80 Jahre Günther Kress - Teil zwei: "Nannens Kollegialität war hinreißend"

19.02.2009
 

80 Jahre Günther Kress - Teil zwei:  "Nannens Kollegialität war hinreißend" In Teil zwei des großen kress-Specials "80 Jahre Günther Kress" spricht Günther Kress (Foto) über Henri Nannen: "Er hatte ein Gefühl fürs Zeitschriftenmachen- und Zeitungsmachen, das seinesgleichen gesucht hat. Natürlich war er eitel, fuhr einen riesigen Cadillac mit Heckflossen. Aber seine Kollegialität war einfach hinreißend." Oft habe Nannen Kress nachts angerufen, weil er es tagsüber nicht geschafft habe. Vor den "kressreport"-Zeiten hatte Kress aber auch Nannens harte Seite kennengelernt: "Da habe ich noch den Dienst ,Aus unseren Kreisen` gemacht, als er mir mit einem Prozess gedroht hat, wenn ich etwas schreiben würde." Nach dem Umblättern lässt sich Günther Kress auch über Hubert Burdas erste - nicht gerade erfolgreichen - Gehversuche als Verleger aus. Als Kress die erste Ausgabe von Burdas Männermagazins "M" gesehen habe, sei er fast übergeschnappt, so hässlich habe sie ausgesehen.

80 Jahre Günther Kress - Teil zwei:

 

"Nannens Kollegialität war hinreißend"

In Teil zwei des großen kress-Specials "80 Jahre Günther Kress" spricht Günther Kress (Foto) über Henri Nannen: "Er hatte ein Gefühl fürs Zeitschriftenmachen- und Zeitungsmachen, das seinesgleichen gesucht hat. Natürlich war er eitel, fuhr einen riesigen Cadillac mit Heckflossen. Aber seine Kollegialität war einfach hinreißend." Oft habe Nannen Kress nachts angerufen, weil er es tagsüber nicht geschafft habe. Vor den "kressreport"-Zeiten hatte Kress aber auch Nannens harte Seite kennengelernt: "Da habe ich noch den Dienst ,Aus unseren Kreisen` gemacht, als er mir mit einem Prozess gedroht hat, wenn ich etwas schreiben würde." Im Interview lässt sich Günther Kress auch über Hubert Burdas erste - nicht gerade erfolgreichen - Gehversuche als Verleger aus. Als Kress die erste Ausgabe von Burdas Männermagazins "M" gesehen habe, sei er fast übergeschnappt, so hässlich habe sie ausgesehen.

 

Das Interview

 

kress: Wegen der Wirtschaftskrise sieht sich Gruner + Jahr gezwungen, die Redaktionen seiner Wirtschaftstitel unter einem Dach zusammenzulegen. Haben Sie vergleichbare einschneidende Ereignisse in Ihrer Zeit erlebt?

 

Günther Kress: Nein. Mit Ausnahme der Hitler-Tagebücher. Die hat man dem damaligen Gruner+Jahr-Chef Gerd Schulte- Hillen in die Schuhe geschoben, obwohl der im Grunde nichts dafür konnte. Denn es war sein Vorgänger Manfred Fischer, der die „stern“-Redakteure machen ließ. Als Schulte-Hillen kam, war die ganze Geschichte schon am Laufen. Wie hätte er das bremsen sollen? Er konnte ja nicht nachweisen, dass die Tagebücher gefälscht waren. Und Henri Nannen war damals nicht mehr Chefredakteur, sondern nur noch Herausgeber.

 

Und eine verlässliche Quelle für den Rechercheur.

 

Kress: Nannen wollte ursprünglich Kunsthändler werden und hatte auch schon ein Reetdachhaus für seine künftige Galerie gekauft, das er selbst entkernt hat – er war ein großer Handwerker, der auch Schränke bauen konnte. Aber als er sich auf dem Kunstmarkt umgesehen hatte, kam er zur Erkenntnis, dass das doch nichts für ihn sei. Stattdessen hat er seiner Vaterstadt Emden ein Museum geschenkt. Das war sein letztes Lebenswerk, das er mit unglaublichem Eifer betrieben hat.

 

 

 Kann man sagen, dass Nannen zu jenen Leuten zählt, die Sie am meisten beeindruckt haben?

 

Kress: Ja, zweifellos. Er hatte ein Gefühl fürs Zeitschriften- und Zeitungsmachen, das seinesgleichen gesucht hat. Natürlich war er eitel, fuhr einen riesigen Cadillac mit Heckflossen. Aber seine Kollegialität war einfach hinreißend. Oft hat er mich nachts angerufen, weil er es tagsüber nicht geschafft hat, aber wusste, dass ich Redaktionsschluss habe.

 

Noch vor den kressreport-Zeiten hatten Sie aber auch seine harte Seite kennengelernt.

 

Kress: Da habe ich noch den Dienst "Aus unseren Kreisen“ gemacht, als er mir mit einem Prozess gedroht hat, wenn ich etwas schreiben würde. Ich hatte damals einen Artikel von ihm in einer Kunstzeitschrift gefunden, in dem er sich als Student bewundernd über einen Aufmarsch von SA-Leuten bei den Olympischen Spielen 1936 ausgelassen hatte. Das habe ich zitiert, worüber er sehr empört war. Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder mit mir gesprochen hat – und mir erklärte, wie es zu dem Artikel gekommen war: Er sei damals mit einer halbjüdischen Freundin liiert gewesen und habe ihr einen Gefallen tun müssen, um sie zu schützen. Nun ja.

 

Hatten Sie auch Kontakt zu Axel Springer?

 

Kress: Nein, mit dem Generalbevollmächtigten Christian Kracht. Aber ich kannte Springers Sohn, der sich als Fotograf Sven Simon nannte. Das war eine ganz dufte Type. Ein hochbegabter und sehr fleißiger Sportreporter. Er muss sehr verzweifelt gewesen sein, als er sich das Leben nahm.

 

 

Und Hubert Burda durfte mit der Männerzeitschrift "M" einen ersten – nicht gerade erfolgreichen – Gehversuch wagen.

 

Kress: Ja, finanziert übrigens von der Mutter Aenne Burda, nicht vom Vater Franz. Der Fehler bei dem Blatt war ganz einfach, dass Hubert nicht wirklich eine Konzeption hatte. Auf dem Titel der ersten Ausgabe präsentierte ein auf dem Kopf stehender Mann seine Achselhaare. Als ich das gesehen habe, bin ich beinahe übergeschnappt, so hässlich sah das aus. Die nächste Nummer war wieder ganz anders, wie auch die folgenden. Hubert hat sich da sehr von seinen Schriftstellerfreunden leiten lassen, die ja nun nicht gerade Fachleute auf dem Gebiet waren. Das Aus für die Zeitschrift war dann keine Überraschung mehr.

 

Vermutlich eine sehr lehrreiche Erfahrung für Hubert Burda.

 

Kress: Ja, er hat sich ja später hervorragend gemacht und ist als Verleger heute Sonderklasse.

Eckhard Müller/Henning Kornfeld

 

Fortsetzung des Inteviews mit Günther Kress folgt!

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