dpa prüft zentrale Redaktion in Berlin.

 

Hamburg soll Firmensitz bleiben, aber:  dpa will mit Redaktionen nach BerlinEs ist die Zeit der Konzentration: Nach WAZ-Regionalzeitungen, G+J-Wirtschaftspresse und ProSiebenSat.1 singt auch die Nachrichtenagentur dpa das Hohelied auf die Zentralisierung. Mit Hilfe einer externen Beraterfirma prüft die dpa, ob und wie die Redaktionen der Agentur in Berlin zusammengefasst werden können. "Gute Argumente" sprächen für eine Zentralisierung, so Geschäftsführer Malte von Trotha und Chefredakteur Wilm Herlyn (Foto) am Dienstagabend in einer Pressemitteilung, die über den dpa-Kanal für Pressemitteilungen ots verbreitet wurde. Herlyn begründet den zu erwartenden Schritt in die Hauptstadt am Mittwoch in der "Süddeutschen": In Berlin arbeiteten bereits die Journalisten für den wichtigsten dpa-Dienst, Politik Deutschland. Bisher gibt es eine Dreiteilung: Bilderdienst in Frankfurt am Main, Basisdienst und Dienste für Internet und Mobilfunk und Grafiken in Hamburg und Politik, Audio- und Video sowie Englischer Dienst in Berlin. Man wandele sich zum multimedialen Dienstleister, so Herlyn. Entsprechend müssten die Produktionsabläufe auf den Prüfstand gestellt und damit die räumliche Trennung überwunden werden. Alle Hintergründe - bitte umblättern.xxxx

Hamburg soll Firmensitz bleiben, aber: 

 

dpa will mit Redaktionen nach Berlin

Es ist die Zeit der Konzentration: Nach WAZ-Regionalzeitungen, G+J-Wirtschaftspresse und ProSiebenSat.1 singt auch die Nachrichtenagentur dpa das Hohelied auf die Zentralisierung. Mit Hilfe einer externen Beraterfirma prüft die dpa, ob und wie die Redaktionen der Agentur in Berlin zusammengefasst werden können. "Gute Argumente" sprächen für eine Zentralisierung, so Geschäftsführer Malte von Trotha und Chefredakteur Wilm Herlyn (Foto) am Dienstagabend in einer Pressemitteilung, die über den dpa-Kanal für Pressemitteilungen ots verbreitet wurde. Herlyn begründet den zu erwartenden Schritt in die Hauptstadt am Mittwoch in der "Süddeutschen": In Berlin arbeiteten bereits die Journalisten für den wichtigsten dpa-Dienst, Politik Deutschland. Bisher gibt es eine Dreiteilung: Bilderdienst in Frankfurt am Main, Basisdienst und Dienste für Internet und Mobilfunk und Grafiken in Hamburg und Politik, Audio- und Video sowie Englischer Dienst in Berlin. Man wandele sich zum multimedialen Dienstleister, so Herlyn. Entsprechend müssten die Produktionsabläufe auf den Prüfstand gestellt und damit die räumliche Trennung überwunden werden.

 

Bereits vor einigen Jahren war Berlin ein Thema bei der dpa. Damals wurde über eine mögliche Expansion innerhalb Hamburgs gesprochen, weil die Redaktionsräume in der Hansestadt aus den Nähten platzten und dazu nicht sonderlich arbeitnehmerfreundlich ausfielen. Dieses Mal scheint es ernst zu werden: In drei Monaten werde der Aufsichtsrat über einen möglichen Umzug entscheiden, sagt Herlyn. Auch mit den Betriebsräten werde gesprochen. Hamburg solle auf jeden Fall weiter Firmensitz und Sitz zentraler Dienstleistungen im Unternehmen (Vertrieb, Controlling, IT) bleiben, so Malte von Trotha.

 

Die Agentur, gerne wegen ihres relativ starren Preissystems als schwerfällig beschrieben, hat die Zeichen der Zeit erkannt, wenn auch spät. "Natürlich wird es immer schwieriger, mit Nachrichten Geld zu verdienen", so Herlyn in dem "SZ"-Interview. "Das Agenturprinzip - einer für alle - ist beinahe überholt. Wir müssen uns zu Systemanbietern wandeln, wie in der Automobilindustrie." 2007 verdiente dpa operativ kein Geld, sondern lag rund 100.000 Euro in den roten Zahlen. Schwindende Auflagenzahlen der Zeitungen (das Preissystem ist an die Auflage gebunden) und die zunehmende Wechselbereitschaft von Verlagen zu kleineren Agenturen belasten das Ergebnis.

 

Keine Juristen, "um die WAZ beim Klauen zu erwischen" 

 

Die Kündigung der dpa durch die WAZ-Gruppe nannte Herlyn eine "Entsolidarisierung". Man lese die Zeitungen der WAZ genau, beschäftige aber keine Juristen, "um die WAZ beim Klauen zu erwischen". Man hoffe, dass die Gruppe "irgendwann" wieder ein Kunde der dpa werde. Kündigung und anschließende Rückkehr in den Schoß der Agentur - dieses Spielchen haben bereits eine Reihe von Zeitungsverlagen vorexerziert.

 

Wenig Bewegung beim Thema Bewegtbild

 

Herlyn räumte ein, dass die dpa mit einem eigenen Bewegtbild-Angebot weit in der Entwicklung zurückliegt. Doch der Markt für internationale und nationale Videos sei durch Reuters und AP abgedeckt, dazu gebe es noch YouTube. Chancen sieht Herlyn in der Verbreitung regionaler und lokaler Bewegtbilder. Dazu brauche es keine aufwändigen Aufnahmen "mit Regie und Licht".

 

"Schrecklich altbackene Nachrichtensprache"

 

Seinen Redakteuren gab Herlyn per "SZ" noch einen Rüffel mit: Viele Journalisten der Agentur verharrten in einer "schrecklich altbackenen Nachrichtensprache". Herlyn: "Ich komme von der Zeitung, mir sträuben sich auch oft die Haare." Herlyn ist seit 18 Jahren Chefredakteur und wird die Agentur voraussichtlich im kommenden Jahr verlassen.

Christian Meier 

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