"Dein Spiegel" im kress-Check: Spiegel Verlag funkt die Jugend an.

02.09.2009
 nic
 

"Dein Spiegel" im kress-Check:  Kindgerechte Unterhaltung Seit dem 1. September mischt der Hamburger Spiegel Verlag im Jugendsegment mit: Das Nachrichten-Flaggschiff  "Der Spiegel" hat unter dem Titel "Dein Spiegel" sein mit Spannung erwartetes junges Beiboot für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren vom Stapel gelassen (kress.de vom 17. August 2009). Der erste Eindruck ist stimmig, der Ableger verbirgt weder optisch noch inhaltlich seine Abstammung. Klare Struktur trotz abwechslungsreicher Themen-Mischung, kindgerechtes Layout und solide Geschichten machen den Erstling zu einem guten Fundament, auf das der Verlag aufbauen könnte. Wer im Kindermarkt oben sein will, muss aber den Spagat beherrschen: Es gilt die Jungen zu gewinnen, fast aber noch mehr deren Eltern zu überzeugen. Wie sich "Dein Spiegel" schlägt - umblättern.

"Dein Spiegel" im kress-Check:

 

Kindgerechte Unterhaltung

Seit dem 1. September mischt der Hamburger Spiegel Verlag im Jugendsegment mit: Das Nachrichten-Flaggschiff  "Der Spiegel" hat unter dem Titel "Dein Spiegel" sein mit Spannung erwartetes junges Beiboot für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren vom Stapel gelassen (kress.de vom 17. August 2009). Der erste Eindruck ist stimmig, der Ableger verbirgt weder optisch noch inhaltlich seine Abstammung. Klare Struktur trotz abwechslungsreicher Themen-Mischung, kindgerechtes Layout und solide Geschichten machen den Erstling zu einem guten Fundament, auf das der Verlag aufbauen könnte. Wer im Kindermarkt oben sein will, muss aber den Spagat beherrschen: Es gilt die Jungen zu gewinnen, fast aber noch mehr deren Eltern zu überzeugen.

 

Dem Einstieg mit dem großen "Hallo" auf Seite Eins folgt ein sauberes Inhaltsverzeichnis: Die Redaktion gliedert das Heft in die Ressorts "Politik", "Menschen", "Natur + Technik", "Wirtschaft", "Kultur" und "Sport". Vor dem Aufmacher ("Wahltheater" zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier) positionieren die Macher eine Newsrubrik ("Globus"). Der Nachrichtenwert der Kurzmeldungen variiert teils beträchtlich: Es geht um die schmerzlindernde Wirkung von Kraftausdrücken, andermal sind giftige Abfälle der Jeansindustrie als Krankmacher der  "Lumpenkinder" von Lesotho das Thema.

 

Gute Geschichten, simple Sprache

 

Nach den ersten Seiten aber wird die Redaktion langsam warm: Hinter den Beiträgen stecken erkennbar erfahrene "Spiegel"-Macher. Erwachsene Augen gewöhnen sich eher schwer an die große Schrift und die bunte Bastel-Optik, bei Wettbewerbern mit ähnlicher Marschrichtung, wie "Geolino" von G+J, hat sich das Rezept aber bewährt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen treffen die Schreiber, teils mit simplem Satzbau, teils mit umgangssprachlichen Wendungen, gut den kindlichen Duktus und machen schwierige Themen zugänglich. Gut gewählt sind dazu große Bilderstrecken und Infografiken: Auffallend ist beispielsweise eine Doppelseite über Piraten am Horn von Afrika, die gleichermaßen aufklärt und einen kritischen Bezug zu den romantischen Piratenbildern in Kinderköpfen schafft.

 

Kinderreporter: Der Nachwuchs kommt zu Wort

 

Konsequent kommen Kinderreporter zum Einsatz: Regina, 11, und Nils, 10, interviewen gemeinsam den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier mit kindlich-sympathischem Zugang, Viva, 8, reduziert die komplizierten Parteiprogramme aufs Wesentliche - und Theresa erzählt im eigenen Aufsatz über ihre Freundschaft zu Anna, die das Down Syndrom hat.

 

Thematisch ist die Mischung abwechslungsreich: Von "Oma Obama" im Weißen Haus, dem Leben aus Sicht einer Taube, den Eskimos im arktischen Dorf Kivalina oder kleinen "Kinder-Unternehmern" wird berichtet. Gelegentlich schlagen die Autoren kritische Töne an, wie in einem Stück über den Medienkonzern Disney, der mit Jungstars wie Miley Cyrus den großen Reibach macht.

 

Zum Ende lockert die Redaktion mit Promi-Interviews (u.a. über die Kindertage von Annett Louisan) und einer mehrseitigen Manga-Story auf, Lücken werden mit einer Witze- und Rätsel-Rubrik, teils mit etwas dünnen Tipps für Schüler, die ihre Hausaufgaben vergessen haben, gestopft. Das letzte Ressort "Sport" schließlich, muss Interview-Gast Basti Schweinsteiger ganz alleine bestreiten.

 

Gut gebucht: Anzeigen zielen auch auf die Eltern

 

Um die Zielgruppe dürfte sich der Titel mit dem durchaus erfolgreichen G+J-Heft "Geolino" balgen - das im Übrigen ganzseitig im neuen Kinderspiegel wirbt. Über mangelnden Zuspruch seitens der Werbekunden kann der Verlag nicht meckern: Sicher mögen sich jene auch von Einführungsrabatten und der hohen Aufmerksamkeit, die dem Erstling zugute kommt, haben locken lassen - dennoch: Der Titel ist gut besucht. Unter die Nick-, Scoyo- und Müller Milch-Buchungen mischen sich indes auch weniger adäquate Anzeigenseiten der Telekom (für ihr Entertainment-Paket T-Home), von Hugo Boss oder Mercedes-Benz. Unter Umständen treibt den Mediaplaner ein ähnliches Kalkül wie den Verlagsmanager: Kaufen werden das Heft letztlich hauptsächlich Eltern, die dem Nachwuchs mehr Welt-Verständnis unterjubeln wollen - wer von beiden das Blatt am Ende tatsächlich liest, bleibt ungewiss.

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