Gemeinsamer Musikrechte-Vermarkter BMG: Bertelsmann tut sich mit KKR zusammen.

08.07.2009
 nic
 

Gemeinsamer Musikrechte-Vermarkter BMG:  Bertelsmann tut sich mit KKR zusammen Bertelsmann will wieder was gelten im Musikgeschäft: Die Gütersloher gründen mit dem amerikanischen Finanzinvestor KKR unter dem Kürzel BMG ein gemeinsames Musikrechteunternehmen. Über die Liaison war kürzlich spekuliert worden (kress.de vom 24. Juni 2009), jetzt ist sie offiziell. Bertelsmann schießt neben der Marke BMG umfangreiche Rechtekataloge sowie Lizenz- und Vermarktungsverträge mit Künstlern ein, bisher bei der Konzerntochter BMG Rights Management gelagert. KKR soll die Finanzierung stemmen. An dem Joint Venture hält Bertelsmann künftig 49% der Anteile, KKR übernimmt mit 51% die Mehrheit - verzichtet aber auf die operative Kontrolle. Herr im Haus ist Hartwig Masuch (Foto), CEO von BMG Rights Management. Das Geschäftsmodell dreht dem klassischen Musikverlags-Business den Rücken, die Firma will als Dienstleister mit Lizenz- und Rechteverwertung absahnen. Akquisitionen sind ausdrücklich vorgesehen. Umblättern.

Gemeinsamer Musikrechte-Vermarkter BMG:

 

Bertelsmann tut sich mit KKR zusammen

Bertelsmann will wieder was gelten im Musikgeschäft: Die Gütersloher gründen mit dem amerikanischen Finanzinvestor KKR unter dem Kürzel BMG ein gemeinsames Musikrechteunternehmen. Über die Liaison war kürzlich spekuliert worden (kress.de vom 24. Juni 2009), jetzt ist sie offiziell. Bertelsmann schießt neben der Marke BMG umfangreiche Rechtekataloge sowie Lizenz- und Vermarktungsverträge mit Künstlern ein, bisher bei der Konzerntochter BMG Rights Management gelagert. KKR soll die Finanzierung stemmen. An dem Joint Venture hält Bertelsmann künftig 49% der Anteile, KKR übernimmt mit 51% die Mehrheit - verzichtet aber auf die operative Kontrolle. Herr im Haus ist Hartwig Masuch (Foto), CEO von BMG Rights Management.

 

Das künftige BMG-Geschäftsmodell dreht dem klassischen Musikverlags-Business den Rücken, die Firma will als Dienstleister mit Lizenz- und Rechteverwertung absahnen. BMG lizenziert und verwaltet als Künstlervertreter die Urheberrechte an deren Musikstücken - beispielsweise für Konzertübertragungen oder deren Verwendung in TV-, Werbe-, oder Filmproduktionen. BMG-Chef Masuch: "Ich freue mich darüber, mit KKR einen Partner zu haben, der unsere Einschätzung hinsichtlich künftiger Geschäftsmodelle für die Musikindustrie teilt."

 

In der künftigen BMG-Strategie sind Akquisitionen ausdrücklich vorgesehen: "Die Partnerschaft mit KKR wird zu einer wesentlichen Beschleunigung der Geschäftsentwicklung von BMG beitragen, da erhebliche Investitionsmittel bereitstehen", sagt Bertelsmann-Finanzer und neuer BMG-Chairman Thomas Rabe. "Unser gemeinsames Ziel ist es, den Aktionsradius von BMG schneller international auszuweiten. Wir werden eine aktive Rolle in der zu erwartendenden Konsolidierung des Marktes einnehmen können."

 

Gerüchteweise ist der schwächelnde Plattenkonzern EMI potenzieller Übernahmekandidat. Mit Interesse wird BMG sicher auch die Zukunft des Musikverlags Sony-ATV verfolgen, der zur Hälfte im Besitz des jüngst verstorbenen Michael Jackson war. Sony-ATV hält u.a. die Rechte an einigen Beatles-Songs. Die Rechte an seinen eigenen Stücken verwahrte Jackson in seinem Musikverlag Mijack Music - auch der könnte demnächst am Markt sein.

 

Ohne Geldgeber KKR wäre BMGs Wachstumskurs allerdings kaum zu halten. Bertelsmann sitzt auf einem Berg Schulden und fährt derzeit ein striktes Sparprogramm. Laut "FAZ" will KKR (auch Miteigentümer der ProSiebenSat.1 Media AG) rund 250 Mio Euro an Eigenkapital in das Joint Venture einbringen und bis zu einer halben Mrd Euro an den Finanzmärkten auftreiben. 

 

KKR zahlt über seine Fonds in eine neue Holdinggesellschaft der BMG Rights Management ein. BMG Rights Management selbst wandert in einen Equity Fonds, den Bertelsmann vor zwei Jahren aufgesetzt hat. Die zarte Anteilsmehrheit von KKR hat für Bertelsmann einen schönen Nebeneffekt - eine Minderheitsbeteiligung an einem verschuldeten BMG belastet nicht zusätzlich die konsolidierte Bertelsmann-Bilanz. Das Konstrukt muss allerdings noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden. 

 

In seiner BMG Rights Management hütet Masuch wertvolle Schätze: Das Unternehmen übernahm bei seiner Gründung im Oktober 2008 einen Rechtekatalog mit über 200 Interpreten - Überbleibsel, die sich Bertelsmann trotz Verkauf der Sony-BMG-Beteiligung an Sony reserviert hatte. In den vergangenen Monaten schloss BMG Rights Management weitere Verträge mit rund 100 Künstlern ab, darunter Peter Fox, A-ha, Nena und Sasha. Die Resonanz der Branche auf den "serviceorientierten Ansatz" sei groß, so BMG-Chef Masuch.

 

Seit 2006 hatte sich Bertelsmann sukzessive aus dem Musik-Biz verabschiedet: 2006 ging der Musikverlag BMG Music Publishing an den Marktführer Universal Music Publishing (kress.de vom 6. September 2006), Ende 2008 überschrieb Bertelsmann seine 50%-Beteiligung an Sony BMG dem Partner Sony gänzlich (kress.de vom 5. August 2008).

 

Hinter dem Rückzug steckte nicht nur der schwindende Glaube ans herkömmliche Musikgeschäft mit handfesten Tonträgern. Bertelsmann musste dringend flüssig werden, um mit einem Aktienrückkauf über 4,5 Mrd Euro einen drohenden Börsengang abzuwenden (kress.de vom 26. Mai 2006). Trotz Schuldenabbau trägt der Konzern bis heute an seinem Schuldendienst, der Investitionsspielräume einschränkt.

Nico Kunkel

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