Die digitale Revolution und die Print-Medien: "Es ist 5 vor 12".

25.04.2009
 nk
 

Peichl ruft beim ADC die Verlage zum Handeln auf:  "Es ist 5 vor 12" Die Zusammenschließung von Online- und Printredaktionen trägt zur Kannibalisierung der Tageszeitung bei - dieser Meinung ist Lead-Academy-Boss Markus Peichl (Foto). Zusammen mit anderen Medienvertretern und Kreativen diskutierte er beim ADC Kongress über das Thema "Die Konsequenzen der digitalen Revolution auf das Analoge". Peichl plädierte für eine Rückbesinnung auf starke Printmarken, besonders im Zeitschriftenmarkt. Die Strategie "Online first" sei nicht das Maß aller Dinge. Man müsse sich die Funktion des jeweiligen Mediums klar machen - das sei bisher versäumt worden. "Es ist fünf vor 12", warnt Peichl und ruft die Verlage zum Handeln auf. Sie verfolgten bis dato schlicht die falschen Geschäftsmodelle. Laut Burda-Mann Marcel Reichart verliert die Nachricht an sich an Wert. Jakob Augstein sieht den Journalisten selbst in der Pflicht, sich zu ändern.

Peichl ruft beim ADC die Verlage zum Handeln auf:

 

"Es ist 5 vor 12"

Markus PeichlDie Zusammenschließung von Online- und Printredaktionen trägt zur Kannibalisierung der Tageszeitung bei - der Meinung ist Markus Peichl (Foto), Vorstandsvorsitzender der Lead Academy. Zusammen mit anderen Medienvertretern und Kreativen diskutierte er beim ADC Kongress über das Thema "Die Konsequenzen der digitalen Revolution auf das Analoge". Peichl plädierte für eine Rückbesinnung auf starke Printmarken, besonders im Zeitschriftenmarkt. Die Strategie "Online first" sei nicht das Maß aller Dinge. Man müsse sich die Funktion des jeweiligen Mediums klar machen - das sei bisher versäumt worden. "Es ist fünf vor 12", warnt Peichl und ruft die Verlage zum Handeln auf. Sie verfolgten bis dato schlicht die falschen Geschäftsmodelle: Die Lösung liege nicht im Paid Content. Im Internet lasse sich Geld eher mit Suchmaschinenmarketing, E-Commerce und Vergleichsportalen verdienen.

 

Die Medienhäuser knabbern unterdessen weiter am Problem der Monetarisierung ihrer Inhalte im Netz: "Die Nachricht an sich verliert an Wert", so Marcel Reichart von Hubert Burda Media - dank Blogs und Twitter gibt es mittlerweile unzählige Anbieter.

adc

 

Jakob Augstein, der mit seinem "Freitag" eine relativ radikale Mischung von Print und Online betreibt und auch Leserartikel aus dem Internet im Heft abdruckt, sieht dagegen die Journalisten selbst in der Pflicht, sich zu ändern. Sie müssten ihre Allmachtsphantasien ablegen und sich den Lesern öffnen, so der Verleger. Einnahmen seien auch im Internet vermehrt in Nebengeschäften zu suchen. "Qualitätsjournalismus war schon immer ein Trittbrettfahrer", sagt Augstein - das Geld komme schließlich durch Werbung rein. Werbung im Internet müsse selbst zur Information werden, um so für die Nutzer relevant zu sein. Das mache das Targeting theoretisch bereits möglich.

 

Art Director und Designer Mirko Borsche (u.a. "Zeit Magazin") sieht die Zeitschrift zunehmend ins Luxussegment rutschen. Eine coole Zeitschrift werde mehr und mehr zum Accessoire, mit dem man sich schmückt. TV wird es seiner Meinung nach dagegen wesentlich schwerer haben, in der Konkurrenz zum Internet zu bestehen.

 

Frank-Michael Müller, Geschäftsführer Focus Magazin Verlag, nutzte den ADC Gipfel, um die neuesten Fortschritte Burdas in Sachen RFID (Radio Frequency Identification) vorzustellen. Er präsentierte die neueste Version des "Magazine Readers" - eine Art Brett, an das eine mit Computerchips präparierte Zeitschrift geheftet wird, und das per Sensoren feststellt, welche Doppelseite wann wie lang gelesen wird. Derzeit hat Burda 300 der 1.400 Euro schweren Geräte in seinen Händen, 100 davon sind bereits in den ersten Haushälten eingesetzt. Der Focus Verlag feilt bereits seit 2003 an einer RFID-Technologie, im Sommer 2009 soll es endlich die ersten validen Ergebnisse geben. Müller will damit die ihm so unliebsamen - da ungenauen - Copytests mittelfristig ablösen.

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