärkere innenpolitische Berichterstattung auf Landes- und Bundesebene hat sich Seidel auf die Agenda geschrieben. Ex-Chef Uzulis und Schumacher trennten sich am Freitag "ohne Streit", so Schumacher auf Anfrage, er dankt ihm in einer Mitteilung "ausdrücklich für die Jahre der erfolgreichen Zusammenarbeit".

 

Die Beschneidung der Mantelredaktion dürfte die letzte Baustelle in einer Reihe von Umbauten in Neubrandenburg sein. Der "Nordkurier" und Schumacher haben ein bewegtes 2008 hinter sich: Die Auflage des "Nordkurier" im demographisch ausgedünnten, aber großflächigen Mecklenburg-Vorpommern sinkt seit Jahren und zwingt Schumacher zu unbeliebten Umstrukturierungen. Anfang 2008 zoffte er sich wegen der Auslagerung in vier Regionalredaktionen mit den Gewerkschaften (kress.de vom 13. Februar 2008), später musste er nach dem Aus der Anzeigensatz-Abteilung rund 30 Leuten kündigen (kress.de vom 25. September 2008). Auf der Suche nach neuen Erlösquellen wildert der Kurierverlag auch in anderen Revieren. Vor wenigen Tagen investierte der Verlag ins Briefgeschäft (kress.de vom 6. Januar 2009).

Nico Kunkel

 

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