Protest gegen Synergiepläne: Die Redaktion der "Berliner Zeitung" will Syndication aussetzen.

 

Protest gegen Synergiepläne bei der "Berliner Zeitung": Redaktion will Syndication aussetzen In der Redaktion der "Berliner Zeitung" formiert sich der Widerstand gegen die am Freitag bekannt gewordenen Pläne (kress.de vom 21. August 2009), einzelne Ressorts ganz oder teilweise zur "Frankfurter Rundschau" zu verlagern bzw. gemeinsame Schreiberpools zu bilden: Die Redaktionsversammlung hat am Montag beschlossen, aus Protest dagegen die so genannte Syndication vorerst "auszusetzen", sie wird also nicht mehr am Tausch von Inhalten zwischen den Abozeitungen von M. DuMont Schauberg (neben "FR" und "Berliner Zeitung" auch "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Mitteldeutsche Zeitung") teilnehmen. In einem offenen Brief an  Publizistischen Beirat und Vorstand des Verlags MDS begründet die Redaktion das mit "großer Sorge um die Qualität und Unabhängigkeit der Berliner Zeitung". Vorstand Konstantin Neven DuMont hat die Kritik an den Synergieplänen unterdessen zurückgewiesen: "Es wird in unserem Hause keinen Mantel für alle geben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung": "Ein solcher Einheitsbrei verträgt sich nicht mit dem Anspruch unseres Hauses." Mehr über den Krach bei der "Berliner Zeitung" gibt es nach dem Umblättern!

Protest gegen Synergiepläne bei der "Berliner Zeitung":

 

Redaktion will Syndication aussetzen

In der Redaktion der "Berliner Zeitung" formiert sich der Widerstand gegen die am Freitag bekannt gewordenen Pläne (kress.de vom 21. August 2009), einzelne Ressorts ganz oder teilweise zur "Frankfurter Rundschau" zu verlagern bzw. gemeinsame Schreiberpools zu bilden: Die Redaktionsversammlung hat am Montag beschlossen, aus Protest dagegen die so genannte Syndication vorerst "auszusetzen", sie wird also nicht mehr am Tausch von Inhalten zwischen den Abozeitungen von M. DuMont Schauberg (neben "FR" und "Berliner Zeitung" auch "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Mitteldeutsche Zeitung") teilnehmen. In einem offenen Brief an  Publizistischen Beirat und Vorstand des Verlags MDS begründet die Redaktion das mit "großer Sorge um die Qualität und Unabhängigkeit der Berliner Zeitung".

 

"Substanz gefährdet"

 

Der Verlag hat mittlerweile bestätigt, dass die "Berliner Zeitung" ihren Wissenschaftsteil in Zukunft aus Frankfurt beziehen soll. Umgekehrt kommt die Medienberichterstattung für Frankfurt fortan aus Berlin. Zudem gibt es Pläne, wonach die "Berliner Zeitung" auch große Teile ihrer Wirtschaftsinhalte aus Frankfurt beziehen soll. In Berlin will MDS hingegen offenbar einen Schreiberpool für die Politik schaffen. Das sei aber noch nicht entschieden, so die offizielle Sprachregelung. "Eine Umsetzung der Pläne würde die Redaktion im Kern treffen, die Substanz der führenden Hauptstadtzeitung gefährden und die Marke Berliner Zeitung mit ihrer engen Leser-Blatt-Bindung beschädigen", beklagt nun die Redaktion der "Berliner Zeitung" in ihrem - einstimmig verabschiedeten - offenen Brief. Zudem widersprächen die Pläne dem von M. DuMont anerkannten Redaktionsstatut, wonach die Zeitung eine "Autorenzeitung mit Vollredaktion“ ist, die eigene überregionale und regionale Ressorts umfasst.

 

MDS hat den Berliner Verlag mit der "Berliner Zeitung" Anfang des Jahres von David Montgomery gekauft. Mit ihm und seinem Statthalter Josef Depenbrock hatte die Redaktion im Dauerclinch gelegen. Nun beklagt sie "ähnliche Pläne" wie damals "erneut vorgesetzt zu bekommen".

 

Die Redaktion will die Syndication zwischen den MDS-Titeln auszusetzen, "bis die Erfahrungen ausgewertet und Schlüsse für weitere Formen der Kooperation gezogen sind". Die Pläne zur "Zerschlagung und Auslagerung von Ressorts" müssten vom Tisch: "Wir können nicht zusehen, wie ohne Not bewährte Strukturen dieser Zeitung preisgegeben und Arbeitsplätze hier wie auch in anderen Verlagstiteln gezielt überflüssig gemacht werden." Zu erwarten seien ansonsten "erhebliche Kommunikationsprobleme und Reibungsverluste sowie eine inhaltliche Verwässerung der Zeitungen".

 

"Kein Mantel für alle"

 

Vorstand Konstantin Neven DuMont hat die Pläne des Verlags unterdesen verteidigt. An der Eigenständigkeit der Blätter werde nicht gerüttelt, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Die Chefredakteure bestimmten, welche Inhalte sie aus den Pools übernehmen: "Da gibt es keine Verpflichtung." Im Falle von Politik und Wirtschaft sollten "FR" und "Berliner Zeitung" ihre jeweiligen Ressorts behalten. Dort würde auch künftig entschieden, was wo in die Zeitung komme. "Es wird in unserem Hause keinen Mantel für alle geben", sagte Neven DuMont der "SZ". "Ein solcher Einheitsbrei verträgt sich nicht mit dem Anspruch unseres Hauses."

 

Den vollständigen Text des offenen Briefes der Redaktion lesen Sie im Plus-Teil unter dieser Meldung.

hk

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2019/#10

Lesen Sie im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Relotius-Affäre und Print-Online-Fusion: Wie Steffen Klusmann sein erstes Jahr beim 'Spiegel' überlebte. Dazu: Die besten Medienmanager, Chefredakteure und Newcomer 2019 - und Klambt-Verleger Lars Rose sagt im Strategiegespräch, wo er zukaufen möchte.

Inhalt konnte nicht geladen werden.