Dieter von Holtzbrinck kauft VHB.

 

Sensation in Stuttgart: Dieter von Holtzbrinck kauft VHB-Titel, "Tagesspiegel" und Hälfte der "Zeit" Dieter von Holtzbrinck, 67, kauft von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck zum 1. Juni die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) mit "Handelsblatt" und "WirtschaftsWoche", den Berliner "Tagesspiegel" und 50% an der "Zeit". Eine entsprechende Meldung von kress bestätigte die Stuttgarter Verlagsgruppe am Nachmittag. Im Gegenzug verzichtet der ehemalige Chef der Verlagsgruppe Holtzbrinck auf die Zahlung von Verbindlichkeiten, die ihm aus seiner Trennung von der Verlagsgruppe vor drei Jahren zustehen. Die Titel werden in der Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) gebündelt. Für die Mitarbeiter, die nun ihren Verleger wechseln, eine gute Meldung - Stefan von Holtzbrinck, der die Führung der Gruppe von Halbbruder Dieter übernommen hatte, ist kein überzeugter Print-Mann. Aus Stuttgart heißt es, die Brüder bildeten eine "neue strategische Medienallianz". Mehr zu den Hintergründen - umblättern!

Sensation in Stuttgart:

 

Dieter von Holtzbrinck kauft VHB-Titel, "Tagesspiegel" und Hälfte der "Zeit"

Dieter von Holtzbrinck, 67, kauft von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck zum 1. Juni die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) mit "Handelsblatt" und "WirtschaftsWoche", den Berliner "Tagesspiegel" und 50% an der "Zeit". Eine entsprechende Meldung von kress bestätigte die Stuttgarter Verlagsgruppe am Nachmittag. Im Gegenzug verzichtet der ehemalige Chef der Verlagsgruppe Holtzbrinck auf die Zahlung von Verbindlichkeiten, die ihm aus seiner Trennung von der Verlagsgruppe vor drei Jahren zustehen. Die Titel werden in der Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) gebündelt. Für die Mitarbeiter, die nun ihren Verleger wechseln, eine gute Meldung - Stefan von Holtzbrinck, der die Führung der Gruppe von Halbbruder Dieter übernommen hatte, ist kein überzeugter Print-Mann. Aus Stuttgart heißt es, die Brüder bildeten eine "neue strategische Medienallianz".

 

Mit diesem Schritt vergrößere die Verlagsgruppe "ihren Spielraum, um in Zeiten einer weltweiten Rezession und des Umbruchs im Medienbereich ihre strategischen Pläne zu realisieren", heißt es in einer Erklärung. Die Zeitungstitel sollen eigenständig bleiben. In einem Interview, das "Handelsblatt"-Chef Bernd Ziesemer mit seinem neuen Chef führte, sagt DvH, er wolle "ein aktiver Aufsichtsrat" und "Sparringspartner für meine Kollegen" sein. Er werde die neue Tätigkeit für "einige Jahre" übernehmen.

 

Über den Hintergrund der Rückkaufes kann fundiert spekuliert werden: Dieter von Holtzbrinck hatte die Verlagsgruppe Mitte 2006 verlassen. Er werde sein Vermögen "schrittweise in eine Familienstiftung überführen", hieß es damals. Schrittweise - das bedeutet, dass der Verleger in Ruhestand jährlich eine hohe Summe von der Verlagsgruppe bekommt, quasi eine Auszahlung auf Raten. Dem Vernehmen nach soll es sich um bis zu 30 Mio Euro im Jahr handeln. Konkrete Angaben zu der Summe, die von Holtzbrinck zusteht, hat die Gruppe nie gemacht.

 

Die Rückzahlungen haben die Geschäfte der Verlagsgruppe indes nachhaltig beeinflusst und die Eigenkapitalbasis erheblich geschwächt. Nun der Befreiungsschlag für Stefan von Holtzbrinck. Ganz vom Medium Print trennt sich der Unternehmer jedoch nicht - er behält die regionalen Tageszeitungen, 50% an der "Zeit" und natürlich Buch- und Fachverlage im In- und Ausland (u.a. Macmillan, "Nature", "Scientific American"). Zuletzt hatte der Manager durch den Kauf des Social Networks StudiVZ für rund 80 Mio Euro aber klar signalisiert, dass er die Zukunft im Internet sieht.

 

Zur wirtschaftlichern Lage der Gruppe sagte Stefan von Holtzbrinck dem "Handelsblatt": "Wir hatten ein gutes Jahr 2008 mit 7,5% organischem Wachstum. Unter Einbeziehung ungünstiger Wechselkurs- und kleinerer Portfolioeffekte stieg der Umsatz auf über 2,5 Mrd. Euro." Man habe im vergangenen Jahr aufgrund der Wirtschaftskrise "hohe Wertberichtigungen" auf Forderungen vorgenommen und "umfangreiche Vorsorgemaßnahmen" für dieses Jahr getroffen: "Diese machen 35 Mio Euro aus und sind bereits im Jahresabschluss verkraftet. Unser vorläufiges Ebitda für 2008 beträgt 165 Mio. Euro."

 

Zur Digitalsparte sagte SvH: "Wir sind im letzten Jahr trotz vielfältiger Herausforderungen mit unseren Internetmedien um 42% auf 250 Mio Euro gewachsen. Unsere wesentlichen strategischen Beteiligungen, zu denen StudiVZ, Parship, myPhotobook und andere gehören, schreiben zusammengenommen schwarze Zahlen." Die Verlagsgruppe Holtzbrinck werden aber "immer auch ein Printunternehmen sein".

 

Zurzeit tagen die Spitzenmanager der Verlagsgruppe in der Nähe des Skigebietes Arlberg in Österreich. Apropos Österreich: Nach kress-Informationen soll der ehemalige Holtzbrinck-Vize Michael Grabner, ein Österreicher, ins Management-Team um Dieter von Holtzbrinck kommen. Auch dafür gibt es noch keine Bestätigung.

 

Bereits 2007 wollte der Ex-Verleger zurück in die Printbranche: Er bot mit um den Süddeutschen Verlag. Daraus wurde bekanntlich nichts. Zwischen 1980 und 2001 leitete Dieter von Holtzbrinck die Verlagsgruppe als Geschäftsführer. Anschließend wurde er 2001 zum Beiratsvorsitzenden des Familienunternehmens berufen und Halbbruder Stefan übernahm die operative Führung. Nach dem Verkauf seines Drittels am Verlag gehört die Gruppe zu je 50% Stefan von Holtzbrinck und seiner Schwester Monika Schoeller. DvHs Privatvermögen wurde vor einigen Jahren auf 1 Mrd US-Dollar geschätzt.

 

Bei der "Zeit", die nun zwei Gesellschafter hat, soll ein fünfköpfiger Aufsichtsrat gebildet werden. Zum Berliner "Tagesspiegel" sagte Dieter von Holtzbrinck: "Mein Ziel ist es, ihm langfristig eine weiter zunehmende überregionale Bedeutung zu verschaffen." Auch der neue Verleger der "Berliner Zeitung", Alfred Neven DuMont, hat einen Ausbau des Blattes als überregionale Zeitung nicht ausgeschlossen. Beim "Tagesspiegel" wurde bereits für den kommenden Montag eine Betriebsversammlung angesetzt. Ob sich der neue Besitzer Dieter von Holtzbrinck zu diesem Anlass schon sehen lässt, ist noch unklar. 

Christian Meier

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