Letzte Vorstellung: Joost schließt sein Internet-TV-Angebot.

01.07.2009
 nic
 

Letzte Vorstellung: Joost schließt sein Internet-TV-Angebot Letzte Vorstellung für Joost: Das einst als "Zukunft des Fernsehens" hochgejazzte Web-TV-Pionier Joost zieht sich wegen geschäftlicher Probleme aus dem Endkundengeschäft zurück. Künftig will das Unternehmen nur noch seine Technik an Geschäftskunden vermieten, darunter Kabelnetz- und Satellitenbetreiber, TV-Stationen oder andere Video-Plattformen. Das Joost-Team wird auf eine Kernmannschaft zusammenschrumpfen, laut dem US-Brancheblatt "Ad Age" werden nur 20 von 90 Mitarbeitern ihren Job behalten. Die Entwickler-Dependance in den Niederlanden, Keimzelle von Joost, wird ihre Pforten ganz schließen. Auch der Geschäftsführer wird ausgewechselt.

Letzte Vorstellung:

 

Joost schließt sein Internet-TV-Angebot

Letzte Vorstellung für Joost: Das einst als "Zukunft des Fernsehens" hochgejazzte Web-TV-Pionier Joost zieht sich wegen geschäftlicher Probleme aus dem Endkundengeschäft zurück. Künftig will das Unternehmen nur noch seine Technik an Geschäftskunden vermieten, darunter Kabelnetz- und Satellitenbetreiber, TV-Stationen oder andere Video-Plattformen. Das Unternehmen Joost wird auf eine Kernmannschaft zusammenschrumpfen, laut dem US-Brancheblatt "Ad Age" werden nur 20 von 90 Mitarbeitern ihren Job behalten. Die Entwickler-Dependance in den Niederlanden, Keimzelle von Joost, wird ihre Pforten ganz schließen.

 

"In diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wurde es zunehmend zu einer Herausforderung als unabhängige, werbefinanzierte Online-Video-Plattform zu arbeiten", so CEO Mike Volpi in einer Mitteilung. Volpi zieht sich in Zukunft auf den Posten als Chairman zurück, sein Nachfolger wird Matt Zelesko, bislang Senior Vice President Engeneering bei Joost.

 

Zu Beginn der Web-2.0-Ära als "Zukunft des Fernsehens" und "Youtube"-Killer gepriesen, bekam Joost schnell die Tücken der eigenen Technik zu spüren: Die schwerfällige peer-to-peer-Übertragung lieferte zwar hohe Qualität beim User ab, allerdings nur wenn der zuvor ein Joost-Programm auf seiner lokalen Festplatte installiert hatte. Zudem musste Joost offenbar, als eines der ersten Angebote im Markt, teils unvorteilhafte Bedingungen mit Rechteinhabern hinnehmen. Einstiegsbarrieren, die Joost größere Marktanteile verwehrten.

 

Im vergangenen Jahr schraubte Joost daher gehörig an der Software herum und stellte im Oktober 2008 auf die Browser-Technik um (kress.de vom 14. Oktober 2008). Im März dieses Jahres startete Joost sein Angebot auch in Deutschland und hatte dafür zahlreiche Kooperationen mit der Produzentenseite geschlossen (kress.de vom 19. März 2009). Joost verzeichnete dank Relaunch zwar kleine Reichweitenzuwächse, konnte aber trotzdem kaum merklich Tritt im Markt fassen.

 

Längst hatten andere kostenlose Angebote wie "Hulu.com" diesen erobert. Die Plattform weiß heute große amerikanische Networks und Produzenten wie NBC, Universal, News Corp. und Disney auf seiner Seite. Zudem sendet Hulu, das derzeit allerdings nur in Nordamerika abrufbar ist, teils in HD-Qualität. Der Sender CBS, der neben Viacom, schon früh zu den Geldgebern von Joost gehörte, kehrte dem Unternehmen den Rücken und zeigt seine Serien mittlerweile auf YouTube. Hierzulande macht zudem der Schweizer Online-TV-Dienst Zattoo mächtig Druck.

 

Gründer von Joost sind die Skype- und Kazaa-Erfinder Janus Friis und Niklas Zennström. Die beiden hatten einst rund 45 Mio US-Dollar an Investitionen für Joost eingesammelt (kress.de vom 10. Mai 2007).

Nico Kunkel

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